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Brücke über Bergsee
Material

Digital Storytelling Workshops

Persönliche Erfahrungen sichtbar machen – Geschichte erweitern

Digital Storytelling Workshops ermöglichen Teilnehmenden, ihre persönlichen Erfahrungen, Ideen und Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Sie erlauben Einblicke in vielfältige Lebenserfahrungen und machen Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe erfahrbar. Digital Storytelling Workshops erhalten außerdem Informationen über digitale Medienwerkzeuge und Multimediatools und fördern die digitale Kompetenz. Die Methode ist Teil des deutsch-türkischen Methodenkompendiums Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange

Zum Download1 Datei | Lizenz: CC BY SA

Zeit

1-3 Tage, idealerweise 2 Tage

Zielgruppe

ab 12 Jahren

Gruppengröße

idealerweise maximal 8 TN und 3 Trainer*innen (3 bis 16 TN möglich, Anzahl Trainer*innen anpassen)

Material

Computer/Tablets/Smartphones, Software für Videobearbeitung, Materialien zum Zeichnen/Malen/Nähen, Mikrofon/Smartphone für Tonaufnahmen, Kopfhörer für Digitalschnitt, Projektor

Überblick

Digital Storytelling Workshops ermöglichen Teilnehmenden, ihre persönlichen Erfahrungen, Ideen und Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Sie erlauben Einblicke in die Lebenserfahrungen der anderen und machen Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe erfahrbar.
Digital Storytelling Workshops erhalten Informationen über digitale Medienwerkzeuge und Multimediatools und fördern so die digitale Kompetenz. Die Teilnehmenden können sowohl individuell oder gemeinsam digitale und analoge Visualisierungen erstellen und erkunden so die eigene Kreativität bzw. das kreative Schaffen im kollektiven Prozess. Die Verbreitung ihrer digitalen Geschichten auf Social Media Plattformen ermöglichen, ihre Stimmen weltweit mehr Menschen zugänglich machen. Insgesamt können sie durch die Förderung unterschiedlicher Perspektiven über ihre vielfältigen Geschichten zur Erweiterung der „Geschichte” der Gemeinschaft beitragen, der sie angehören.

Das Konzept wurde im Rahmen eines deutsch-türkischen Method Labs vorgestellt und auf den Einsatz in Begegnungskontexten hin weiterentwickelt. Im türkisch-deutschen Jugendaustausch fördern Digital Storytelling Workshops gegenseitige Anerkennung und gemeinsames Lernen, indem es persönliche Erfahrungen in kollektive Erzählungen umwandelt, Unterschiede überbrückt und die demokratische Teilhabe durch die Kraft des Geschichtenerzählens stärkt.


*Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*

Lernziele

  • einen Ausdruck finden für persönliche Erfahrungen, Ideen und Emotionen
  • Einblicke gewinnen in die Lebenserfahrungen anderer, Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte entdecken
  • digitale Kompetenz vertiefen
  • Förderung von Kreativität und kollaborativem Arbeiten
  • Öffentlichkeit herstellen für eigene Stimmen und diese einem breiteren Publikum zugänglich machen
  • Multiperspektivität durch den Beitrag eigener Geschichten zur „offiziellen“ Geschichte ihrer Gesellschaft, Förderung vielfältiger Perspektiven

Lerninhalte

  • Identität, Zugehörigkeit und demokratische Meinungsäußerung und Teilhabe
  • Empathie und Teamwork
  • Digitale Kompetenzen und kreative Strategien der Kommunikation
  • Empowerment und interkulturelles Verständnis

Durchführung und Hinweise

Ablauf

Aufwärmen mit „Simit-und-Tee“ Frühstück (30 min informell + 1 Stunde Einführung)

Vor Beginn des Workshops versammeln sich die Teilnehmenden und Moderator*innen – vorzugsweise früh am Morgen – am Veranstaltungsort, je nach Zeitplan und Kontext des Projekts. Sie beginnen den Tag mit einem informellen „Simit-und-Tee”- Frühstück, einer halbstündigen Aufwärmrunde, um sich kennenzulernen. Danach werden die Teilnehmenden je nach Kontext des Workshops über die Struktur, die Phasen und die erwarteten Ergebnisse des Workshops informiert. In einigen Fällen zeigen die Moderator*innen Beispiel-Digitalgeschichten, um den Teilnehmenden eine Vorstellung von den möglichen Ergebnissen zu vermitteln.

