
Meinen digitalen Tag kartieren
Den täglichen digitalen Routinen und dem, was sie in uns auslösen, auf die Spur kommen.
Die Methode hilft jungen Menschen, über ihre täglichen digitalen Routinen und ihre emotionale Bindung an Technologie nachzudenken. Sie kombiniert Instrumente zur Selbstwahrnehmung mit spielerischen Aktivitäten, um das digitale Wohlbefinden, die Identitätsfindung und einen ausgewogenen Umgang mit Technologie zu fördern.
Benötigte Zeit
60-90 Minuten (kann erweitert oder zweigeteilt werden)
Gruppengröße
3-25
Benötigtes Material
Optional: ausgedrucktes Glossar digitaler Verhaltensweisen
Lernziele
- Bewusstmachung alltäglicher digitaler Gewohnheiten und deren Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden
- Untersuchen, wie digitale Routinen Identität, Werte und Emotionen widerspiegeln
- Zu einem bewussten Umgang mit Technologie ermutigen, jenseits von Stereotypen und moralisierender Panik
- Förderung von Empathie und gemeinsamem Verständnis in der digitalen Kultur
Lerninhalte
- Onlineverhalten
- Reflexion der Digitalisierung im eigenen Alltag
Hintergrund
Die Übung lädt junge Menschen (ab 13 Jahren) dazu ein, ihre digitalen Gewohnheiten, täglichen Routinen und ihre emotionale Beziehung zu Technologie auf reflektierende und dennoch leicht zugängliche Weise zu erkunden.
Die Methode wurde für den Einsatz in der Jugendarbeit, in der Bildung oder in informellen Lernumgebungen entwickelt. Der Ansatz kombiniert Tools zur Selbstwahrnehmung (z. B. digitale Tagebücher oder Zeichnungen der „digitalen Landschaft”) mit spielerischen Reflexionsformaten. Ein Beispiel dafür ist ein eher humorvolles Quiz à la „Was für ein digitales Wesen bist du?”.
Die Teilnehmenden werden angeregt, ihre tägliche digitale Nutzung zu kartieren, über Gefühle nachzudenken, die durch bestimmte Verhaltensweisen ausgelöst werden, und zu diskutieren, wie sie bewusstere, sie selbst stärkende Beziehungen mit der Technologie aufbauen können.
Das Oberziel ist somit, das digitale Wohlbefinden durch die Förderung von emotionaler Achtsamkeit, Ausgeglichenheit und Handlungsfähigkeit zu unterstützen.
Diese Methode ist besonders effektiv, wenn sie in eine breitere Diskussion über digitale Identität, psychische Gesundheit und digitale Bürgerschaft eingebettet ist. Sie kann für Gruppen- und Einzelarbeit angepasst werden.
Einführung und individuelle Aufgabe
Die Übung startet mit einer kurzen Einführung in das Thema „Digitale Gewohnheiten und Verhaltensweisen und wie sie sich auswirken”: Digitale Gewohnheiten spiegeln allgemeine soziale Muster und emotionale Bedürfnisse wider.
Kartieren eines digitalen Tags in Einzelarbeit (25-30 Minuten)
Die Moderation lädt die Teilnehmenden ein, ihren typischen digitalen Tag mit einem der folgenden Tools zu kartieren:
- Option A: Digitales Tagebuch
- Option B. Zeichnen einer digitalen Landschaft
- Option C: Quiz – Was für ein digitales Wesen bist du?
Option A: Digitales Tagestagebuch
Teile deinen Tag in vier Blöcke ein - Vormittag, Nachmittag, Abend, Nacht. Frage für jeden Block:
- Welche Geräte werden verwendet?
- Zu welchem Zweck (Schule/Arbeit, Soziales, Unterhaltung usw.)?
- Welche Plattformen oder Apps sind beteiligt?
- Welche Gefühle sind damit verbunden (entspannt, gelangweilt, ängstlich, verbunden, ausgeschlossen etc.)?
Option B: Zeichnung deiner digitalen Landschaft
Die Teilnehmenden sollen eine visuelle „Karte” ihrer digitalen Umgebung zeichnen – z. B. Apps, Spiele, Plattformen, Kommunikationsstile – und dabei Folgendes darzustellen:
- Die am häufigsten besuchten „Orte” (Plattformen)
- Das emotionale Klima (z. B. Bereiche mit Stress, Komfort, Aufregung etc.)
- Wer ist mit ihnen „dort” (Gleichaltrige, Influencer:innen, Communities etc.)
- Ihre Rolle/Identität in diesem Raum (Beobachter:in, Schöpfer:in, Unterstützer:in usw.)
Option C: Quiz – Was für ein digitales Wesen bist du?
Ein spielerisches Quiz zum Erkennen digitaler Gewohnheiten – und wie du dich dabei fühlst. Es darf humorvoll sein. Verwende nachvollziehbare Szenarien, um den Teilnehmenden auch Impulse zum Nachdenken zu geben.
