
Garden of Coexistence – Garten der Vielfalt
Nachdenken über Identität, Macht und Solidarität
Die Methode lädt ein, sich über Fragen von Identität, Macht und Intersektionalität auszutauschen. Die Teilnehmenden reflektieren, wie soziale Positionen Erfahrungen von Privilegien und Unterdrückung prägen und wie Bewusstsein zu gemeinsamer Verantwortung und Handeln für Inklusion und Gerechtigkeit entwickelt werden kann. Im internationalen Jugendaustausch fördert die Methode den Dialog über Privilegien, Migrationsgeschichten und Zugehörigkeit. Die Methode ist Teil des deutsch-türkischen Methodenkompendiums Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange
Zeit
120 Min.
Zielgruppe
ab 14 Jahren
Gruppengröße
8-24 Personen
Material
Flipchart, Post-its, Farbstifte, Scheren, Musik/Lautsprecher, Vorlagen Identitätsblume
Überblick
Dieser interaktive Workshop lädt die Teilnehmenden dazu ein, Identität, Macht und Intersektionalität durch kreative Reflexion zu erforschen. Durch das Erstellen und Besprechen von Identitätsblumen analysieren sie, wie soziale Positionen Erfahrungen von Privilegien und Unterdrückung prägen und wie Bewusstsein zu gemeinsamer Verantwortung und Handeln für Inklusion und Gerechtigkeit entwickelt werden kann. Insbesondere im deutsch-türkischen Jugendaustausch fördert die Methode den Dialog über Privilegien, Migrationsgeschichten und Zugehörigkeit und stärkt so Empathie, Solidarität und ein kollektives Engagement für Gerechtigkeit.
* Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*
Lernziele
Die Teilnehmenden
- untersuchen, wie sich überschneidende soziale Identitäten (z. B. Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Klasse) Erfahrungen von Privilegien und Unterdrückung prägen
- analysieren, wie Machtstrukturen Ungleichheiten beeinflussen und aufrechterhalten
- verstehen Intersektionalität als Rahmenkonzept, das ungleiche Machtverteilungen aufzeigt
- reflektieren, wie ihre Identitäten ihre Emotionen, Chancen und Teilhabe beeinflussen – und fördern so Selbstbewusstsein und gemeinsame Verantwortung
Lerninhalte
- Identität und Vielfalt – Erforschung der vielfältigen Ebenen persönlicher und sozialer Identität und wie diese Erfahrungen und Perspektiven prägen
- Macht und Privilegien – Verstehen, wie die Nähe zu dominanten sozialen Positionen den Zugang, die Mitsprache und die Teilhabe beeinflusst
- Intersektionalität – Untersuchung, wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Klasse und andere Faktoren zusammenwirken, um einzigartige Positionen von Vorteil oder Nachteil zu schaffen
- Gerechtigkeit, Gleichheit und Inklusion – Unterscheidung zwischen Gleichheit, Gerechtigkeit und Fairness und Verknüpfung dieser Konzepte mit realen Kontexten
- Empathie und Solidarität – Das Bewusstsein für gemeinsame Herausforderungen stärken und gegenseitige Verantwortung in vielfältigen Gruppen entwickeln
- Kritische Reflexion und Handeln – Persönliche Erkenntnisse in kollektive Verantwortung und inklusive Praxis im Alltag umsetzen
- Interkultureller Dialog (deutsch-türkischer Kontext) – Reflexion darüber, wie Privilegien, Zugehörigkeit und Migrationsgeschichten die Teilhabe und Beziehungen in binationalen Jugendaustauschen prägen
Durchführung und Hinweise
Ablauf
1. Einführung – Begrüßung und Zweck (10 Min.)
Die Workshopleitung gibt einen Überblick über die verschiedenen geplanten Schritte des Tages:
- Die Blumen gestalten – Persönliche Identitätsblumen erstellen
- Den Boden verstehen – Erforschung sozialer Dynamiken und Intersektionalität
- Ungleichheiten angehen – Diskussion über Macht, Privilegien und Gerechtigkeit
- Den Garten anlegen – Gemeinsame Reflexion und Abschluss des Workshops
Die Workshopleitung stellt die Grundregeln für den Lernraum vor. Sie dienen dem Ziel, einen einen respektvollen und mutigen Lernraum zu schaffen:
- „Aua & Ups“-Regel: Wenn sich jemand unwohl fühlt, kann die Person „Aua!“ sagen. Die anderen reagieren mit „Ups“, um dies anzuerkennen und darüber nachzudenken.
- Persönliches Teilen: Identitäten sind persönlich – teile nur das, was sich richtig anfühlt, und höre aktiv zu.
