
Collaborative Filmmaking
Geschichten entdecken, Brücken bauen – Filmemachen als Instrument für kulturellen Austausch und Empowerment
Neben der Vermittlung technischer Filmfertigkeiten integriert der Workshop Themen wie Inklusion, rechtsbasierte Ansätze und kulturelle Sensibilität. Anhand von Beispielen erkunden die Teilnehmenden, wie Filme Stereotypen und Diskriminierung hinterfragen können, und werden dazu angeregt, über die Wirkung von Sprache und Bildsprache beim Geschichtenerzählen nachzudenken. Die Methode ist Teil des deutsch-türkischen Methodenkompendiums Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange
Zeit
3-4 Tage, bis zu 8-10 Tage (s. Hinweise zur Zeitplanung)
Zielgruppe
ab 18 Jahren (s. Hinweise zur Zielgruppe)
Gruppengröße
15-30 Personen (pro Filmteam 5-7 Personen)
Material
s. Hinweise
Überblick
Collaborative Filmmaking ist eine praktische, handlungsorientierte Methode, bei der die Teilnehmenden in kleinen Teams digitale Inhalte wie Kurzfilme oder Animationen produzieren. Der Prozess folgt fünf Schlüsselschritten: Think – Create – Shoot – Edit – Share und basiert auf einer einfachen, flexiblen Struktur. Der Ansatz erfordert wenig Ausrüstung, kann jedoch an verschiedene Kontexte, Teilnehmendenprofile und Zeiträume angepasst werden. Collaborative Filmmaking ist dabei sowohl als eigenständiger filmbasierter Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gerechtigkeit geeignet, wie auch als reine Methode im Kontext von Bildungsprogrammen. Neben der Vermittlung technischer Filmfertigkeiten integriert der Workshop Themen wie Inklusion, rechtsbasierte Ansätze und kulturelle Sensibilität. Anhand von Beispielen erkunden die Teilnehmenden, wie Filme Stereotypen und Diskriminierung hinterfragen können, und werden dazu angeregt, über die Wirkung von Sprache und Bildsprache beim Geschichtenerzählen nachzudenken.
* Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*
Lernziele
Die Teilnehmenden
- lernen, Erzähltechniken und Methoden der Filmproduktion zu analysieren und entwickeln einen kritischen Blick auf die mediale Darstellung von gesellschaftlicher Realität
- erstellen eigene Filme und digitale Inhalte
- erleben partizipative Teamarbeit, Kommunikation und Beziehungsarbeit
- lernen Storytelling und entwickeln spannende Geschichten, die eigene persönliche und kulturelle Erfahrungen widerspiegeln
- reflektieren die eigene Arbeit und das erhaltene Feedback und lernen sowohl aus Erfolgen als auch aus Herausforderungen
- erkennen den Wert interkulturellen Austauschs
Lerninhalte
- Interkultureller Dialog und Vielfalt: Kultureller Austausch durch persönliche Erzählungen, Stärkung von Empathie und Verständnis.
- Empowerment und Teilhabe: Kreativer Ausdruck und Selbstvertrauen durch Entwicklung der eigenen künstlerischen Stimme, Nachhaltigkeit und Reichweite durch soziale Medien
- Digitale und mediale Kompetenzentwicklung: praktische und digitale Filmproduktion, KI-Tools für Storytelling
- Kreatives und kritisches Storytelling
- Demokratische Kommunikation und Inklusion: Teamarbeit, kollektive Kreativität und Entscheidungsfindung, gegenseitiger Respekt
- Rechtebasierte und inklusive Kulturarbeit: Film und Kino als Beitrag zu Aktivismus und sozialem Wandel
Durchführung und Hinweise
Für die Vorbereitung des Workshops steht zusätzlich der Leitfaden (Downloads) mit Hintergrundinformationen und Hinweisen zur Durchführung zur Verfügung.
Wichtig: Der Fokus liegt auf partizipativer Gruppenarbeit, interkulturellem Austausch, kreativem Storytelling und Reflexion – nicht auf filmischer Perfektion.
Ablauf Tag 1
Rahmenbedingungen (Vorschlag)
- Dauer: 3 Tage à ca. 6–7 Zeitstunden
- Teilnehmende: 15–30 Personen, ab 18 Jahren
- Arbeitsform: Arbeit in Kleingruppen (3–5 Personen)
- Ergebnis: 2–5 Kurzfilme (2–5 Minuten)
- Methodischer Grundsatz: Alle Phasen sind dialogisch, inklusiv und reflexiv gestaltet
TAG 1 – Ankommen, Vertrauen, Themen & Geschichten entwickeln
Ziele des Tages
- Kennenlernen und Vertrauensaufbau
- Sensibilisierung für interkulturelle Perspektiven und Medienrepräsentation
- Einführung in Storytelling und kritische Medienanalyse
- Gemeinsame Themen- und Ideenfindung
1. Ankommen & Kennenlernen (ca. 60 Minuten)
Methoden
- Check-in-Kreis:
Jede Person beantwortet kurz eine niedrigschwellige Frage, z. B.