Anschließend werden die Teilnehmenden über Einverständniserklärungen und die möglichen Anlässe oder Plattformen informiert, auf denen ihre Geschichten geteilt werden können – von Jugendaustauschen und NGO-Treffen bis hin zu akademischen Konferenzen. Von allen Teilnehmenden wird eine schriftliche Einverständniserklärung eingeholt. Wichtig: Für Teilnehmende unter 18 Jahren muss im Voraus eine Einwilligung der Eltern erbeten werden, die zum Zeitpunkt des Workshops vorliegen sollte. Sobald alle bereit sind, setzen sich die Teilnehmenden im Kreis zusammen, und der Workshop beginnt offiziell.

Zwar können die Ansätze je nach moderierender Organisation oder Team variieren, dennoch folgt ein Digital Storytelling-Workshop in der Regel einem sechsstufigen Prozess (Şimşek, 2012a):
 

1. Story Circle (Geschichtenkreis) (30-60 Min.)

Die Teilnehmenden und Moderator*innen sitzen im Kreis und tauschen Erfahrungen zum Thema des Workshops aus. Die Sitzung beginnt mit einer kurzen Aufwärmübung, bei der sich die Teilnehmenden vorstellen und drei Dinge nennen, die sie mögen oder nicht mögen – dabei kommen spielerische Hilfsmittel wie das Anzünden eines Streichholzes oder das Werfen eines Balls zum Einsatz. In der Regel beginnt ein Moderator damit, eine persönliche Geschichte mit Bezug zum Thema des Workshops zu erzählen, woraufhin die Teilnehmenden nacheinander ihre Geschichten erzählen. Dies ist ein vertraulicher Prozess: Sobald der Kreis begonnen hat, bleiben die Teilnehmenden bis zum Ende der Sitzung zusammen.

 

2. Textschreiben (20 Min. oder länger)

Als Nächstes haben die Teilnehmenden etwa 20 Minuten Zeit, um die Geschichten, die sie im Kreis erzählt haben, aufzuschreiben. Diese geschriebenen Texte bilden die Grundlage für die Sprachaufnahmen. Nach dem Schreiben lesen die Teilnehmenden ihre Geschichten laut vor, und die Gruppe gibt Feedback – sie reflektiert über Bedeutungen, Auslassungen und Emotionen. Teilnehmende, die nicht schreiben möchten oder können, können diesen Schritt überspringen und direkt ihre Stimme aufnehmen.

 

3. Sprachaufzeichnung (Kurzversion 60-120 Min., längere Version 0,5 Tag)

Wenn die Texte fertig sind, nehmen die Teilnehmenden ihre Geschichten nacheinander auf. Anschließend hören sie sich ihre Aufnahmen an und bestätigen ihre Zustimmung zur Verwendung in ihren digitalen Geschichten. Die Workshopleitung sorgt dafür, dass der Prozess für alle klar und angenehm ist. Bei Bedarf werden die Sprachaufnahmen mit kostenloser Software wie bspw. Audacity bearbeitet.

 

4. Visuelle Produktion und Auswahl (Kurzversion 60-90 Min., längere Version 0,5 Tag)

Die Teilnehmenden wählen oder erstellen Bildmaterial – Fotos, Videos, Zeichnungen oder Gemälde – das ihre Geschichten begleitet. Dieses kann aus persönlichen Archiven stammen oder während des Workshops erstellt werden. Die Moderator*innen informieren auch über die Verwendung von lizenzierten, nicht-kommerziellen Bildern aus dem Internet und über die Einholung der Zustimmung von Personen, die deutlich auf den Bildern zu sehen sind.