- Sprachliche Inklusivität: Wir konzentrieren uns auf Verständnis und Verbindung, nicht auf perfekte Grammatik oder Sprachgewandtheit.
2. Check-in & Icebreaker – Wer ist im Raum? (10 Min.)
Eine Aktivität, die dazu anregt die Vielfalt der anwesenden Identitäten aufzuzeigen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf diejenigen lenkt, die möglicherweise fehlen.
Anleitung:
Es werden Stühle im Kreis aufgestellt (einer weniger als die Anzahl der Teilnehmenden). Die Workshopleitung liest verschiedene Aussagen vor, z.B. „Diejenigen, die zweisprachig sind“. Teilnehmende, auf die die Aussage zutrifft, stehen auf und wechseln den Platz. Die Person, die stehen bleibt, gibt die nächste Aussage vor. Dies wird mehrere Runden lang fortgeführt, dabei werden die Themen nach und nach vertieft.
Beispielaussagen:
- Diejenigen, die studieren
- Diejenigen, die alte Filme lieben
- Diejenigen, die regelmäßig Sport treiben
- Diejenigen, die in einem Land leben, in dem sie nicht geboren sind
- Personen, deren Eltern unterschiedliche Nationalitäten haben
Nachbesprechung:
- Was ist euch hinsichtlich der Vielfalt im Raum aufgefallen?
- Wie hat es sich angefühlt, gemeinsame oder unterschiedliche Erfahrungen zu erkennen?
- Wer könnte in diesem Raum fehlen und wie beeinflusst das unsere Diskussion?
Tipps für die Moderation:
Beginnt mit leichten Themen und geht dann, sobald Vertrauen aufgebaut ist, zu tiefergehenden Fragen zu Identität über.
3. Methode 1, Übung 1: Einzelarbeit – Identitätsblume (insgesamt 40 Min.)
(Vorlage im Annex in 3 Sprachversionen mit Beispielen für die verschiedenen Arbeitsschritte)
Diese Übung hilft den Teilnehmenden, Intersektionalität als analytischen Rahmen für eine Reflektion über gesellschaftliche Machtverhältnisse zu verstehen. Durch die Reflexion ihrer eigenen Identität in Bezug auf sozial dominante Gruppen, persönliche Identität und Machtstrukturen können die Teilnehmenden untersuchen, wie sich überschneidende soziale Identitäten, ihre Erfahrungen mit Privilegien, Marginalisierung und Unterdrückung prägen.
Auf der Grundlage der Erfahrungen des Black Feminist Movement und Schwarzen feministischen Theorien, insbesondere Crenshaw (1989), schafft die Übung einen Erfahrungsraum, in welchem Kategorien wie Herkunft, Hautfarbe/race, Geschlecht, Klasse und andere soziale Kategorien zusammenwirken und der deutlich macht, wie die Nähe zu dominanten Identitäten die gelebte Erfahrung prägt. Diese Übung ermöglicht es den Teilnehmenden, sich kritisch mit der ungleichen Verteilung von Macht auseinanderzusetzen und über ihre eigene Position innerhalb dieser Dynamik nachzudenken.
Ablauf:
Sozial dominante Identitäten (5 Min.):
Die Teilnehmenden erhalten die Vorlage der Identitätsblume. In den äußeren Blütenblättern der Blumenvorlage (= Textfelder) stehen Identitätskategorien (z.B. Gender, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, Bildung, soziale Schicht, ...).
Die Teilnehmenden sollen nun in die äußeren Blütenblätter eintragen, welche Identitätsmerkmale sie in der jeweiligen Identitätskategorie in ihrer Gesellschaft als sozial dominant und privilegiert wahrnehmen (z. B. Gender: cis-männlich, sexuelle Orientierung: heterosexuell, ethnische Zugehörigkeit: weiß, Bildung: hoher Bildungsstand, soziale Schicht: wohlhabend, etc.).
Persönliche Identität (5 Min.):
Die Teilnehmenden malen nun auf die inneren Blütenblätter eine Markierung dort, wo sie sich persönlich in jeder Identitätskategorie verorten, also näher am äußeren Blüttenblatt oder näher an der Mitte der Blume.
(Beispiel: Wer einen niedrigen formalen Bildungsabschluss hat, würde sich bei Bildungsstand näher an der Mitte verorten.)
Nähe zur Macht (3 Min.):
Im nächsten Schritt zeichnen die Teilnehmenden eine Linie zwischen ihrer persönlichen und der dominanten Identität im äußeren Blütenblatt.
Kurze Linien = näher an Privilegien; lange Linien = größerer Abstand.
Durch die Darstellung ihrer Distanz oder Nähe zu vorherrschenden Identitäten können die Teilnehmenden visuell analysieren, wie Macht durch Identitätsmerkmale funktioniert.