„Welches Video oder welcher Film hat mich zuletzt berührt – und warum?“ - Interkultureller Eisbrecher (z. B. „Kulturelle Gegenstände“):
Teilnehmende zeigen ein Bild/Gegenstand/Begriff, der für ihre Herkunft oder Identität steht. - Soziometrische Aufstellung:
Aussagen wie- „Ich habe schon einmal einen Film gedreht“
- „Ich nutze Social Media aktiv zur Meinungsäußerung“
→ sichtbar machen von Vielfalt an Erfahrungen
Ziel:
Vertrauen aufbauen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar machen, Macht- und Wissenshierarchien abbauen.
2. Einführung: Collaborative Filmmaking & Lernziele (ca. 30 Minuten)
Input (dialogisch)
- Was bedeutet Collaborative Filmmaking?
- Film als Werkzeug für:
- Teilhabe & Empowerment
- Interkulturellen Dialog
- Demokratische Kommunikation
- Betonung: Die eigene Perspektive zählt – nicht Perfektion
Mini-Reflexion (Think–Pair–Share):
- „Welche Geschichten fehlen in Filmen oder Social Media?“
3. Kritische Medienanalyse & Storytelling-Grundlagen (ca. 90 Minuten)
Methoden
- Kurze Filmausschnitte oder Social-Media-Clips (unterschiedliche Perspektiven)
- Analyse in Kleingruppen anhand von Leitfragen:
- Wer erzählt die Geschichte?
- Wer wird wie dargestellt?
- Welche Stereotype tauchen auf?
- Welche Bilder fehlen?
Input
- Grundelemente von Storytelling:
- Perspektive
- Konflikt / Frage
- Emotion & Bedeutung
- Zusammenhang zwischen Erzählweise und gesellschaftlicher Wirkung
Reflexion
- 5-Finger-Methode:
- Daumen: Was fand ich stark?
- Zeigefinger: Was irritiert mich?
- Mittelfinger: Was war problematisch?
- Ringfinger: Was nehme ich mit?
- Kleiner Finger: Was fehlt?
4. Themenfindung & Gruppenbildung (ca. 90 Minuten)
Methoden
- Offenes Brainstorming zu Schlüsselthemen:
- Identität
- Zugehörigkeit
- Diskriminierung
- Rechte & Demokratie
- Alltagserfahrungen im interkulturellen Kontext
- Clustern & Priorisieren (Punkte kleben)
- Bildung von Filmteams nach Interesse, nicht nach Herkunft oder Skill
Aufgabe der Gruppen
- Erste Skizze:
- Worum geht unsere Geschichte?
- Warum ist sie wichtig?
- Aus wessen Perspektive wird erzählt?
5. Tagesabschluss: Check-out & Ausblick (ca. 30 Minuten)
Methode
- Check-out-Runde:
- „Was hat mich heute überrascht?“
- „Was wünsche ich mir für morgen?“
Ablauf Tag 2
TAG 2 – Technik, Ethik & Produktion
Ziele des Tages
- Grundlagen von Filmtechnik & Verantwortung verstehen
- Bewusster Umgang mit Rechten, Öffentlichkeit & KI
- Beginn der eigenständigen Filmproduktion
- Stärkung von Teamarbeit und Problemlösekompetenz
1. Check-in & Aktivierung (15 Minuten)
- Kurze Bewegung oder Kreativübung
- Stimmungsabfrage (Skala 1–10)
2. Technik-Basics & Ästhetik (ca. 90 Minuten)
Praktischer Input
- Bildausschnitt, Perspektive, Licht
- Tonqualität & einfache Mikrofonregeln
- Ruhige Kamera mit einfachen Mitteln
- Betonung: Technik dient der Geschichte
Methoden
- Mini-Übungen in Kleingruppen:
- Eine Emotion nur mit Bild zeigen
- Gleiche Szene aus verschiedenen Perspektiven filmen
3. Filmen, Rechte & Inklusion (ca. 90 Minuten)
Input & Diskussion
- Filmen im öffentlichen Raum
- Einwilligung & Datenschutz
- Urheberrecht & Fair Use (praxisnah, vereinfacht)
Partizipative Methode
- Rollenspiele:
- Jemanden um ein Interview bitten
- Kritische Situationen (Ablehnung, Unsicherheit)
Inklusions-Check
- Leitfragen für die Gruppen:
- Wen zeigen wir – und wen nicht?