 

5. Produktion der digitalen Geschichten (Kurzversion 90 Min. Stunden, längere Version 0,5 Tag)

Die Teilnehmenden kombinieren ihre Bildmaterialien mit ihren aufgezeichneten Stimmen mithilfe einfacher digitaler Tools wie CapCut oder Windows Movie Maker. Sie entscheiden, welche Bildmaterialien welche Teile der Geschichte begleiten, wählen Titel aus und entscheiden, ob sie unter ihrem richtigen Namen oder einem Pseudonym veröffentlichen möchten. Die Moderator*innen achten besonders darauf, schutzbedürftige Teilnehmende – beispielsweise solche mit Migrationshintergrund – zu schützen, indem sie gegebenenfalls die Verwendung von Pseudonymen oder Anonymität empfehlen. Die Gruppe entscheidet auch gemeinsam über einen Titel für den Workshop selbst, unter dem später alle Geschichten zusammengefasst werden können.

 

6. Vorführung und Reflexion (je nach Gruppengröße)

Der Workshop endet mit einer Vorführung innerhalb der Gruppe. Die Teilnehmenden und Moderator*innen sehen sich alle Geschichten gemeinsam an, tauschen ihre Eindrücke aus und reflektieren sowohl den kreativen Prozess als auch die Endergebnisse.

 

7. Postproduktion (durch Moderator*innen)

Anschließend beginnt die Postproduktionsphase. Je nach Projekt können die Geschichten übersetzt und untertitelt werden, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Moderator*innen kümmern sich um die Transkription und Übersetzung. Die fertigen Geschichten können dann auf verschiedene digitale Plattformen, Projektwebsites oder internationale Veranstaltungen hochgeladen oder dort geteilt werden.

Ein wichtiges Beispiel ist die Website http://www.digitalstoryhub.org   der  Hacettepe University Digital Storytelling Workshop Unit, eine bedeutende Plattform mit einer Sammlung von mehr als 100 digitalen Storytelling-Workshops, an denen Hunderte von Teilnehmenden mit unterschiedlichem Hintergrund und aus unterschiedlichen Kontexten teilgenommen haben. 

Varianten

Ein Digital Storytelling -Workshop ist in der Regel ein zweitägiger Prozess, an dem idealerweise alle Teilnehmenden in jedem Schritt beteiligt sind. Wenn die Zeit jedoch begrenzt ist, ist es wichtig, dass die Teilnehmenden zumindest am Story Circle und der Final Screening teilnehmen, da diese Schritte die Beteiligung der gesamten Gruppe erfordern. Andere Phasen können in Ausnahmefällen mit Unterstützung der Moderator*innen individuell absolviert werden.

Je nach Gruppengröße, Hintergrund und verfügbarer Zeit können die Workshops auf einen Tag verkürzt oder über zwei Tage hinaus verlängert werden. In kürzeren Formaten können die Geschichten kürzer sein, und die Teilnehmenden können vorab vorbereitete Bildmaterialien (z. B. persönliche Fotos) mitbringen.

Digital Storytelling -Workshops können an verschiedene Bildungsumgebungen angepasst werden – von Schulen über Jugendarbeit bis hin zu Seminaren. Sie sollten jedoch immer einen vertrauten und sicheren Raum gewährleisten. Außenstehende sollten während des Prozesses nicht hinzukommen, da Vertraulichkeit und Gruppenzusammenhalt von entscheidender Bedeutung sind.

Bei internationalen Austauschprogrammen erfordern Sprache und Übersetzung besondere Aufmerksamkeit. Wenn alle Teilnehmenden eine gemeinsame Sprache sprechen (oft Englisch), können die Geschichten in dieser Sprache erzählt und aufgezeichnet werden. In Gruppen mit unterschiedlichem sprachlichem Hintergrund können jedoch Dolmetscher*innen erforderlich sein. Kontinuierliches Übersetzen kann anstrengend sein, insbesondere für junge Teilnehmende, daher sollten die Moderator*innen Strategien planen, um das Engagement und eine reibungslose Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Reflexion & Auswertung