Vor- und Nachteile (5 Min.):
Die Teilnehmenden verwenden zwei verschiedene Farben, um zu markieren, welche Merkmale ihrer Identität Vorteile mit sich bringen und welche Hindernisse schaffen.
Dieser Schritt verdeutlicht, dass die Nähe zur Macht nicht absolut ist. Während manche Identitäten mit systemischen Barrieren konfrontiert sind, können dennoch Einzelne persönliche Selbstentfaltung, Selbstbewusstsein und Resilienz in ihnen finden.
- Selbstwahrnehmung ist wichtig: Selbst, wenn eine Identität marginalisiert ist, können Einzelpersonen aufgrund der Unterstützung durch die Gemeinschaft oder aufgrund persönlicher Werte diesen Teil ihrer Identität als Vorteil empfinden.
- Diese Übung hilft den Teilnehmenden, sowohl systemische Strukturen als auch ihre eigene Selbstidentifikation kritisch zu reflektieren – und stellt damit die Annahme in Frage, dass Distanz zur Macht immer gleichbedeutend mit Entmachtung ist.
Fragen zur Nachbesprechung (einige auswählen):
- Wie war es für euch die Blume auszufüllen?
- War es einfach oder schwierig, euch auf den Blumenblättern zu verorten?
- Was hat euch in Bezug auf eure Nähe oder Distanz zur Macht überrascht?
- Habt ihr Widersprüche oder unerwartete Erkenntnisse festgestellt?
- Inwiefern hängt diese Übung mit euren Erfahrungen zu Macht/Privilegien oder Marginalisierung zusammen?
- Wie hat die Reflexion über Macht und Identität euer Verständnis von gesellschaftlichen Strukturen beeinflusst?
- Hat die Darstellung eurer Nähe zur Macht/eurer Zugehörigkeit zu dominanten/privilegierten Positionen eure Sicht auf euch selbst innerhalb von Systemen der Privilegien und Unterdrückung beeinflusst?
- Hat euch diese Übung dabei geholfen, persönliche Stärken oder Quellen der Resilienz innerhalb eurer Identität zu erkennen?
- Wie könnte dieses Bewusstsein für Macht und Selbstwahrnehmung eure zukünftigen Handlungen beeinflussen?
- Wo fühlt ihr euch gestärkt oder ausgegrenzt?
- Wie beeinflusst eure Identität eure Teilnahme an interkulturellen Räumen?
Ergänzung für eine tiefergehende Reflexion:
Diskussion über Erreichtes und Zugeschriebenes. Entweder können die Teilnehmenden auch die äußeren Blütenblätter ausmalen oder diese Diskussion kann in die Nachbesprechung integriert werden. Frage: „Welche sozialen Identitäten sind zugeschriebene, welche sind erlangt und wie fließend ist der Übergang?“
Tipp für die Moderation:
Bilden Sie vor der vollständigen Nachbesprechung Zweierpaare, um einen sicheren Reflexionsraum zu ermöglichen.
4. Methode 1, Übung 2: Gruppenarbeit – Intersektionalität und Machtdynamiken (25 Min.)
Die Teilnehmenden untersuchen, wie Identitäten sich überschneiden und Teilhabe, Zugehörigkeit und Macht einer Person beeinflussen. Ziel der Aktivität ist es, dass die Teilnehmenden, Intersektionalität als Reaktion auf Machtdynamiken analysieren. Sie baut auf der Übung „Identitätsblume” auf, indem sie den Teilnehmenden ermöglicht, zu erkennen, wie soziale Identitäten im realen Leben mit Systemen der Macht, Privilegien und Marginalisierung interagieren. Durch Bewegung und Diskussion vertieft diese Aktivität ihr Verständnis dafür, wie Macht funktioniert und wie Individuen unterschiedlich damit umgehen.
Aktivität:
Diese Positionierungsübung ermöglicht, soziale Kategorien (Geschlecht, Klasse, ethnische Zugehörigkeit, Fähigkeiten usw.) im Raum aufzuzeigen.
Vorgehen:
- Jede der sozialen Kategorien der Identitätsblume wird ausgedruckt und nacheinander im Raum aufgehängt.
- Moderator*in liest Aussagen vor, die die Teilnehmenden dazu anregen, über verschiedene Aspekte ihrer Identität nachzudenken.
- Die Teilnehmenden positionieren sich im Raum entsprechend der Relevanz der Aussage für sie (z. B. indem sie sich näher zu der sozialen Kategorie positionieren, die sie ausgewählt haben).
