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Material

Deine Woche in Daten

Datenanalyse selbstbestimmt und kreativ

Ein Kreativworkshop, bei dem die Teilnehmenden Daten aus ihrem Alltag sammeln, analysieren und in handgezeichneten Visualisierungen aufbereiten. Die Methode greift persönliche Daten als persönliche Erzählungen auf und fördert so "Selbst-Bewusstsein" und Selbstreflexion.

Benötigte Zeit

60-90 Minuten

Gruppengröße

1-20

Benötigtes Material

Papier/Karton im Format A4 oder A6 (Postkarten). Farbige Stifte und Zeichenmaterial, Lineal, Beispiele von "Dear Data"

Lernziele

  • Reflexion alltäglicher Gewohnheiten, Emotionen und Aktivitäten
  • Lernen, wie man qualitative Daten sammeln und aufbereiten kann
  • Beobachtung und reflektierendes Denken einüben
  • Verstehen, wie Daten Identität und Erzählungen prägen
  • Gängige Datenpraktiken und die damit verbundene Leistungskultur hinterfragen
  • Kreativität als Form des Selbstausdrucks erkunden

Lerninhalte

  • Big Data, körperbezogene und persönliche Daten
  • Daten visualisieren
  • Identität beschreiben

 

Hintergrund: Dear Data

„Dear Data“ war ein einjähriges, von den Designerinnen Giorgia Lupi und Stefanie Posavec initiiertes, Projekt. 2014 und 2015 tauschten sie jede Woche handgezeichnete Postkarten aus. Jede Karte visualisierte persönliche „Small Data”, beispielsweise wie oft sie auf die Uhr schauten oder öffentliche Verkehrsmittel nutzten. So verwandelten sie so alltägliche Routinen in kreative Datenkunst. Das Projekt wurde zu einer Form der „Slow Data”-Kommunikation, bei der jede Geschichte per Post den Atlantik überquerte. Die komplette Sammlung ist nun Teil der MoMA-Sammlung. Dieses Projekt zeigt, dass Daten nicht groß angelegt oder digital sein müssen, um aussagekräftig zu sein.

Indem die Teilnehmenden angehalten werden, kleine, alltägliche Details wahrzunehmen und festzuhalten, regt der Ansatz zum Nachdenken, zu emotionaler Verbundenheit und zum Erzählen von Geschichten an – zu einer datenhumanistischen Praxis.

In der aktuellen leistungsorientierten (Daten-)Kultur drängen uns Apps beispielsweise dazu, unsere Gesundheit oder Produktivität zu optimieren. Hier hingegen werden die Teilnehmenden ermutigt, das zu tracken, was wirklich wichtig ist – Gefühle, Beziehungen und Gewohnheiten – auch wenn diese nicht in die gängigen Messgrößen passen. Im Kern ist der Ansatz sowohl eine Art Datentool, aber speziell auch eine Anregung zu Kreativität und Empathie und zum Verbinden mit anderen.

Mehr Informationen und gute Beispiele, die auch in der hier vorgeschlagenen Übung zur Inspiration dienen können, bietet: https://www.dear-data.com/theproject 

Ablauf

1. Thema wählen

Die Teilnehmenden werden gefragt, welches "kleinen" Verhaltensweisen oder Gefühle sie diese Woche beobachten möchten. Einige Ideen:

  • Anzahl der Male, die sie lachen
  • Anzahl der Male, die sie Ihr Handy überprüfen
  • Anzahl an Umarmungen pro Tag
  • Momente, in denen sie stolz sind
  • Türen, die sie öffnen
  • Erhaltene Komplimente
  • Musik, die sie hören
  • ...

Die Teilnehmenden wählen ein für sie besonders bedeutsames oder interessantes Thema aus.

2. Kategorien definieren

Nun überlegen sie, wie sie die Daten kategorisieren könnten

  • z. B. nach Tageszeit, Intensität, Art des Gefühls 

Die Teilnehmenden skizzieren auch einen einen einfachen „Datencode”

  • z. B. Farben für Emotionen, Formen für Zeiten, Linien für Handlungen

3. Daten für 3–5 Tage sammeln (oder simulieren)

Bei einer Aufgabe in Echtzeit: Die Teilnehmenden führen 2–5 Tage lang ein Mini-Tagebuch.

Bei einer Aufgabe während der Übung simulieren sie einen Tag (z. B. können sie sich den gestrigen Tag in Erinnerung rufen).

4. Die Datenpostkarte zeichnen

Die Teilnehmenden stellen ihre Daten visuell auf einer Postkarte oder einem Blatt Papier dar, wobei nur Handzeichnungen erlaubt sind – keine digitalen Hilfsmittel. Sie können Farben, Formen, Muster und Symbole verwenden – die Anleitenden ermutigen zur Kreativität.

Variationen

Paararbeit: Mit einer/einem Daten-Brieffreund*in Datenpostkarten austauschen.
Gemeinsames Wandbild: Die verschiedenen Visualisierungen und hinter ihnen stehenden Geschichten auf einem Poster zusammenführen
Kommentierung: Auf der Rückseite der Postkarte eine kurze Kommentierung anfügen auf die Frage: „Was sagen diese Daten über mich aus?”

Reflexion

Austausch im Kreis oder in Paaren: 

  • Was hat dich bei der Selbstbeobachtung überrascht?
  • Wie hat es sich angefühlt, diesen Aspekt deines Lebens zu tracken?
  • Welche Entscheidungen hast du bei der Aufbereitung/Visualisierung getroffen?
  • Hast du etwas Neues über dich gelernt?
DIYW-ROAD Projektlogo

Digital Youth Work - Rights-Sensitive, Open, Accessible, Democratic (DIYW-ROAD)

Veröffentlicht im Rahmen des Projekts DIYW-ROAD, einer europäischen Partnerschaft koordiniert vom Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten.   

Die englischsprachige Originalversion dieser Methode ist unter einer CC-BY-SA 4.0 International Lizenz auf der Plattform Competendo erschienen:
➔ Draw your Week in Data

 

Referenz

Die Methode wurde inspiriert vom Dear Data Projekt und dem Buch „Ti spiego il dato” von Donata Columbro (2021).

CC BY SA Lizenz

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