
Personale Kompetenz
Kompetenzprofil für Fachkräfte der außerschulischen politischen Bildung
Der vorliegende Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation kompetent.politisch.bilden, die einen Orientierungsrahmen für die Qualifizierung von politischen Bildner*innen bietet. kompetent.politisch.bilden ist in zehn Kompetenzbereiche gegliedert, die hier einzeln vorgestellt werden. Im Folgenden: Organisationskompetenz.

Beschreibung
Personale Kompetenzen bezeichnen die Fähigkeit und Bereitschaft einer Person, ihr berufliches Profil und ihr professionelles Handeln eigenständig und verantwortungs-bewusst zu entwickeln und zu gestalten – unter Berücksichtigung bestehender Res-sourcen und gesellschaftlicher Kontexte. Personale Kompetenzen ermöglichen es Fachkräften, ihre eigenen Stärken und Entwicklungsbereiche zu erkennen, professionell mit Herausforderungen umzugehen und ein hohes Maß an Eigenverantwortung in der beruflichen Praxis zu übernehmen.
Die Förderung personaler Kompetenzen im Kontext politischer Bildung erfolgt über verschiedene Lernpfade. Dabei sind erfahrungsbasierte Lernprozesse zentral, um die eigene Position durch die Auseinandersetzung mit heterogenen Perspektiven und gesellschaftspolitischen Kontroversen zu schärfen. Eine forschende Haltung unterstützt politische Bildner*innen darin, ihre eigene gesellschaftliche Positionierung kritisch zu hinterfragen und demokratische Entscheidungsprozesse aktiv zu erproben. Supervision und Coaching, eine ausgearbeitete Feedbackkultur und der Austausch mit Teilnehmenden, Kolleg*innen und Mentor*innen trägt dazu bei, die eigenen Kompetenzen zu reflektieren und zu verbessern.
Teilkompetenzen
Teilkompetenzen
Selbstreflexion
meint die Bewusstmachung der eigenen biografischen Prägungen, gesellschaftlichen Position und Werthaltungen, da diese das professionelle Handeln beeinflussen. Ebenso entscheidend sind Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und eine ausgeprägte Reflexionskompetenz, um gesellschaftliche Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Lernende in der Entwicklung ihres selbstbestimmten politischen Urteilsvermögens zu begleiten.
Motivationale Selbststeuerung
ist die Fähigkeit, die Beweggründe der beruflichen Tätigkeit zu reflektieren und sicherzustellen, dass diese im Einklang mit den fachlichen Rollenanforderungen sowie den Werten und Prinzipien politischer Bildung steht. Zur Unterstützung dieser Reflexionsprozesse sind Feedback von Teilnehmenden sowie ergänzende Maßnahmen wie Mentoring, Supervision oder kollegiale Beratung essenziell. Reflexion beginnt stets bei der eigenen Person, sollte jedoch durch die Perspektiven anderer ergänzt werden.
Resilienz
ist die Fähigkeit, sich schnell von unerwarteten Krisen, Schwierigkeiten oder Nöten zu erholen oder mit ihnen umzugehen. Im beruflichen Kontext wird Resilienz häufig auf effektives Stressmanagement, also beispielsweise den konstruktiven Umgang mit Zeit- und Ressourcenknappheit, bezogen. Im weiteren Sinne zählen dazu jedoch auch Traumata, persönliche Schicksalsschläge, Bedrohungen oder andere Stressquellen, die erheblichen Einfluss auf die professionelle Entscheidungs- und Handlungsfreiheit haben können.
Fähigkeit zum Perspektivwechsel
bedeutet, sich bewusst in eine Betrachtungsweise hineinversetzen zu können, die sich von der eigenen unterscheidet. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel kann durch gezielte Reflexion der eigenen Sichtweise sowie der Perspektiven anderer kontinuierlich verbessert werden. Dies setzt voraus, die eigene Komfortzone zu verlassen, auf andere Personen zuzugehen und ihnen aktiv zuzuhören.
Empathie
beschreibt die Fähigkeit, sich in andere Personen, deren Standpunkte und Sichtweisen einfühlen zu können. Durch Einfühlungsvermögen kann beispielsweise ein Perspektivwechsel erleichtert werden, da es ermöglicht, die Gefühle anderer Menschen zu erkennen, zu verstehen und nachzuvollziehen. Dies ist essenziell für soziale Interaktionen und spielt eine zentrale Rolle in der professionellen Praxis politischer Bildner*innen. Durch empathisches Agieren können Fachkräfte zum Beispiel auf Stimmungen, Emotionen und Perspektiven von Teilnehmenden eingehen und gleichzeitig empathisches Verhalten bei den Teilnehmenden fördern. Empathie ist eine wichtige Fähigkeit für die Arbeit in der politischen Bildung und kann gezielt geschult werden.
Bewusstsein der eigenen gesellschaftlichen Verortung
meint die Fähigkeit, als Fachkraft, insbesondere solche mit Führungsrolle und in Leitungsposition, ein Bewusstsein über die eigene Verortung in der Gesellschaft zu haben. Dazu gehört es auch, sich der eigenen Vorurteile und Privilegien bewusst zu sein.
Anpassungsfähigkeit
bedeutet, das eigene Handeln sowohl an internen als auch an externen Veränderungen auszurichten und problem- bzw. kontextadäquate Lösungen zu ermöglichen. In Bildungskontexten zeigt sich diese Kompetenz beispielsweise im souveränen Umgang mit herausfordernden Situationen wie Zeitdruck oder intensiven Emotionen, um eine Stressübertragung auf Lernende zu vermeiden und sie zur eigenständigen Entwicklung von Problemlösungsstrategien anzuregen. Darüber hinaus umfasst Anpassungsfähigkeit ein vorausschauendes Denken, das es ermöglicht, Veränderungspotenziale frühzeitig zu erkennen und spezifisch auf gewünschte Zielsetzungen hin auszurichten.
Ambiguitätstoleranz
bezeichnet die Fähigkeit, Unsicherheiten, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen. Im Kontext personaler Kompetenzen ist sie besonders relevant im Hinblick auf den Umgang mit der Komplexität gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge und sozialer Dynamiken. Im Sinne des Kontroversitätsgebots und dem Anliegen, kritisches Denken zu fördern, gehört die Fähigkeit, mehrdeutigen und widersprüchlichen Situationen nicht auszuweichen oder sie durch falsche Eindeutigkeit zu verklären, zum Kernbereich politischer Bildung und ihrer Fachkompetenzen.


