
Kommunikationskompetenz
Kompetenzprofil für Fachkräfte der außerschulischen politischen Bildung
Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation kompetent.politisch.bilden, die einen Orientierungsrahmen für die Qualifizierung von politischen Bildner*innen bietet. kompetent.politisch.bilden ist in zehn Kompetenzbereiche gegliedert, die hier einzeln vorgestellt werden.
Im Folgenden: Kommunikationskompetenz.

Beschreibung
Kommunikationskompetenz ist die Fähigkeit und Bereitschaft mit unterschiedlichen Zielgruppen in verschiedenen Rollen und mit unterschiedlichen Kommunikationsmitteln wie Sprache, Körpersprache, Schrift und Bild einen konstruktiven und auf Anerkennung basierenden Austausch zu führen. Ein Spezifikum der politischen Bildung ist es, durch kommunikative Kompetenz neben Einigung auch Kontroversität herzustellen. Zentrale Grundlage für die Kommunikationskompetenz ist ein respektvoller und wertschätzender Umgang. Dazu gehört auch eine Sensibilität für vielfältige Kommunikationsformen (wie z. B. Gebärdensprache, Körperhaltung, Siezen/Duzen, Kleidung etc.).
Kommunikationskompetenz ist für die politische Bildung in vielerlei Hinsicht wichtig, da Kommunikation auf unterschiedlichen Wegen und für unterschiedliche Zwecke stattfindet. Paul Watzlawick sagt, dass man nicht nicht kommunizieren kann, da jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) Verhalten ist, und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren. Daraus folgt auch für die politische Bildung, dass politische Bildner*innen unentwegt kommunizieren, ob gewollt oder nicht. Jede Entscheidung und jedes Detail sind Ausdruck einer bewussten oder unbewussten Kommunikation, die die Bildungsprozesse und deren Wirkung maßgeblich beeinflussen. Diese Kommunikation manifestiert sich bereits in den ersten Schritten der Bildungsplanung, angefangen bei der Ausschreibung, über den ersten Kontakt, die Ortswahl, die Inhalte, die Sprache, die Art der Darstellung oder die Verpflegung. All diese und weitere Aspekte tragen zur Kommunikation bei und prägen den Austausch zwischen den Akteur*innen und den Teilnehmenden.
Die Kommunikation richtet sich an verschiedene Adressat*innengruppen der politischen Bildung, z. B. Kinder und Jugendliche, Erwachsene, die Öffentlichkeit oder an das eigene Team. Gleichzeitig muss mit Fördermittelgeber*innen, Gremien, Behör den und anderen pädagogischen Fachkräften kommuniziert werden. Netzwerke müssen aufgebaut oder gestaltet werden. Da Sprache auch eine Form von Macht darstellt und zu Ausschlüssen führen kann, ist es wichtig, ein Bewusstsein für eine angemessene (An-)Sprache zu haben.
Kommunikationskompetenz ist für alle Be reiche der Interaktion relevant. In der politischen Bildung kann mit entsprechender Kommunikation eine gute Atmosphäre und ein positives Lernumfeld geschaffen werden. Teil eines angemessenen kommunikativen Verhaltens ist auch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lebenswelten der Personen, mit denen politische Bildner*innen kommunizieren – beispielsweise im Hinblick auf Diversität, Alter, Bildungsabschlüsse –, um entsprechende Bildungsformate zu entwickeln. Ebenso zählt dazu, ein reales Interesse an Gesprächspartner*innen aufzubauen und aktiv zuzuhören. Anhaltspunkte für die Umsetzung gelungener, vertrauensvoller Kommunikation können beispielsweise über das Feedback der Teilnehmenden und Kolleg*innen gewonnen werden oder dadurch, dass angebotene Bildungsformate gut angenommen werden, Teilnehmende Aha- Momente erleben, oder sich selbst trauen, Themen und Belange einzubringen.
Teilkompetenzen
Teilkompetenzen
Fachsprache
Fachsprache meint die Fähigkeit, sich der professionsbezogenen Sprache korrekt und angemessen zu bedienen, insbesondere in einer im jeweiligen Kontext und für die einbezogenen Personen nachvollzieh baren Form, und ihren Erwerb zu fördern. Die Wahl einer, bezogen auf die Profession der politischen Bildung angemessenen Sprache, ist für das Verständnis komplexer Zusammenhänge und aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse notwendig. Sich in angemessener Weise der Fachsprache zu bedienen beinhaltet auch, als politische*r Bildner*in eine Sensibilität für eine angemessene Kommunikation mit allen Teilnehmenden zu entwickeln.