- Reproduzieren wir Klischees?
- Erzählen wir über oder mit Menschen?
(4. fakultativ: KI & Filmemachen (ca. 60 Minuten))
Diskussionsformat
- Erfahrungen mit KI (z. B. Texte, Bilder, Videos)
- Chancen: Inspiration, Schnitt, Übersetzung
- Risiken: Stereotype, Machtverhältnisse, Urheberrechte
Gruppenarbeit
- Wie könnten wir KI verantwortungsvoll in unserem Projekt nutzen – oder bewusst nicht?
5. Produktionsphase: Drehen (ca. 2–3 Stunden)
Arbeitsform
- Eigenständige Gruppenarbeit
- Moderator:innen begleiten, beraten, greifen nicht steuernd ein
Regelmäßige Check-ins
- Kurzstopps:
- „Was läuft gut?“
- „Wo brauchen wir Unterstützung?“
6. Tagesabschluss (30 Minuten)
- Blitzlicht: Ein Erfolg, eine Herausforderung
- Vorbereitung auf Schnitt & Präsentation
Ablauf Tag 3
TAG 3 – Postproduktion, Präsentation & Reflexion
Ziele des Tages
- Eigene Filme fertigstellen
- Feedback geben und annehmen lernen
- Reflexion von Lernprozessen, Teamarbeit und interkulturellem Austausch
1. Check-in & Zielklärung (15 Minuten)
- Was muss heute fertig werden?
- Rollenklärung in den Gruppen
2. Schnitt & Postproduktion (ca. 3 Stunden)
Input
- Grundlagen Schnitt (z. B. mit CapCut / iMovie)
- Dramaturgie im Schnitt
- Einsatz von Musik & Text (rechtebasiert)
Arbeitsphase
- Gruppen schneiden ihre Filme
- Peer-Support zwischen den Gruppen
3. Feedback & Feinschliff (ca. 60 Minuten)
Peer-Feedback-Methode
- Jede Gruppe zeigt einen Rohschnitt
- Feedback nach klaren Regeln:
- Was wirkt stark?
- Welche Botschaft kommt an?
- Gibt es Missverständnisse oder stereotype Bilder?
4. Abschlusspräsentation & Screening (ca. 60 Minuten)
- Gemeinsame Filmvorführung
- Optional: Einladung von Gästen
Moderierte Reflexionsrunde
- Was erzählen die Filme über unsere Vielfalt?
- Was haben wir voneinander gelernt?
- Wie hat sich unsere Sicht auf Medien verändert?
Reflexion & Auswertung
A. Kurzversion (ca. 45 Min.)
- Schriftliche oder kreative Reflexion:
- „Das nehme ich mit“
- „Das möchte ich weitergeben“
- Diskussion:
- Teilen in Social Media – ja/nein/wie?
- Verantwortung, Reichweite & Wirkung
B. Lange Version (60 - 90 Minuten)
Abschließende Reflexionseinheit
Titel: „Was bleibt? – Perspektiven, Stimmen und Verantwortung“
Ziele der Einheit
- Lernprozesse sichtbar und bewusst machen
- Interkulturelle Erfahrungen reflektieren (Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Reibungen)
- Demokratische Kompetenzen (Zuhören, Aushandeln, Perspektivwechsel) benennen
- Transfer in Alltag, Mediennutzung und gesellschaftliches Handeln ermöglichen
- Wertschätzender Abschluss und Empowerment
Dauer: 60–90 Minuten
Sozialformen: Einzelarbeit, Kleingruppen, Plenum
Material: Karten, Stifte, Moderationswand, Klebepunkte, ggf. Papier für kreatives Arbeiten
PHASE 1: Individuelle Selbstreflexion – „Meine Spur im Workshop“ (15–20 Min)
Methode: Reflexionspfad (Stillarbeit)
Die Teilnehmenden bewegen sich frei im Raum oder sitzen einzeln. An mehreren Stationen/auf einem Arbeitsblatt beantworten sie für sich ausgewählte Fragen schriftlich oder zeichnerisch.
Leitfragen (Auswahl):
- Was habe ich über mich selbst gelernt?
- Welche Perspektive war für mich neu oder herausfordernd?
- Wann habe ich mich gehört gefühlt – wann nicht?
- Wo habe ich meine eigene Position hinterfragt?
- Was hat mir gezeigt, dass Zusammenarbeit demokratisch sein kann?
