
Design Thinking als partizipativer Ansatz
Stärkung von Menschen mit transnationaler Biografie
Diese Methode adaptiert den Design-Thinking-Prozess zu einem partizipativen Ansatz. Personen, die von Diskriminierung betroffen sind, werden nicht nur einbezogen, sondern gestalten den Prozess aktiv mit. In der politischen Bildung mit jungen Menschen ermöglicht die Methode, unterschiedliche Perspektiven auf Demokratie zu erkunden, Themen wie Polarisierung, Diskriminierung und geringe Jugendbeteiligung kritisch zu hinterfragen und Handlungsstrategien zu entwickeln. Aus dem deutsch-türkischen Methodenkompendium Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange
Zeit
4-6 Stunden
Gruppengröße
max. 12 Personen
Material
Flipchart, farbige Karten, Stifte, Klebeband/Pins
Überblick
Diese Methode adaptiert den Design-Thinking-Prozess zu einem partizipativen Ansatz, der auf dem Prinzip „Nothing About Us Without Us“ basiert. Sie stellt sicher, dass Personen, die von Fragen der Diversität und Diskriminierung betroffen sind, nicht nur einbezogen werden, sondern Gespräche und Ergebnisse aktiv mitgestalten. Gerade in Zeiten demokratischer Herausforderungen ist eine solche Beteiligung von entscheidender Bedeutung – Demokratie lebt von inklusivem Dialog, Repräsentation und zivilgesellschaftlichem Engagement. Empowerment bedeutet hier, junge Menschen mit den Werkzeugen, dem Wissen und dem Selbstvertrauen auszustatten, um für sich selbst und ihre Gemeinschaften einzutreten. Der Ansatz wurde im Kontext eines deutsch-türkischen MethodLabs vorgestelt und weiterentwickelt. Im Kontext deutsch-türkischer Jugendaustausche schafft dieser Ansatz Raum, um unterschiedliche Perspektiven auf Demokratie zu erkunden, Themen wie Polarisierung, Diskriminierung und geringe Jugendbeteiligung kritisch zu hinterfragen und gemeinsam Handlungsstrategien zu entwickeln.
* Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*
Lernziele
• Stärkung der demokratischen Teilhabe: Förderung des aktiven Engagements junger Menschen im gesellschaftlichen Leben und in Entscheidungsprozessen
• Förderung des gegenseitigen Verständnisses: Verbesserung des interkulturellen Dialogs durch den Austausch von Perspektiven zu Demokratie, Inklusion und Identität
• Stereotype und Diskriminierung hinterfragen: Förderung der kritischen Reflexion über Vorurteile und systemische Ungleichheiten
• Sozialer Zusammenhalt: Schaffung eines Raums der Zusammenarbeit für junge Menschen, um gemeinsame Herausforderungen anzugehen und inklusive Lösungen zu entwickeln
Lerninhalte
- nicht-kompetitive Gruppenprozesse
- Design Thinking
Durchführung und Hinweise
Ablauf
Diese Methode folgt einem angepassten Design-Thinking-Prozess, um die Selbstbestimmung junger Menschen und das demokratische Engagement im deutsch-türkischen Austausch zu fördern. Die Teilnehmenden entwickeln gemeinsam aktiv Lösungen für Herausforderungen im Zusammenhang mit Diversität, Inklusion und Diskriminierung
1. Empathie – Austausch von Lebenserfahrungen
- Beginnen Sie mit Erzählübungen, persönlichen Reflexionen oder Dialogkreisen, in denen die Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit Diskriminierung, Stereotypen und sozialen Barrieren austauschen.
- Ermutigen Sie zu aktivem Zuhören, um Vertrauen und Verständnis zwischen deutschen und türkischen Teilnehmenden aufzubauen.
- Verwenden Sie Methoden wie empathische Interviews oder Rollenspiele, um die Verbindung zu unterschiedlichen Perspektiven zu vertiefen.
2. Definieren – Kernprobleme identifizieren
- In kleinen Gruppen diskutieren die Teilnehmenden gemeinsame Themen aus der Empathiephase und fassen diese zusammen.
- Verwenden Sie visuelle Mapping-Techniken (z. B. Mindmaps, Problembäume), um zentrale Herausforderungen wie Integrationsbarrieren, Lücken in der politischen Teilhabe oder Stereotypen in den Medien zu definieren.
- Formulieren Sie Herausforderungen als „Wie könnten wir ...?“-Fragen, um lösungsorientiertes Denken zu fördern.
3. Ideenfindung – Brainstorming von Lösungen
- Ermutigen Sie die Teilnehmer, so viele Ideen wie möglich zu entwickeln, wobei der Schwerpunkt auf integrativen und kreativen Lösungen liegen sollte.
- Verwenden Sie Brainstorming-Techniken wie „Crazy 8s“ (schnelle Ideenskizzen) oder World Café (rotierende Diskussionen) (Beschreibungen s. unten)
- Priorisieren Sie Lösungen, die umsetzbar, gemeinschaftsorientiert und im Kontext des Jugendaustauschs realistisch sind.
4. Prototyp & Test – Ideen in die Praxis umsetzen
- Die Teilnehmenden entwickeln kleine Initiativen wie Sensibilisierungskampagnen, Community-Dialoge oder Social-Media-Projekte.