Beispielaussagen zur Positionierung:
- „Wenn ich meine Gedanken online teile, überlege ich, wie sich die Tatsache, dass ich X bin, auf die Reaktionen und Antworten auswirken könnte, die ich erhalte.“
- „Wenn ich mit einem Team arbeite, überlege ich, wie sich die Tatsache, dass ich X bin, auf die Art und Weise auswirken könnte, wie wir alle zusammenarbeiten.“
- „Wenn ich Busse oder Bahnen benutze, überlege ich, wie sich die Tatsache, dass ich X bin, auf meine Sicherheit und meinen Komfort während der Fahrt auswirken könnte.“
- „Wenn ich an Partys oder Versammlungen teilnehme, überlege ich, wie sich die Tatsache, dass ich X bin, darauf auswirken könnte, wie ich mich dort fühle.“
- „Wenn ich mit Personen in Autoritätspositionen interagiere, bin ich mir bewusst, wie sich X auf deren Verhalten mir gegenüber auswirken kann.“
- „Wenn ich mich für Bildungsangebote bewerbe, überlege ich, wie sich X auf meine Chancen auswirken könnte, Zugang zu diesen Angeboten zu erhalten.“
Gruppendiskussion zu den jeweiligen Positionierungen:
Die Teilnehmenden werden gebeten, zu erklären, warum sie sich an dieser Stelle positioniert haben.
Wenn sie sich wohlfühlen, können sie persönliche Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Positionierung schildern, hier einige Beispiele:
- Sie diskutieren, wie Machtstrukturen ihre Positionierung verstärken oder in Frage stellen.
- Sie reflektieren darüber, wie viele Menschen um sie herum waren – sind sie die Einzigen in dieser Gruppe oder gibt es eine Mehrheit?
- Sie diskutieren die Erfahrung, zur Mehrheit oder zur Minderheit zu gehören – wie fühlt es sich an, einer der wenigen oder Teil einer dominanten Gruppe zu sein?
- Sie überlegen, wie unterschiedliche Umgebungen dies verändern könnten – gibt es Orte, an denen sich die Teilnehmer aufgrund ihrer Identität eher einbezogen oder ausgeschlossen fühlen?
Hinweis: Die Teilnehmenden und die Moderation sollten keine Kommentare zu anderen Erfahrungen abgeben!
Nachbesprechung:
Einige Vorschläge für Leitfragen:
- Wie hat es sich angefühlt, sich physisch entsprechend eurer Identität zu positionieren?
- Wie hat es sich angefühlt, die Machtunterschiede in sich selbst zu erleben?
- Hat das Anhören der Erfahrungen anderer eure Sichtweise auf Macht und Privilegien verändert?
- Gab es Momente, in denen ihr euch nicht sicher wart, wo ihr stehen sollt? Warum?
- Wie hilft uns Intersektionalität zu verstehen, warum Macht von verschiedenen Menschen unterschiedlich erlebt wird, sogar in uns selbst?
- Hat euch diese Aktivität geholfen, Privilegien oder Barrieren zu erkennen, die ihr zuvor vielleicht nicht berücksichtigt habt?
- Wie hat es sich angefühlt, in einem bestimmten Szenario Teil einer Mehrheitsgruppe zu sein? Wie hat es sich angefühlt, in der Minderheit zu sein?
- Habt ihr in eurem Alltag Situationen bemerkt, in denen eure Identität euch zur Mehrheit oder zur Minderheit gehören lässt? Wie beeinflusst das eure Erfahrungen?
- Wie kann das Bewusstsein für Machtverhältnisse zu gerechteren und inklusiveren Räumen führen?
5. Methode 2: Was können wir tun? – Gerechtigkeit, Gleichheit, Inklusion (25 Min.)
Dieser Abschnitt führt von der Reflexion zum Handeln. Die Teilnehmenden analysieren anhand von visuellen Hilfsmitteln und Gruppendiskussionen den Unterschied zwischen Gleichheit, Gerechtigkeit und Fairness. (ANNEX Apfelbaum Beispiel Gerechtigkeit)
Anweisungen:
1. Verwendung der visuellen Hilfe (ANNEX Apfelbaum Beispiel Gerechtigkeit):
- Die Moderation präsentiert die Illustration „Gleichheit vs. Gerechtigkeit”.
- Die Teilnehmenden analysieren die Unterschiede zwischen (un)gleichem Zugang, gerechten Anpassungen und systemischer Transformation.
2. Fragen zur Besprechung:
- Was bedeuten diese Konzepte im realen Leben (Bildung, Gesundheitswesen, Beschäftigung usw.)?
- Fallen euch Beispiele ein, bei denen Gerechtigkeit oder Fairness zu einem gerechteren Ergebnis beigetragen haben?
- Habt ihr persönlich schon von einem inklusiven System oder einer inklusiven Unterstützungsstruktur profitiert?
