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Foto Nienhagen Gespensterwald
Material

Handlungsorientierung

Kompetenzprofil für Fachkräfte der außerschulischen politischen Bildung

Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation kompetent.politisch.bilden, die einen Orientierungsrahmen für die Qualifizierung von politischen Bildner*innen bietet. kompetent.politisch.bilden ist in zehn Kompetenzbereiche gegliedert, die hier einzeln vorgestellt werden.
Im Folgenden: Handlungsorientierung.

Kompetenzbereich Handlungsorientierung

Beschreibung

Handlungsorientierung ist eine Grundlage politischer Bildung. Dazu gehört es, Lernende anzuregen Erlerntes anzuwenden und gesellschaftspolitisch wirksam werden zu lassen. Lernende werden motiviert, eine aktive Rolle in der Gesellschaft anzunehmen, sich aktiv zu informieren, zu engagieren oder sich zu organisieren. Handlungsorientierung findet sich als Reflexions- und Transferdimension in allen Formaten der politischen Bildung wieder, weshalb ihr eine übergreifende Bedeutung zukommt.

Da Handlungskompetenz für Lernende zentral ist, bedeutet dies für politische Bildner*innen, selbst über diese Kompetenz zu verfügen und sie zu teilen. Im engeren pädagogischen Sinne leitet sich daraus der Auftrag ab, als politische Bildner*in pädagogische Kompetenzen dafür einzusetzen, dass Teilnehmende auf ihrem Weg zur Handlung unterstützt  werden.

Referenzpunkt und Zielebene der Handlungskompetenz ist die demokratische Gesellschaft. Das meint, Lernen für, über und mit Demokratie als Lebens-, Gesellschafts- und Regierungsform, diese kennenzulernen, sie mitzugestalten und weiterzuentwickeln. Eine wichtige Grundlage für das Handeln ist somit das Erschließen und Verstehen politischer Zusammenhänge. Um die Teilnehmenden hierbei zu unterstützen, müssen Bildner*innen auch selbst den Zusammenhang von individuellem Erleben und Handeln und dem Politischen herstellen und erklären können.

Dabei kann Handeln direkt gesellschaftliche Veränderung anstreben, aber nicht alles gesellschaftspolitische Handeln ist zwangsläufig auf Veränderung angelegt. So hat Handeln auch eine soziale Dimension, die sich etwa im Engagement im Sinne der Selbstorganisation und der Verbindung mit anderen (Vertiefung sozialer Beziehungen) zeigt.

Da die Umsetzungsverantwortung des Handelns bei den Teilnehmenden liegt, geht es darum, deren Fähigkeiten zur selbstgesteuerten politischen Analyse zu stärken, die Reflexion ihres Handelns anzuregen und die Fähigkeiten zur Planung  ihrer zukünftigen Schritte zu stärken. Wichtig ist ein Bewusstsein über die Relativität der eigenen Vorstellungen von Gesellschaften und Themen. Die Vorstellungen und Möglichkeiten der Teilnehmenden dürfen dabei nicht vorweggenommen oder eingegrenzt werden. Politische Bildner*innen gestalten non-formale und informelle Lernsettings, die ausreichend Raum und Zeit für offene Lernprozesse bieten und ei-nen Transfer in politisches Handeln anregen.

 

Teilkompetenzen

Teilkompetenzen

Systemisches Denken

Systemisches Denken meint die Fähigkeit von politischen Bildner*innen, die Komplexität gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge zu verstehen und deutlich zu machen. Dazu gehören die Verflechtungen und gegenseitige Beeinflussung von individuellem Leben und Handeln in größeren Zusammenhängen, bspw. von Politik, Wirtschaft und Kultur. In Bezug auf die Teilnehmenden meint dies, sie dazu zu befähigen, gesellschaftspolitische Strukturen und Prozesse im Hinblick auf ihre eigene Lebenssituation zu hinterfragen.

Innovatives Denken 

Innovatives Denken meint die Fähigkeit, sich abseits von gewohnten Denkweisen, Erfahrungen und Handlungsmustern auf neue Ideen einlassen zu können und diese Offenheit bei den Teilnehmenden anzuregen und zu stärken. Ein kreatives Methodensetting sowie Orte abseits des eigenen sozialen Umfelds unterstützen den dafür notwendigen Perspektivwechsel.

Zukunftsorientierung

Zukunftsorientierung meint die Fähigkeit zur Utopiebildung wie auch zum kritischen Denken. Damit können politische Bildner*innen Teilnehmenden eine Anleitung zur Arbeit an Szenarien und politischen Visionen einer wünschenswerten Zukunft geben. Dies beinhaltet, das Nachdenken über eine wünschenswerte Zukunft zu fördern oder Ansätze zur (ökologischen) Folgenabschätzung von Politik und Technologie zu integrieren. 

Realitätsbezug

Realitätsbezug beschreibt die Fähigkeit von Bildner*innen, sich selbst politisch zu informieren und auf der Grundlage von Evidenz ein realistisches Bild der pluralen Gesellschaft im Lernraum abbilden zu können. Damit wird Teilnehmenden ermöglicht, ein realistisches Bild von ihrer Situation und ihren Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Hierzu gehört ein Abgleich der  eigenen Wahrnehmung und der Wahrnehmung der Teilnehmenden mit Daten und Evidenz, sowie mit anderen Perspektiven, das heißt kontroverse Positionen im Sinne des Kontroversitätsgebots angemessen einzubeziehen.

Empowerment

Empowerment meint die Fähigkeit politischer Bildner*innen zur Stärkung der Beteiligung und der Selbstorganisation von Teilnehmenden, insbesondere durch das Umsetzen von selbstbestimmtem Planen, Organisieren, Artikulieren und Entscheiden. Dafür sollten im politischen Bildungsangebot Selbstermächtigungserfahrungen ermöglicht werden. 

Politisches Denken

Politisches Denken meint die Fähigkeit, aktive Neugierde und Lust auf Beschäftigung mit dem Politischen vorzuleben und diese zu vermitteln. Dazu gehört auch, Kategorien des politischen Denkens einzuführen, Formen des politisch relevanten Handelns in Politik, Zivilgesellschaft, Medien, Wirtschaft, Kultur und Sport vorzustellen.

Sozial-ökologisches Bewusstsein

Sozial-ökologisches Bewusstsein meint die Fähigkeit, die soziale und ökologische Dimension zu reflektieren, ökologische Wirkungen politischer Lösungen ebenso wie politische Implikationen ökologischer Lösungen zu thematisieren. Auch gehört dazu, Handlungsansätze für Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen sichtbar zu machen und diese zu diskutieren.

Gesellschaftliches und politisches Engagement

Politische Bildung setzt das Interesse an gesellschaftlichem und politischem Engagement von Fachkräften voraus. Die Kompetenz besteht darin, dass sich Bildner*innen als mitgestaltender Teil der Gesellschaft verstehen und aktiv zur demokratischen Kultur beitragen. Dies beinhaltet einerseits die Fähigkeit, dass Bildner*innen auf Wissen über Engagement zurückgreifen und es in Bildungsprogramme und Lernprozesse integrieren können. Andererseits werben sie als aktiv Interessierte für gesellschaftliche und politische Mitgestaltung und ermutigen Teilnehmende über eigene Interessen, Ziele und Möglichkeiten des Engagements nachzudenken.

Kompetenzprofil Überblick

Der vorgestellte Kompetenzbereich ist Teil des Kompetenzprofils für Fachkräfte der politischen Bildung. 

Handlungsorientierung
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