Reflexionsfragen für die Gruppendiskussion:

  • Was war für euch der stärkste Aspekt des Digital Storytelling -Workshops?
  • Was macht Digital Storytelling -Workshops in Bezug auf den Erfahrungsaustausch so besonders?
  • Was war für euch der schwierigste oder herausfordernste Teil des Prozesses?
  • Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr eure eigene Geschichte gesehen habt? Wie war es, die Geschichten gemeinsam anzuschauen?
  • Wie empfindet ihr nach der Teilnahme an einem binationalen Digital Storytelling-Workshop eure Zugehörigkeit? Fühlt ihr euch den jungen Menschen aus dem anderen Land eher ähnlich oder eher unähnlich?
Hinweise zur Durchführung
  • Es sollte die Möglichkeit gegeben werden, Geschichten unter einem Pseudonym oder anonym zu verbreiten. Dies ist besonders wichtig für Teilnehmende in Kontexten, in denen Kommunikationskanäle eingeschränkt oder zensiert sind bzw. wenn das Öffentlich machen der Identität den Teilnehmenden potenziell schaden könnte.
  • Darüber hinaus ist es natürlich möglich, dass Einzelpersonen/junge Menschen ihre Erfahrungen über Kanäle wie persönliche Blogs/Social-Media-Konten teilen.
  • Der wichtigste Aspekt der Digital Storytelling-Workshops liegt jedoch weniger im Ergebnis, sondern vor allem darin, dass sie den Teilnehmenden einen direkten Austausch ermöglichen und diesen fördern, indem sie sie mit anderen zusammenbringen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dies erhöht die Sichtbarkeit der eigenen Erzählung und schafft zugleich Verbindung. Der Story Circle (Geschichtenkreis), einer der wichtigsten Schritte des Workshops, bringt die Teilnehmenden zusammen, ähnlich einem Lagerfeuer, dessen Zweck es ist, Menschen miteinander zu verbinden und dabei sowohl Gemeinschaft zu schaffen wie auch (eine begrenzte) Öffentlichkeit herzustellen. Der Schwerpunkt liegt bei Digital Storytelling -Workshops daher stärker auf dem Prozess, in dem der Workshop und die Koproduktion entstehen, als auf dem finalen Produkt. Dieser Prozess ähnelt den Bewusstseinsbildungs-Gruppen (consciousness raising groups) aus der feministischen Bewegung.
  • Wichtig: Der Austausch im Story Circle lebt davon, dass alle Anwesenden gleichermaßen Fragen stellen, ihre Geschichten einbringen und ihre Erfahrungen teilen, auch die Moderator*innen. Diese greifen nicht in den Erzähl- oder Produktionsprozess der Teilnehmenden ein. Ihre Rolle als Moderator*innen liegt darin, den Prozess für alle verständlich zu machen und dafür zu sorgen, dass alle TN gleichermaßen einbezogen sind. Darüberhinaus bringen sie sich gleichberechtigt in den Prozess ein. Moderator*innen sollten sich dieser Rollenverschiebung im Vergleich zu anderen Workshops bewusst sein.
  • Insbesondere im Hinblick auf kulturelle Unterschiede und mögliche politische Debatten im Kontext türkisch-deutscher Begegnungen und Austauschprogramme sollten die Moderator*innen bei Spannungen zwischen den Teilnehmenden deutlich machen, dass das Ziel des Workshops nicht darin besteht, Makroprobleme zu lösen, sondern dass es die Möglichkeit gibt, in einem sicheren Raum darüber zu sprechen, was sie erleben, denken, fühlen und gemeinsam haben und wie sich dies persönlich auf sie auswirken könnte.
  • Dabei sollte betont werden, dass es unterschiedliche Ansätze gibt, dass Digital Storytelling-Workshops jedoch idealerweise nicht unbedingt einen ästhetischen Ansatz für die im Workshop produzierten digitalen Geschichten verfolgen. Da das Hauptziel darin besteht, die Erfahrungen der Teilnehmenden sichtbar zu machen und zu verbreiten, steht der Workshop-Raum allen offen, ohne dass sie über einen (digitalen) Bildungshintergrund oder ästhetische Kenntnisse verfügen müssen.
  • Hinweis zur Verwendung des Begriffs Geschichte: Eines der wichtigsten Merkmale von Digital Storytelling -Workshops ist, dass sich der Begriff „Geschichte” hier nicht auf eine „fiktive Geschichte” bezieht, die die Teilnehmenden erfinden oder schreiben sollen, sondern auf ihre gelebten Erfahrungen. Der Story Circle (Geschichtenkreis) besteht aus Geschichten, in denen sich die Teilnehmenden vorstellen und über ihre Erfahrungen im Rahmen des Workshop-Themas sprechen. Das Geschichtenerzählen ist eine der ältesten Formen der Kommunikation und ist eng mit dem Leben des Erzählers verbunden. Die Zuhörenden nehmen in diesem Prozess eine wichtige Rolle ein, da durch sie die Geschichte konstruiert und reflektiert werden kann. Hier wird der dialogische Aspekt des Geschichtenerzählens deutlich. Hieraus kann dann Kollektivität, kollektive Wissens-/Bedeutungsproduktion und die Sichtbarkeit und Hörbarkeit all dieser Geschichten entstehen. Es ist daher sinnvoll, in der Moderation darauf hinzuweisen, dass Digital-Storytelling-Workshops der Stimme und der Geschichte Vorrang vor den digitalen Aspekten einräumen.
Konzeptioneller Hintergrund