Klare Kommunikation
Eine klare und verständliche Kommunikation sollte auch Körpersprache und non verbale Ausdrucksmöglichkeiten beinhalten. Die Kommunikation sollte für Teilnehmende logisch nachvollziehbar sein, komplex genug für das Bildungssetting, aber gleichzeitig so einfach wie möglich. Zur Erhöhung von Verständlichkeit bieten sich Methoden zur Visualisierung, das Paraphrasieren oder aktives Zuhören an.
Nutzung verschiedener Kommunikationstechniken
Die Fähigkeit zur Nutzung verschiedener Kommunikationstechniken beinhaltet Wissen über adäquate Kommunikationswege und -mittel, um Adressat*innengruppen zu erreichen, mit ihnen zu kommunizieren oder die Techniken in Gruppenprozessen gemeinsam nutzen zu können. Dadurch kann im Arbeitsprozess Klarheit und Über blick befördert werden, zum Beispiel im eigenen Sprechen als Bildner*in und in der Moderation von Dialogen und Diskussionen, Konfliktaushandlungen, Anleitungen oder Reflexionen.
Gewaltfreie Sprache
Wesentlich für die politische Bildung ist die Vermittlung und Anwendung von Techniken und Grundlagen des gewaltfreien Sprechens und Hörens unter Berücksichtigung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte. Das meint einerseits, eine inklusive Sprache zu kennen und eine Sensibilität für vielfältige Diskriminierungen zu entwickeln sowie andererseits, eine Kommunikation auf Grundlage gemeinsam vereinbarter Regeln und in Anbetracht der verschiedenen Bedürfnisse in einer Gruppe zu führen. Auch beinhaltet es zu gewährleisten, dass Teilnehmende sich frei äußern und vollwertig am Gruppenprozess teilnehmen können. Hinzu kommt die Fähigkeit zu Intervention und Schutz, wenn Regeln verletzt werden, so wie die Berücksichtigung und Wertschätzung von Minderheitenpositionen.
Lösungsorientierung
Ein wichtiges Kommunikationsprinzip für politische Bildner*innen ist die Lösungsorientierung, das heißt die Fähigkeit, insbesondere bei aufkommenden Diskussionen oder Konflikten konstruktiv mit Meinungsverschiedenheiten und Interessensgegensätzen zu arbeiten. Konflikte werden nicht als etwas Negatives angesehen, denn sie machen Positionen deutlich. Diese Positionen können reflektiert werden. Die Lösung von Konflikten kann ein Ziel sein, muss es aber nicht. Vielmehr geht es dar um, gemeinsam Lösungswege zu entwickeln.
Raum halten
Eine wesentliche Kompetenz, insbesondere in der Durchführung von Bildungsveranstaltungen ist das Raum halten. Das meint die Fähigkeit, Orte und Situationen als Kommunikationsräume für einen konstruktiven und wertschätzenden Austausch zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Dazu gehört das Vertrauen, während Veranstaltungen oder Arbeitsprozessen aufkommende Emotionen artikulieren und Kontroversen respektvoll austragen zu können. Dazu gehört ebenso ein reflektierter, professioneller Umgang mit herausfordernden Situationen wie z. B. Stress und das Verhindern von Stressübertragung auf die Gruppe.
Umgang mit Emotionen
Auch der reflektierte und angemessene Umgang mit Emotionen ist eine wesentliche Teilkompetenz von gelingender Kommunikation. Das heißt, dass Emotionen als selbstverständlicher Teil und entsprechend als Ressource für den Lernprozess pädagogisch genutzt und eingebunden werden können. Es meint ebenso die Fähigkeit, Anzeichen von ambivalenten Emotionen zu erkennen und zu deuten sowie eine Entscheidung treffen zu können, wie damit verantwortungsbewusst umgegangen werden kann (z. B. Zweiergespräche vs. Plenum). Das setzt voraus, dass politische Bildner*innen über Empathie verfügen und ein Verständnis für unterschiedliche, insbesondere marginalisierte Positionen ausdrücken und bei Bedarf vertiefen können (→ Empathie und → Fähigkeit zum Perspektivwechsel).
Praxisbeispiele
Kommunikative Kompetenzen für politische Bildner*innen im Umgang mit Desinformation, Polarisierung und demokratiefeindlichen Strategien
In Zeiten, in denen rechtsextreme und rechtspopulistische Akteur:innen Debatten gezielt emotionalisieren, Fakten relativieren und Verunsicherung erzeugen, geraten politische Bildner:innen zunehmend unter Druck. Die Europäische Akademie Berlin hat ein Fortbildungskonzept entwickelt, das Fachkräfte der politischen Bildung stärkt, souverän auf manipulative Argumentationsmuster, extremistische Narrative und strategische Störversuche in Bildungssettings zu reagieren.