- Welche kleinen Maßnahmen können wir ergreifen, um Gerechtigkeit und Fairness in unseren Gemeinschaften zu fördern?
- Was gibt euch Hoffnung, dass Veränderungen möglich sind?
Variation: Vorschläge für Gruppenarbeit
Sammelt Vorschläge oder Beispiele!
- Wie können wir Intersektionalität nicht nur auf Probleme, sondern auch auf Lösungen anwenden?
- Welche Maßnahmen können wir gemeinsam ergreifen, um Macht gerechter zu verteilen?
- Wart ihr jemals Teil eines Umfelds, in dem Gerechtigkeit und Inklusion aktiv praktiziert wurden? Was hat dazu beigetragen, dass dies funktioniert hat?
- Wie können wir sicherstellen, dass Inklusionsbemühungen bestehende Machtstrukturen nicht verstärken, sondern echte Veränderungen bewirken?
Reflexion & Auswertung
Schritt 1: Reflexion & gemeinsames Anlegen des Gartens (10 Min.)
Die Teilnehmenden gehen mit ihren Identitätsblumen durch den Raum und tauschen sich kurz mit anderen Teilnehmenden, denen sie begegnen, aus:
- Was ist mir besonders im Gedächtnis geblieben?
- Was schätze ich an meiner Identität am meisten?
- Welches Engagement werde ich weiterführen?
Anschließend legen alle Teilnehmenden ihre eigene Blume in einen gemeinsamen „Garten” – als Symbol für Zusammenleben, Vielfalt und gemeinsame Verantwortung.
Schritt 2: Fragen für die Abschlussreflexion im Plenum (offene Fragen an die Gruppe, Zeit je nach Gruppengröße)
-
Wie prägt Identität unsere alltäglichen Erfahrungen?
-
Wie verstärken Machtstrukturen Privilegien oder Ausgrenzung?
-
Was habt ihr über eure eigene Nähe zur Macht gelernt?
- Wie können Gerechtigkeit, Gleichheit und Inklusion im realen Leben praktiziert werden?
Variationen
Variationsmöglichkeiten
Dieser Workshop schlägt zwei sich ergänzende Methoden zur Erforschung von Intersektionalität vor. Die Identitätsblume dient als Kernaktivität und hilft den Teilnehmenden, über ihre Identität, ihre Nähe zur Macht und ihre Erfahrungen mit Privilegien oder Marginalisierung nachzudenken (Methode 1, Übung 1).
Darüber hinaus kann die Reflexion über Intersektionalität durch Nachdenken und Beispiele aus dem wirklichen Leben die Diskussion vertiefen und alternative Perspektiven bieten. (Methode 1, Übung 2)
Diese Ansätze können zusammen für eine umfassendere Lernerfahrung verwendet oder je nach Zeitbeschränkungen und Gruppenbedürfnissen angepasst werden.
Für einen rein methodischen Ansatz reicht die erweiterte Power Flower-Übung allein aus, um eine sinnvolle Lernerfahrung zum Thema Intersektionalität zu ermöglichen, aber es bedarf dennoch einer Folgeaktivität, um sie in einem sozialen Kontext zu praktizieren (Methode 2).
Hinweise für die Moderation
Allgemeine Hinweise
- Die Identitätsblume kann eine emotional intensive Übung sein; dies sollte durch stärkende und kollektive Übungen im Anschluss ausgeglichen werden
- In der Moderation, insbesondere in der Abschlussreflexion sollten Hoffnung und Solidarität gestärkt werden, nicht Schuldgefühle oder Verzweiflung.
- In der Moderation sollte deutlich werden, dass Reflexion ein wichtiger Schritt in Richtung Handeln und sozialer Wandel ist.
- Kulturelle Unterschiede zwischen der Türkei und Deutschland sollten anerkannt werden, während der Fokus auf gemeinsame Herausforderungen und gegenseitiges Lernen gelegt wird.
- Es gibt verschiedene Übungen und Ansätze mit der Identitätsblume zu arbeiten.
o Ein Beispiel ist die Power-Flower die im Anti-Bias Ansatz genutzt wird, https://www.mangoes-and-bullets.org/wp-content/uploads/2015/02/8i-Power-Flower.pdf
o Ein weiteres Beispiel ist die Power Flower aus dem Kontext des Europarats-Kompass, die einen Fokus auf Menschenrechte setzt, https://rm.coe.int/compass-2023-eng-final-web/1680af992c
- In der vorliegenden Übung liegt der Fokus auch auf der interkulturellen Lernsituation, in der ganz grundsätzlich Kategorien von Macht, Privilegien, Dominanz erörtert werden sollen, weshalb auch mit nicht-vorausgefüllten Bildern gearbeitet werden kann.