„Digital Storytelling” bezieht sich im weitesten Sinne auf Erzählungen, die über digitale Medien wie soziale Plattformen, Blogs oder Websites erstellt und geteilt werden. Es ermöglicht, „gewöhnlichen“ Menschen, ihre eigene Repräsentation zu schaffen und ihre eigene Sicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge deutlich zu machen. Das workshopbasierte Digital Storytelling-Modell baut auf dieser Idee auf, betont jedoch die kollektive Erstellung, gemeinsame Reflexion und Koproduktion von Wissen.

Der Begriff „Digital Storytelling“ geht bis in die 1980er Jahre zurück. Das Konzept selbst wurde erstmals von Dana Atchley verwendet, die Multimedia-Elemente in einer Storytelling-Performance einsetzte (Rossiter, 2010). Die Gründung des Center for Digital Storytelling im Jahr 1994 unter der Leitung von Dana Atchley, Nina Mullen und Joe Lambert war wegweisend für den Übergang zu einer institutionellen Struktur für die kollektive Produktion digitaler Geschichten in einer Workshop-Umgebung mit einem speziellen Team von Moderator*innen. Das Center for Digital Storytelling hat digitale Storytelling-Projekte in verschiedenen Teilen der Welt durchgeführt und Schulungen und Workshops ermöglicht und somit zur Entstehung einer weltweiten Bewegung beigetragen, das (Şimşek, 2012b).

Die Digital Storytelling Workshop Unit der Hacettepe-Universität ist eine der weltweit führenden Einrichtungen für workshopbasiertes digitales Storytelling und befasst sich insbesondere mit genderspezifischen Themen und Kontexten. Sie wurde als erste Einrichtung in der Türkei im Bereich des workshopbasierten digitalen Storytellings 2009 an der Fakultät für Kommunikation der Hacettepe-Universität unter der Leitung von Burcu Şimşek gegründet, die ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Using Digital Storytelling As a Change Agent for Women’s Participation in the Turkish Public Sphere“ (2012b) an der Queensland University of Technology in Australien verfasste. Die Dissertation konzentrierte sich auf digitale Geschichten von Feministinnen in Amargi, einer der damals führenden feministischen Organisationen in der Türkei, und diskutierte das Potenzial von DST-Workshops und digitalen Geschichten für die Verbreitung feministischer Narrative und den Aufbau feministischer Netzwerke, die direkt zu den Diskussionen in der öffentlichen Sphäre in der Türkei beitragen. Dabei wurde die Frage gestellt, ob Digital Storytelling-Workshops „als Motor für Veränderungen genutzt werden können, um die Selbstdarstellung von Frauen für ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu aktivieren und zu erleichtern, indem sie die Idee der öffentlichen Sphäre in Frage stellen”.