Interkultureller Fokus:
- Welche Annahmen oder Bilder über „andere“ haben sich verändert?
- Wo habe ich Unterschiede als Bereicherung erlebt – wo als schwierig?
Demokratie & politische Bildung:
- Wo wurden Entscheidungen gemeinsam getroffen?
- Wie wurde mit Meinungsverschiedenheiten umgegangen?
Optional kreativ:
Ein Satz, ein Symbol oder eine kleine Skizze:
„Das steht für meine Erfahrung im Workshop.“
PHASE 2: Gruppendialog – „Austausch & Aushandlung“ (20–25 Min)
Methode: Reflexionsdreieck (Kleingruppen 3–5 Personen)
In den Filmgruppen oder neu gemischt. Jede Gruppe bekommt drei Karten/Felder:
- Zusammenarbeit & Macht
- Interkulturalität & Perspektiven
- Medien, Öffentlichkeit & Verantwortung
Die Gruppe diskutiert jede Kategorie ca. 5–7 Minuten und notiert Stichworte.
Leitfragen pro Feld
1. Zusammenarbeit & Macht
- Wer hat im Prozess eher gesprochen, wer weniger?
- Wie wurden Entscheidungen getroffen?
- Gab es Momente von Dominanz oder Rückzug?
- Was hat geholfen, fair zusammenzuarbeiten?
2. Interkulturalität & Perspektiven
- Welche Unterschiede (Sprache, Erfahrung, Haltung) waren spürbar?
- Wie haben wir versucht, diese produktiv zu nutzen?
- Erzählen wir über Menschen – oder mit ihnen?
- Wo war Sensibilität nötig?
3. Medien, Öffentlichkeit & Verantwortung
- Welche Botschaft transportiert unser Film?
- Wer könnte sich davon angesprochen fühlen – wer ausgeschlossen?
- Welche Wirkung könnte der Film haben?
- Welche Verantwortung tragen wir als Produzierende?
Jede Gruppe formuliert eine zentrale Erkenntnis, die sie im Plenum teilen möchte.
PHASE 3: Partizipative Gesamtreflexion – „Galerie der Erkenntnisse“ (20–25 Min)
Methode: Walk & Talk / Gallery Walk
Die Gruppenerkenntnisse werden aufgehängt. Alle gehen herum, lesen, kommentieren (mit Punkten oder kurzen Notizen).
Impulsfragen für das Plenum (moderiert):
- Welche Themen tauchen mehrfach auf?
- Wo gibt es unterschiedliche Sichtweisen?
- Was sagt das über unsere Gruppe und unsere Gesellschaft?
Vertiefende Fragen:
- Was erzählen unsere Filme über Vielfalt, Zugehörigkeit und Demokratie?
- Welche Stimmen wurden sichtbar gemacht?
- Welche blieben vielleicht unsichtbar – warum?
Demokratischer Lernmoment:
Unterschiedliche Meinungen werden nicht aufgelöst, sondern nebeneinander stehen gelassen.
PHASE 4: Transfer & Ausblick – „Von hier nach draußen“ (15–20 Min)
Methode: Individueller Transfer + kollektiver Kreis
Einzelarbeit (5 Min):
Jede Person beendet schriftlich 2–3 Sätze:
- „In Zukunft möchte ich bewusster …“
- „Wenn ich Medien nutze oder teile, werde ich …“ oder: „Teilen in Social Media – ja/nein/wie?“
- „Eine Frage, die ich mitnehme, ist …“
Abschlusskreis (10–15 Min):
Freiwilliges Teilen eines Satzes.
Optionale Abschlussfrage:
- Wie können kreative Medienarbeit und Film zur demokratischen Teilhabe beitragen?
Alternative:
REFLEXIONSFRAGEN KOMPAKT (für Dokumentation oder Evaluation)
Individuell
- Was war mein größter Lernmoment?
- Wo habe ich meine Komfortzone verlassen?
- Welche Fähigkeit habe ich gestärkt?
Gruppe & Prozess
- Wie haben wir Entscheidungen getroffen?
- Wie sind wir mit Konflikten umgegangen?
- Was hat unsere Zusammenarbeit inklusiv gemacht – was nicht?
Interkulturalität
- Welche Perspektiven kamen zusammen?
- Wie haben wir Unterschiede verhandelt?
- Wo brauchte es besondere Sensibilität?
Medien & Demokratie
- Welche gesellschaftliche Frage behandelt unser Film?
- Welche Verantwortung tragen wir für Bilder und Geschichten? Teilen in social media: Ja/ Nein/Wie?
- Wie kann Medienproduktion Teil demokratischer Bildung sein?