- Die Komplexität der Sprache sollte an die jeweiligen Englisch/Sprachkenntnisse der Teilnehmenden anknüpfen.
- Das Moderationsteam sollte möglichst divers sein, um Inklusion und Sicherheit zu vermitteln.
- Kürzere Workshops (45–60 Minuten) können sich ausschließlich auf das Identitätsbewusstsein konzentrieren; längere Versionen (bis zu 3 Stunden) können gemeinsame Reflexion und Aktionsplanung beinhalten.
Empowerment und Solidarität in der Reflexion sicherstellen
Wenn die erweiterte Power Flower isoliert angewendet wird, kann sie eine ähnliche Wirkung wie die Privilege Walk-Übung haben und die Teilnehmenden möglicherweise entmutigen oder mit ihrer Distanz zur Macht überfordern. Diejenigen, die erkennen, dass sie weniger Vorteile haben oder einer systemischen Marginalisierung ausgesetzt sind, können ein Gefühl der Hilflosigkeit oder Frustration verspüren. Eine ehrliche Reflexion ist zwar entscheidend, aber ebenso wichtig ist es, dieses Bewusstsein mit Möglichkeiten zur Selbstermächtigung und kollektivem Handeln in Einklang zu bringen.
Um zu verhindern, dass die Übung zu einer rein bedrückenden oder entmutigenden Erfahrung wird, sollten Folgeaktivitäten so gestaltet werden, dass sie
- Hoffnung stärken – den Fokus von dem, was fehlt, auf das verlagern, was verändert werden kann.
- Solidarität fördern – zeigen, dass Benachteiligung nicht Isolation bedeutet; gemeinsame Kämpfe schaffen eine gemeinsame Basis für kollektives Handeln.
- Persönliche und kollektive Handlungsfähigkeit hervorheben – Die Teilnehmenden sollten mit dem Gefühl gehen, dass Veränderung durch Bewusstseinsbildung, Fürsprache und gegenseitige Unterstützung möglich ist.
Wie Sie dies im Workshop erreichen können:
● Eine aufbauende Reflexion ermöglichen: Leiten Sie die Teilnehmenden nach der Übung „Identitätsblume” dazu an, Quellen der Stärke, Resilienz und Unterstützung durch die Gemeinschaft innerhalb ihrer Identitäten zu erkennen.
● Führen Sie Diskussionen über kollektives Handeln ein: Anstatt sich nur auf individuelle Hindernisse zu konzentrieren, verlagern Sie den Fokus auf das, was gemeinsam getan werden kann, um Ungleichheiten zu bekämpfen.
● Fördern Sie gegenseitige Unterstützung: Verstärken Sie die Idee, dass niemand mit seinen Kämpfen allein ist – Solidarität über verschiedene Identitäten hinweg kann Stimmen verstärken und Veränderungen bewirken.
● Beenden Sie den Workshop mit einer motivierenden Botschaft: Die abschließende Reflexion sollte die Teilnehmenden dazu ermutigen, darüber nachzudenken, wie sie ihr Bewusstsein für Empowerment statt für Verzweiflung nutzen können.
Indem der Workshop die erweiterte Power Flower in einen breiteren Rahmen aus Reflexion, Empowerment und Handeln einbettet, vermeidet er es, Entmachtung zu verstärken, und schafft stattdessen ein Gefühl von Handlungsfähigkeit und Hoffnung. So wird sichergestellt, dass intersektionales Bewusstsein zu einer Motivation für Veränderungen führt.
Kulturelle und kontextuelle Unterschiede: Deutschland und Türkei
Während Intersektionalität ein universelles Konzept ist, unterscheiden sich ihre Ausprägungen je nach kulturellem und nationalem Kontext. Die Erfahrungen der Teilnehmenden aus Deutschland und der Türkei können durch unterschiedliche soziale Strukturen, historische Hintergründe und systemische Ungleichheiten geprägt sein. Der Workshop sollte diese Unterschiede berücksichtigen und gleichzeitig gemeinsame Herausforderungen und Gemeinsamkeiten hervorheben.
Es ist wichtig zu erkennen, dass Teilnehmende aus der Türkei und Deutschland möglicherweise mit unterschiedlichen Erwartungen und Annahmen an die Übung herangehen. Beispielsweise könnten Teilnehmende aus der Türkei davon ausgehen, dass ihre deutschen Kolleg*innen insgesamt privilegierter sind, während deutsche Teilnehmende möglicherweise annehmen, dass die Benachteiligung in der Türkei größer ist. Der Workshop kann diese Annahmen jedoch hinterfragen, indem er die nuancierten Erfahrungen von Privilegien und Marginalisierung auf beiden Seiten aufzeigt.