- Erleichtern Sie die schnelle Prototypenentwicklung, indem Sie den Teams ermöglichen, Entwürfe, Skripte oder Pilotversionen ihrer Lösungen zu erstellen.
- Förderung von Tests in der Praxis, gefolgt von Peer-Feedback-Sitzungen, um die Initiativen zu verfeinern und zu verbessern.
Dieser praktische, partizipative Ansatz stellt sicher, dass die Lösungen von den Stimmen der Jugendlichen geprägt werden, und fördert so demokratisches Handeln, interkulturelles Verständnis und echte Wirkung. Durch die Teilnahme an diesem Prozess diskutieren die Teilnehmenden nicht nur Herausforderungen, sondern tragen auch aktiv zu einem sinnvollen sozialen Wandel bei.
Reflexion & Auswertung
Die Moderator*innen stellen im Plenum zwei Auswertungsfragen, zu denen – je nach Gruppengröße – entweder im Plenum oder in Kleingruppen Austausch erfolgen soll.
- Wie können wir sicherstellen, dass alle Stimmen, insbesondere die von marginalisierten Gemeinschaften, in unseren Diskussionen und Entscheidungsprozessen gleichermaßen gehört und wertgeschätzt werden?
- Wie können wir die von uns entwickelten Ideen und Lösungen in konkrete Maßnahmen umsetzen, die dauerhafte Veränderungen bewirken und alle Beteiligten stärken?
Bei der Plenumsvariante sammeln die Moderator*innen die Anmerkungen jeweils an einer Pinnwand, bei der Kleingruppenvariante stellen die Kleingruppen ihre zentralen Diskussionsergebnisse anschließend im Plenum vor.
Varianten
Eintägige Version: Diese Variante bietet ausreichend Zeit für alle fünf Phasen des Design Thinking: Empathie, Definition, Ideenfindung, Prototyping und Testen. Die Teilnehmenden können in kleineren Gruppen Prototypen erstellen (z. B. Rollenspielszenarien, visuelle Lösungen oder Workshops) und diese miteinander testen, was ein ausführliches Feedback und eine gründliche Reflexion ermöglicht.
Hinweise
- Die Methode ermöglicht es den Teilnehmenden, ihre Lebenserfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu definieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Angesichts der vielfältigen Hintergründe der jungen Menschen im Austauschkontext ist es wichtig, die jeweils unterschiedlichen Kontexte der Teilnehmenden, aber auch Sprachbarrieren ernst zu nehmen und zu berücksichtigen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass alle Aktivitäten inklusiv und für Teilnehmende in gleicher Weise zugänglich sind. Die Moderation sollte klare Anweisungen geben und eine offene Kommunikation fördern, um sicherzustellen, dass jede teilnehmende Person zu Wort kommt. Es ist wichtig, die Inhalte auf den spezifischen Kontext jeder Gruppe zuzuschneiden und gleichzeitig ein respektvolles Lernumfeld zu fördern. Als Moderation ist es für den Erfolg der Methode entscheidend, ein sicheres und inklusives Umfeld zu schaffen, in dem alle Stimmen gehört werden.
- Design Thinking Prozesse eignen sich insbesondere, um in kurzer Zeit und in einzelnen Einheiten zu konkreten Ergebnissen zu gelangen und Grundlagen für weitere Bearbeitung zu schaffen.
Referenzen & erwähnte Methoden
von Unger, H. (2014). Partizipative Ansätze. In: Partizipative Forschung. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-01290-8_2
https://designthinking.ideo.com (letzter Zugriff: 06.03.2025)
Grots, A., Pratschke, M. Design Thinking — Kreativität als Methode. Thexis 26, 18–23 (2009). https://doi.org/10.1007/s11621-009-0027-4
Koh, J.H.L., Chai, C.S., Wong, B., Hong, HY. (2015). Design Thinking and Education. In: Design Thinking for Education. Springer, Singapore. https://doi.org/10.1007/978-981-287-444-3_1
Weitere erwähnte Methoden:
Crazy 8 ist eine schnelle Methode für Einzelpersonen oder Gruppen, um in acht Minuten acht Ideen pro teilnehmende Person zu generieren. Diese Methode ist besonders nützlich, wenn das Ziel darin besteht, schnell eine Vielzahl von Ideen zu sammeln und darauf aufzubauen. Crazy 8 eignet sich auch sehr gut als Aufwärmübung, siehe: https://kreativitätstechniken.info/methode/crazy-8/
World Cafe ist ein strukturierter Gesprächsprozess für große Gruppen, um ein bestimmtes Thema in einer ungezwungenen, caféähnlichen Umgebung zu diskutieren. Die Teilnehmenden teilen sich in kleine Gruppen an verschiedenen Tischen auf, um in mehreren Runden eine Reihe von Fragen zu diskutieren. Nach jeder Runde wechseln die Teilnehmenden an einen neuen Tisch und nehmen die Erkenntnisse aus dem vorherigen Gespräch mit. Eine moderierende Person hilft dabei, die neuen Ideen zu integrieren. Diese Methode fördert den kollektiven Wissensaustausch und wird zur Problemlösung, Strategieentwicklung oder zum kollaborativen Lernen eingesetzt, siehe: https://theworldcafe.com/key-concepts-resources/world-cafe-method/
Projekt Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.
Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.
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