Transfer
- Was möchte ich weitergeben?
- Wo kann ich das Gelernte anwenden (Alltag, Engagement, Medien)?
- Was wäre ein nächster Schritt?
Abschlussgedanke (für die Moderation)
„Eure Filme sind nicht nur Ergebnisse – sie sind Positionen.
Sie zeigen, dass Vielfalt, Austausch und demokratisches Handeln lernbar und gestaltbar sind.“
Abschluss & Check-out (15 Minuten)
- Gemeinsamer Kreis
- Wertschätzende Abschlussrunde
Hinweise
Allgemeine Hinweise zur Durchführung & Moderation:
- Eine konkretes Trainingsmanual mit einer Schritt-für Schritt Anleitung zu Collaborative Filmmaking als Prozess, um Öffentlichkeit für gesellschaftspolitische Anliegen herzustellen, findet sich im Handbuch Collaborative Filmmaking der University of Pittsburgh, Graduate School of Public Health, http://www.collaborativefilmmaking.com/wp-content/uploads/2020/05/Collab-Film-Handbook_May_1_2020-1.pdf. Hierin sind zahlreiche Tipps zum Durchführen der einzelnen Arbeitsschritte enthalten.
- Wichtig beim vorgestellten Ansatz von Katadrom ist, dass es sich nicht nur um einen Filmworkshop handelt. Im Mittelpunkt stehen der kulturelle Austausch und das gemeinsame Lernen durch den kreativen Prozess.
- Die Moderation sollte:
- als unterstützende Betreuung fungieren, die eine inklusive Teilnahme und interkulturelle Verbindung gewährleistet (z. B. Deutsch-Türkische Jugendbrücke
- sicherstellen, dass alle kreativ mitwirken und sich respektiert fühlen
- sensibel für die persönlichen und kulturellen Hintergründe der Teilnehmenden bleiben
Hinweis zur Zeitplanung:
- Ein eintägiger Workshop ist möglich, wobei der Schwerpunkt auf 23 Interviewfragen liegt, die die Teilnehmenden sich gegenseitig stellen. Das Resultat eines eintägigen Formats ist in der Regel ein Gruppenfilm; in 3-4-tägigen Workshops produzieren Teams von jeweils 2-4 Teilnehmenden ihren eigenen Kurzfilm.
Hinweise zur Zielgruppe:
- Es wird empfohlen, die Teilnehmenden zu kennen, bzw. sich mit ihnen vorab intensiv auseinanderzusetzen und zu beschäftigen bspw. über Fragebögen, Vorbereitungstreffen etc.
Die Methode eignet sich vor allem für ältere Jugendliche und junge Erwachsene, kann je nach Vorerfahrung der Trainer*innen in der Arbeit mit Kindern auch mit Jüngeren durchgeführt werden. - Empfohlenes Betreuungsverhältnis:
- 2 Trainer*innen pro 5 Teilnehmende4 Trainer*innen pro 10–14 Teilnehmende
- 4–5 Trainer*innen pro 15–20 Teilnehmende
- 5–6 Trainer*innen pro 20–30 Teilnehmende
Hinweise zum Material:
Detaillierte Materialliste:
- Icebreaker- Spiele zum Kennenlernen, zur Übung und zur Analyse, Kameras oder Smartphones zum Filmen, Laptops mit Videobearbeitungssoftware (z. B. CapCut, LTX Studio, iMovie, Premiere, Final Cut), Whiteboards, Marker
- Ggf. Veranstaltungsort für Filmvorführung (Kino oder Kulturraum)
- Optional: Laptops mit KI-Tools zur Unterstützung bei der Bearbeitung oder beim Storytelling
Beispiele
In einem von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke unterstützten Hybridprojekt nahmen türkische Teilnehmende analog teil, während deutsche Teilnehmende online dabei waren. Die deutschen Teilnehmenden schrieben das Drehbuch, die türkischen Teilnehmende drehten den Film und schufen so eine interkulturelle Produktion.
- Kino- und Kunstcamp organisiert von der Katadrom-Künstlerkolonie mit Unterstützung der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Tepebaşı.https://katadromart.com/2021/10/08/guz-sinema-ve-sanat-kampi-free-cinema-workshop/
- „Making-of” Istanbul Cine-Train-Workshops https://www.youtube.com/watch?v=wra3L13tnwU
Beispiel aus dem Kontext internationaler politischer Bildung in Deutschland kann man u.a. auf der Webseite der Hüller Medienwerkstatt e.V. finden. Hier auch zahlreiche internationale Kooperationsprojekte, https://hueller-medienwerkstatt.de/archiv/#leinwand.
Projekt Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.
Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.
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