- Moderator:in druckt das Quiz aus oder liest es in der Gruppe vor.
- Teilnehmende werden gebeten, ehrlich zu antworten – es gibt keine richtigen oder falschen Antworten!
- Moderator:in teilt die Teilnehmenden anschließend nach „Typen“ ein oder ässt sie ihre Ergebnisse zu zweit oder in kleinen Gruppen diskutieren.
Beispielfragen für das Quiz
Die Teilnehmer:innen wählen A, B, C oder D
1. Es ist Mitternacht und du scrollst immer noch ... Was machst du gerade?
A. Ich schaue mir Katzenvideos an und lache. Schon wieder.
B. Ich aktualisiere meine Nachrichten und frage mich, warum niemand antwortet.
C. Ich lese die Kommentare zu einem politischen Meme. Schlechte Idee.
D. Ich schlafe – ich habe um 22 Uhr ausgeschaltet. #DigitalZen
2. Du postest ein Selfie und erhälst innerhalb einer Stunde nur 3 Likes. Du...
A. Löschst es. Natürlich.
B. Überprüfst es alle 5 Minuten.
C. Lachst darüber mit deinen Freunden und machst weiter.
D. Hast es gar nicht bemerkt – du postest für dich selbst, nicht für Likes.
3. Dein Handy ist leer. Was ist deine erste Reaktion?
A. Panik. Wo ist das Ladegerät?!
B. Freiheit! Lass uns im Wald joggen gehen.
C. Hmm. Wem wollte ich noch mal eine Nachricht schicken...?
D. Ich habe immer eine Powerbank dabei – das würde mir nie passieren.
4. Du hattest einen langen Tag. Zu welchem digitalen Trost greifst du?
A. Sinnloses Scrollen – das ist ein Ritual.
B. Spiele spielen oder Streamer anschauen.
C. Mit jemandem chatten, der mich wirklich „versteht”.
D. Kein Bildschirm. Ich bevorzuge Tagebuch schreiben oder Musik.
Mögliche Ergebnistypen könnten sein:
Ewige Scroller:in
Weiß alles, was online passiert, fühlt sich aber oft ausgelaugt. Braucht eine Pause zum Durchatmen.
Benachrichtigungsjäger:in
Lebt von digitalem Dopamin. Liebt Verbindungen, riskiert aber, sein Selbstwertgefühl an Reaktionen zu knüpfen.
Zen-Meister:in im Ghost-Modus
Minimalistisch und achtsam – großartige Balance, aber manchmal von Gleichaltrigen abgekoppelt.
Content-Sammler:in
Lernt viel und ist sehr neugierig, riskiert aber möglicherweise Brainrot und eine Überlastung mit Inhalten.
Hinweis: Jeder Typ spiegelt digitale Verhaltenstypen wider, mit einer Mischung aus Potenzial und Fallstricken.
Diskussionsanregende Fragen zum Abschluss des Quiz':
- Fühlte sich dein Ergebnis zutreffend an? Warum oder warum nicht?
- Welche Emotionen verbindest du am meisten mit deinen digitalen Gewohnheiten – Freude, Stress, Langeweile?
- Würdest du nach diesem Quiz etwas an deinen digitalen Routinen ändern?
- Führen unterschiedliche Stimmungen zu unterschiedlichen Verhaltensweisen als „digitales Wesen”?
Reflexion
Diskussion in kleinen Gruppen (15–20 Min.)
- Welche Muster sind dir/euch aufgefallen?
- Welche digitalen Gewohnheiten geben dir/euch Energie oder zehren eher an den Kräften?
- Gibt es Routinen, die du/ihr ändern möchte(s)t?
- Inwiefern spiegeln die digitalen Räume wider, wer wir sind – oder sein möchten?
Reflexionsrunde im Plenum
- Inwiefern überschneidet sich unser digitales Leben mit unseren Werten, Zielen und Ihrem Wohlbefinden?
- Inwiefern passen wir uns an Plattformen an (z. B. das „algorithmische Selbst”)?
- Wie können digitale Tools dir/euch besser dienen, anstatt dass sie dich/euch unbewusst formen?
Optionale Erweiterung:
- Eine Sache, die ich an meinem digitalen Alltag ändern möchte ...
- Schreibe oder zeichne eine persönliche Absicht, Verpflichtung oder Frage für zukünftige Reflexionen.
Foto: © politischbilden.de im Computerspielemuseum Berlin

Digital Youth Work - Rights-Sensitive, Open, Accessible, Democratic (DIYW-ROAD)
Veröffentlicht im Rahmen des Projekts DIYW-ROAD, einer europäischen Partnerschaft koordiniert vom Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten.
Die englischsprachige Originalversion dieser Methode ist unter einer CC-BY-SA 4.0 International Lizenz auf der Plattform Competendo erschienen:
➔ Mapping my Digital Day