Insgesamt führen diese Institutionen und viele andere NGOs und Kollektive seit der Einführung der ersten Digital Storytelling -Workshops weltweit Workshops zum digitalen Storytelling zu vielen Themen durch, darunter Gesundheit, Migration, Gender, Bildung usw.

Hinsichtlich theoretischer Bezüge ist Digital Storytelling an der Schnittstelle von „Stimme“ und „Digitalität“ verortet – beides Schlüsselkonzepte der Kommunikationswissenschaft und der feministischen Theorie. Es befasst sich mit Fragen der Subjektivität, Handlungsfähigkeit, partizipativen Kultur, kollektiven Sinnstiftung und der Beziehung zwischen öffentlicher und privater Sphäre.

„Digital Storytelling“ ist ein Begriff, der alle Erzählformen umfasst und entsprechend breit für alle Formate verwendet werden kann, die in neuen Medien wie etwa auf Social-Media-Plattformen, Blogs oder Homepages entstehen. Hauptmerkmal dieser Erzählformen ist, dass sie „normale” Nutzer*innen/Produzent*innen/Individuen zeigen, die mit Hilfe digitaler Geräte und neuer Medienumgebungen ihre eigenen Erzählungen einbringen und an Menschen überall auf der Welt verbreiten. Das hier erwähnte workshopbasierte digitale Storytelling spiegelt denselben Ansatz wider und hat denselben Ursprung. Es unterscheidet sich jedoch vom individuellen Storytelling dadurch, dass es einen gemeinsamen kreativen Prozess mit Teilnehmenden und Moderator*innen enthält, der den Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Wissensproduktion in einer Workshop-Umgebung fördert.

Referenzen Literatur & Webseiten

●          Alexander, B. (2011). The New Digital Storytelling: creating narratives with new media. Praeger.

●          Burgess, J. (2006). Hearing Ordinary Voices: Cultural Studies, Vernacular Creativity and Digital Storytelling. Continuum: Journal of Media & Cultural Studies, 20(2), 201-214.

●          Cultural Science Journal - Vol 8, No 2 (2015): Broadening Digital Storytelling Horizons.

●          Hartley J. (2009). //the_uses_of_digital_literacy//. The University of Queensland Press.

●          Hartley, J. & McWilliam, K. (eds.) (2009). Story Circle: Digital Storytelling Around the World. John Wiley & Sons.  

●          Lambert J. (2013), Digital Storytelling: Capturing Lives, Creating Community. Routledge.

●          Lundby, K. (ed.) (2008). Digital Storytelling Mediatized Stories. Peter Lang.

●          Meadows, D. (2003) Digital Storytelling: research-based practice in new media. Visual Communication, 2 (2), 189-193.

●          Papacharassi, Z. (2002). The Virtual Sphere. New Media & Society, Vol 4(1), 9–27.

●          Poletti, A. (2011). Coaxing an intimate public: Life narrative in digital storytelling. Continuum: Journal of Media & Cultural Studies, 25: 01, 73-83.

●          Şimşek, B. (2018). İletişim Çalışmaları Bağlamında Dijital Hikaye Anlatımı: Kavramlar ve Türkiye Deneyimi. İstanbul: Alternatif Bilişim.

●          Şimşek, B. (2012a). Enhancing women’s participation in Turkey through Digital Storytelling, Journal of Cultural Science, Vol 5, No 2, 28-46

●          Şimşek, B. (2012b) Using digital storytelling as a change agent for women’s participation in the Turkish public sphere. PhD thesis, Queensland University of Technology.

 

Webseiten:

www.digitalstoryhub.org 

http://www.storieswithoutvisa.org 

https://www.storycenter.org 

https://silencespeaks.org
 

 

 

Projekt Navigating Democratic Challenges

Cover Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.

Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.

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