Zum Inhalt springen
Foto Büro Nokia Networks
Material

Organisationskompetenz

Kompetenzprofil für Fachkräfte der außerschulischen politischen Bildung

Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation kompetent.politisch.bilden, die einen Orientierungsrahmen für die Qualifizierung von politischen Bildner*innen bietet. kompetent.politisch.bilden ist in zehn Kompetenzbereiche gegliedert, die hier einzeln vorgestellt werden. Im Folgenden: Organisationskompetenz.

Kompetenzbereich Organisationskompetenz

Beschreibung

Organisationskompetenz wird verstanden als die Fähigkeit, pädagogische Ziele durch gutes Planen und Verwalten zu erreichen, unter Berücksichtigung der Aspekte des Materialeinsatzes, der Orts- und Raumplanung, der Logistik, des Einsatzes finanzieller Mittel, des Teilnehmendenmanagements, der Gestaltung von Teamarbeit sowie der administrativen Aufgaben, mit denen Bildner*innen während eines Prozesses betraut werden. 

Gute Planung und gutes Management zielen somit auf gute (politische) Bildung ab. Organisations- und Managementprozesse denken die Bedürfnisse der Teilnehmenden und vorhandenen Ressourcen mit, ebenso wie Diskriminierungsdimensionen und Barrieren, nehmen sie auf und schaffen so eine geschützte Lernumgebung. Auch sollten Organisations- und Managementprozesse im Einklang mit den im Bildungsprozess verfolgten Zielen und Prinzipien stehen. Managementaufgaben dienen so letztlich der Optimierung der pädagogischen Bedingungen. Um das Bildungsmanagement gut zu gestalten, ist Strukturwissen notwendig. Denn politische Bildung ist Teil unterschiedlicher Arbeitsfelder (z. B. Soziale Arbeit, Jugendarbeit,  Erwachsenenbildung), die verschiedenen politischen und (förder-)rechtlichen Bedingungen unterliegen.

Auch wenn die Aufgabe von Bildner*innen im Wesentlichen eine pädagogische ist, können sie nur dann das Beste aus den vorhandenen Mitteln machen, wenn sie diese verantwortungsvoll managen und Spielräume bzw. Einschränkungen frühzeitig in ihre Planung einbeziehen. Politische Bildner*innen mit einem starken pädagogischen Anteil ihrer Arbeit sollten mit den jeweiligen Rahmenbedingungen vertraut sein und pädagogisch begründete Anpassungswünsche frühzeitig mitteilen und vorschlagen können. Politische Bildner*innen mit größeren organisatorischen und Managementanteilen sollten sich der Prinzipien und Bedürfnisse, die sich aus dem pädagogischen Ansatz ergeben, bewusst sein und die Ressourcenplanung und steuerung an ihnen ausrichten. Die Vorlieben und Wege, Ressourcen zu managen, sind kontext-, situations- und typabhängig. Insbesondere in Teams treffen verschiedene Erwartungen und Stile aufeinander (→ Zusammenarbeit in Teams).
 

Organisationskompetenz ist Teil des übergeordneten Kompetenzclusters "Organisatorische und institutionelle Kompetenzen"

Teilkompetenzen

Teilkompetenzen

Schonender Umgang mit Ressourcen

beschreibt die Fähigkeit einer umsichtigen Planung hinsichtlich Zeit, Geld und Arbeitskraft aller am Bildungsprozess Beteiligten und das sinnvolle Einbetten von Dokumentations- und Nachweisaktivitäten.

Organisatorische Anpassungsfähigkeit

Des eigenen Planungs und Managementstils beinhaltet die Fähigkeit, Transparenz im Hinblick auf die Konzeption und Durchführung eines Bildungsangebotes gegenüber Teilnehmenden, Auftraggeber*innen und Kolleg*innen zu schaffen. Auch gehört dazu, auf Bedürfnisse und Erwartungen von Teilnehmenden und Kolleg*innen ein gehen zu können.

Zeitmanagement

Die Fähigkeit von Bildner*innen, ihren Zeiteinsatz effizient planen zu können und Aufgaben zu priorisieren. Sie sind in der Lage, mit  unterschiedlichen Erwartungen an Zeitmanagement umzugehen.

Projektmanagement

Der verantwortungsbewusste Umgang, insbesondere mit Erfordernissen und Fristen in den unterschiedlichen Phasen eines Projekts oder größeren Prozesses wie der Planung, Umsetzung und Nachbereitung. Dies schließt die Fähigkeit ein, den Überblick über den Gesamtprozess zu bewahren. Hierbei ist Wissen über die notwendigen administrativen und pädagogischen Aufgaben (z. B. Informations- und Dokumentationspflichten) notwendig. Projektmanagement zielt somit auch auf die Fähigkeit des Managens von Fördermitteln ab.

Verantwortungsvolle Technologienutzung

Eine Auswahl von Tools und Diensten für die Zusammenarbeit, Planung, Dokumentation und Kommunikation entlang von pädagogischen und ethischen Kriterien zu treffen und die Dienste und Tools nutzbar zu machen. Insbesondere ist Kenntnis von freier und offener Software und datenschutzsensiblen Tools und Diensten in Lernräumen zum demokratiebezogenen Lernen wichtig, da diese den genannten Kriterien besonders entsprechen und sich selbst, wie die politische Bildung auch, als Beitrag zur demokratischen Entwicklung verstehen.

Kontextkenntnis

Das eigene Handeln im organisatorischen Kontext (der Auftraggeber*in/Arbeitgeber*in, Organisationsziele und -hintergrund) und im fachlichen Kontext der politischen Bildung (Professionsverständnis, fachliche Grundlagen) einordnen zu können. Dazu gehört die Kenntnis der relevanten Unterstützungssysteme (z. B. der Jugendhilfe im Bereich politischer Jugendbildung), ihrer Ziele, Instrumente, gesetzlichen Grundlagen und Ansprechpartner*innen.

Praxisbeispiele

Von den Ressourcen her planen

An vielen Orten gibt es interessante Angebote und Räume: Werkstatträume, Parks, Sitzecken. Sehr oft wird ihre Nutzung im nicht als Programm geplanten Teil eines Workshops oder Seminars stattfinden. Man kann auch bereits bei der Programmplanung überlegen, wie sich diese räumlichen Möglichkeiten pädagogisch integrieren lassen.

Digitale Tools

Eine Datei ablegen? Ein Quiz starten? Weil viele Menschen es so gewohnt sind, werden für solcherlei Aufgaben meistens die Tools und Plattformen großer Anbieter*innen genutzt. Im Kontext eines Bildungsprojekts bedeutet die Nutzung solcher Tools, dass auch die Teilnehmenden gezwungen sind, diese zu nutzen und dass die Plattformen Metadaten über die Teinehmenden sammeln und ggf. monetarisieren. Das muss nicht sein. Für viele Aufgaben liefert Freie und Offene Software (FOSS) Lösungen. Es bedeutet jedoch manchmal, sich von einer "all in one"-Mentalität verabschieden zu müssen und sich verschiedene kleinere Tools anzueignen. Eine Fundgrube für gut erprobte Tools ist zum Beispiel die französische Organisation Framasoft, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Internet zu "entgooglen":

Kompetenzprofil Überblick

Der vorgestellte Kompetenzbereich ist Teil des Kompetenzprofils für Fachkräfte der politischen Bildung. 

CC BY SA Lizenz

Autor*innen / Organisationen

Module

Etwas beitragen?

Material einreichen