Wichtige Überlegungen für Teilnehmende aus der Türkei:
Teilnehmende aus der Türkei kommen möglicherweise aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen, haben Erfahrungen mit politischer Instabilität oder fühlen sich aufgrund sozialer Hierarchien ausgegrenzt.
Viele Frauen in der Türkei sind mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung konfrontiert, während gleichzeitig Frauen in Deutschland immer noch mit geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden und Vorurteilen am Arbeitsplatz zu kämpfen haben – eine gemeinsame Herausforderung, die die Solidarität fördern kann.
Einige Teilnehmende könnten davon ausgehen, dass LGBTQ+-Personen in Deutschland kaum oder gar keine Herausforderungen zu bewältigen haben, doch Diskussionen könnten zeigen, dass viele immer noch Diskriminierung erfahren, insbesondere in konservativen oder ländlichen Gebieten.
Es ist wichtig, ein Gefühl der Machtlosigkeit nicht zu verstärken – stattdessen sollte sich der Workshop darauf konzentrieren, wie kollektive Resilienz und gemeinsame Advocacy-Bemühungen Empowerment fördern können.
Anstatt den Fokus auf Marginalisierung zu legen, sollte die Solidarität zwischen verschiedenen Identitäten (z. B. Frauenkämpfe, wirtschaftliche Not, Rechte von Menschen mit Behinderung) betont werden, um zu zeigen, dass es trotz unterschiedlicher Herausforderungen immer Raum für kollektives Handeln gibt.
Wichtige Überlegungen für Teilnehmende aus Deutschland:
Die Annahme, dass alle deutschen Teilnehmenden von Natur aus privilegiert sind, sollte vermieden werden.
Viele deutsche Teilnehmende können auch systemische Probleme in Bezug auf Herkunft, Migrationsstatus, Geschlecht, wirtschaftliche Barrieren oder Behinderung erleben.
Beispielsweise können Einwander*innen der zweiten Generation in Deutschland trotz ihrer Staatsbürgerschaft Diskriminierung in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt sein.
Der Workshop kann für Teilnehmende aus der Türkei eine Gelegenheit sein, zu erleben, wie Machtstrukturen auch auf Einzelpersonen in Deutschland wirken, Stereotypen zu durchbrechen und ein differenzierteres Verständnis von Privilegien und Unterdrückung zu fördern.
Einige Teilnehmende aus Deutschland sind möglicherweise überrascht, wenn sie feststellen, dass Menschen aus der Türkei trotz der allgemeinen gesellschaftlichen Diskriminierung aufgrund der starken Unterstützung durch ihre Gemeinschaft stolz auf ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Identität sein können.
Eine ausgewogene Diskussion schaffen:
Fördern Sie aktives Zuhören und den Austausch von Erfahrungen – sorgen Sie dafür, dass beide Gruppen einander zuhören und voneinander lernen, anstatt Vermutungen über Privilegien anzustellen.
Nutzen Sie Intersektionalität, um Gemeinsamkeiten zu finden – anstatt Spaltungen zu verstärken, betonen Sie, dass die Erfahrungen zwar unterschiedlich sein mögen, Unterdrückungssysteme jedoch zu sich überschneidenden Herausforderungen führen.
Erkennen Sie sowohl Privilegien als auch Resilienz an – erkennen Sie an, dass sich manche Menschen in einem Aspekt ihrer Identität marginalisiert fühlen, während sie in einem anderen Aspekt gestärkt sind.
Beenden Sie die Diskussion mit einer Botschaft der Stärkung – anstatt sich darauf zu konzentrieren, wer schlechter gestellt ist, lenken Sie den Dialog dahin, wie die Teilnehmer gemeinsam Ungleichheiten bekämpfen können.
Konzeptioneller Hintergrund
Inspiriert von Workshops, die von Dr. Ceren Abacıoğlu entwickelt wurden, und adaptierten Versionen der Methoden „Power Flower” und „Privilege Walk“.
Konzeptioneller Hintergrund
Die Workshop-Methode „The Garden of Coexistence” (Der Garten der Koexistenz) integriert hooks' liberatory education (1), Crenshaws intersectionality framework (2), Bourdieus Theorie von Privilegien und Macht (3) und Harding's Standpunkt-Theorie (4). Sie geht über theoretische Diskussionen hinaus, indem sie erfahrungsorientierte Methoden einsetzt, um Macht zu visualisieren, über Privilegien nachzudenken und Engagement zu fördern. Darüber hinaus befähigt sie die Teilnehmer, Ungleichheiten zu bekämpfen, solidarisch zu handeln und inklusivere Räume zu schaffen, was den Grundprinzipien dieser Wissenschaftler entspricht.
