
Vernetzung und Kooperation
Kompetenzprofil für Fachkräfte der außerschulischen politischen Bildung
Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation kompetent.politisch.bilden, die einen Orientierungsrahmen für die Qualifizierung von politischen Bildner*innen bietet. kompetent.politisch.bilden ist in zehn Kompetenzbereiche gegliedert, die hier einzeln vorgestellt werden. Im Folgenden: Vernetzung und Kooperation.

Beschreibung
Vernetzung und Kooperation meint die Fähigkeit, mit anderen Organisationen oder Repräsentant*innen zielgerichtet in den Austausch oder in die Zusammenarbeit zu kommen. Die Ziele können unterschiedlich sein und sich überlagern: Eine Vernetzung kann z. B. angestrebt werden, um für eine gemeinsame Sache einzutreten oder um durch Zusammenarbeit die eigenen Ziele besser zu erreichen. Es kann darum gehen, gemeinsame Vorhaben anzustoßen oder die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Wichtig ist dafür ein systematischer Überblick über die Akteur*innenlandschaften, um die relevanten Akteur*innen besser einbinden zu können, ohne die eigenen Qualitätsstandards zu verletzen. Vernetzung und Kooperation können ebenso zur Inspiration oder zur Fortbildung genutzt werden.
Kooperation und Vernetzung setzen voraus, dass Bildner*innen in der Lage sind, sich in Netzwerke zu begeben und auch das nötige Selbstvertrauen besitzen, sich und ihre Arbeit zu repräsentieren. Hierzu gehört Klarheit über die eigenen Beweggründe, die eingenommenen und zugewiesenen Rollen und die persönlichen Vorlieben, um authentisch netzwerken zu können. Insbesondere für politische Bildner*innen am Beginn ihrer Karriere ist es wichtig, in die neue Rolle hineinzufinden. Mentoring, Coaching oder Mitgliedschaft in Bildner*innen Netzwerken können diesen Schritt erleichtern.
Politische Bildung legt Wert auf die Repräsentation der Vielfalt von Positionen und Hintergründen und des Pluralismus im Bildungsprozess und ist deshalb grundsätzlich dazu aufgerufen, auch im Seminar oder Workshop den Austausch mit anderen gesellschaftlichen Akteur*innen zu suchen und ihre Repräsentant*innen einzubeziehen. Im größeren Rahmen geht es dabei um ein sichtbares Eintreten für die Demokratie und darum, sich als Botschafter*in für politische Bildung zu verstehen. Da politische Bildung auf eine lebendige Zivilgesellschaft, eine demokratische Öffentlichkeit und eine demokratische politische Kultur angewiesen ist und gleichzeitig selbst das Ziel hat, diese zu stärken und zur demokratischen Entwicklung beizutragen, erwächst daraus eine weitere Notwendigkeit: der Einsatz für diejenigen, die unter den Folgen der Schwächung der demokratischen Zivilgesellschaft (shrinking civic spaces) besonders leiden, oft einhergehend mit Herabwürdigungen, Angriffen auf ihre Integrität oder sogar gewalttätigen Übergriffen.
Vernetzung und Kooperation ist Teil des übergeordneten Kompetenzclusters "Organisatorische und institutionelle Kompetenzen"
Teilkompetenzen und Beispiele
Teilkompetenzen
Teilkompetenzen
Rollenbewusstsein
Die Fähigkeit, die eigene Rolle zu kennen, in der man im Netzwerk tätig ist, also z. B. als Initiator*in, Koordinator*in, Moderator*in, Unterstützer*in oder Teilnehmer*in. Die Struktur des Netzwerks, Zusammensetzung und Ziele sollten bekannt sein.
Sensibilität für Verschiedenheit
Die Fähigkeit und die Motivation, mit Unerwartetem in ungewohnter Umgebung umzugehen beziehungsweise diese zu erlernen und aufzugreifen sowie auf die Gewohnheiten, Bedürfnisse und Interessen anderer einzugehen. Es beinhaltet auch das Wissen über (Fach-)Sprachen, Habitus, kontextspezifisches Wissen und Gewohnheiten, die Beteiligte in anderen Kontexten pflegen oder befolgen.
Wirkungsorientierte Kommunikation
Die Fähigkeit, die Ziele, Handlungen und Beobachtungen des eigenen Handelns oder des*der Auftraggeber*in, der Organisation, der Bildungseinrichtung differenziert beschreiben zu können. Auf sich selbst bezogen schließt dies die (Selbst-)Präsentation ein.
Netzwerken
Die strategische Fähigkeit, professionelle Sichtbarkeit im Berufsfeld zu schaffen und langfristige Verbindungen zu etablieren. Dazu gehört, sich entsprechend der eigenen Möglichkeiten sowie der Erfordernisse in berufsbezogene Netzwerke (bspw. Gremien, Fachgruppen etc.) einzubringen, um nachhaltige Beziehungen aufzubauen.
Bündnisse eingehen
Meint in diesem Kontext die Fähigkeit, sich vernetzt für die Sichtbarkeit politischer Bildung einzusetzen und sich solidarisch gegenüber Kolleg*innen und (Partner-)Organisationen zu verhalten, die sich für Demokratie, Beteiligung, bürgerschaftliches Engagement und demokratische Entwicklung engagieren.
Strukturkenntnisse
Strukturkenntnisse sind notwendig, um die passenden Partner*innen und Finanzierungen für das eigene Vorhaben zu finden. Dazu gehört das Wissen über Förderstrukturen, ihre Bedingungen und Ziele. Dies beinhaltet auch, Angebote zu entwickeln und zu präsentieren, für die es eine Nachfrage gibt oder die zu den verfügbaren Finanzierungen passen.
Praxisbeispiele
Networking als Kompetenz
Ursprünglich für den Bereich der Entrepreneurship-Bildung entwickelt, stellt diese Broschüre aus dem Projekt DARE - Democracy and Human Rights Education in Europe, welches politischen Bildung und Entrepreneurshipbildung in Austausch bringt, einige Perspektiven und konkrete Tipps zum Netzwerken zusammen.
- Broschüre: Networking und Bildung für Entrepreneurship
Weltoffenes Thüringen
In Sorge um die Demokratie angesichts des Erstarkens rechtsextremer politischer Kräfte in Thüringen engagieren sich im Bündnis "Weltoffenes Thüringen" Organisationen und Menschen aus dem gesamten Freistaat. Die Europäische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Weimar ist eine der Initatori*innen. Wichtig ist es den Bündnispartner*innen, eine möglichst breite Plattform zu bilden, was beinhaltet, verschiedene Erwartungen, organisatorische Kontexte und Interessen unter einem Dach vereinen zu können. Politische Bildung ist hier einerseits Teil, andererseits auch (Mit-)Ermöglicherin.