1. Bildung als Praxis der Freiheit (bell hooks, 1994)
In „Teaching to Transgress” argumentiert hooks, dass Bildung befreiend, partizipativ und reflexiv sein sollte. Aus diesem Grund steht die „Identitätsblume”-Aktivität im Einklang mit hooks’ (und natürlich auch Freires) kritischer Pädagogik, bei der die Selbstreflexion über Macht und Identität die Teilnehmer dazu befähigt, Ungleichheiten zu erkennen. Darüber hinaus steht die Diskussion über Gerechtigkeit, Gleichheit und Inklusion im Einklang mit hooks’ Gedanken, dass Bildung bestehende Machtstrukturen in Frage stellen und zum Handeln für Veränderungen ermutigen muss.
2. Intersektionalität und Machtstrukturen (Kimberlé Crenshaw, 1989)
Der Workshop basiert auf Crenshaws Konzept der Intersektionalität, das eingeführt wurde, um zu analysieren, wie sich überschneidende soziale Identitäten (z. B. Hautfarbe/race, Geschlecht, Klasse) die Erfahrungen jedes Einzelnen prägen, wobei betont wird, dass Machtstrukturen die Erfahrungen von Marginalisierung und Privilegien prägen. Während das Identity Flower Mapping visuell darstellt, wie verschiedene Identitäten mit Macht interagieren und warum Intersektionalität notwendig ist, um strukturelle Ungleichheiten zu verstehen, zeigt die Gruppenpositionierungsübung (bei der sich die Teilnehmer physisch als Reaktion auf identitätsbasierte Aussagen positionieren), wie Macht in verschiedenen Kontexten verteilt und verstärkt wird.
3. Sozialkapital und Machtvermehrung (Pierre Bourdieu, 1986)
Bourdieus Konzept des sozialen und kulturellen Kapitals erklärt, dass Individuen Macht nicht nur durch systemische Privilegien, sondern auch durch die Unterstützung der Gemeinschaft, Wissen und Identitätsbestätigung akkumulieren. Dieser Workshop greift die Idee auf, dass Machtstrukturen zwar Identitätserfahrungen prägen, die Selbstwahrnehmung jedoch auch Einfluss darauf hat, wie Individuen mit Privilegien und Marginalisierung umgehen.
4. Standpunkttheorie (Sandra Harding, 1991)
Die Standpunkttheorie von Harding argumentiert, dass Wissen durch die soziale Position und gelebte Erfahrung geprägt wird. Aufgrund dessen haben marginalisierte Gemeinschaften oft ein tieferes Verständnis von Machtstrukturen, da sie Ungleichheit aus erster Hand erleben. Der Workshop schätzt die gelebten Erfahrungen der Teilnehmenden und ermutigt sie, zuzuhören, zu lernen und über ihre eigenen Standpunkte und die anderer nachzudenken.
Formt Macht Intersektionalität oder formt Intersektionalität Macht?
Diese Frage ist relevant, da Macht und Intersektionalität in einem sich gegenseitig verstärkenden Kreislauf existieren, in dem Machtstrukturen intersektionale Erfahrungen schaffen, Intersektionalität aber auch Macht offenlegen und in Frage stellen kann. Macht ist nicht neutral; sie ist in Institutionen, Politik und kulturellen Normen verankert und prägt, wer Privilegien hat und wer mit systemischen Barrieren konfrontiert ist (Crenshaw, 1989). Diejenigen, die näher an dominanten sozialen Gruppen stehen, sammeln mehr soziales und kulturelles Kapital an und verstärken so Ungleichheiten (Bourdieu, 1986). Macht wird jedoch nicht nur von oben auferlegt, marginalisierte Perspektiven bieten einzigartige Einblicke und hinterfragen dominante Narrative (Harding, 1991). Aus diesem Grund spielt Bildung eine entscheidende Rolle dabei, Menschen dabei zu helfen, Machtstrukturen zu erkennen und sich gegen Unterdrückung zu wehren (hooks, 1994).
Warum ist Nähe zur Macht in der Intersektionalität wichtig?
Macht ist relational – sie existiert nicht isoliert, sondern hängt davon ab, wer Zugang zu Ressourcen, Entscheidungsfindung und Einfluss hat (Bourdieu, 1986). Je näher eine Identität an den vorherrschenden gesellschaftlichen Normen liegt, desto mehr Privilegien und Möglichkeiten gewährt sie. Macht bezieht sich jedoch nicht nur auf externe Strukturen, sondern existiert auch in der Selbstwahrnehmung und im kollektiven Bewusstsein (Harding, 1991). Marginalisierte Individuen können durch ihre Lebenserfahrungen ein kritisches Bewusstsein entwickeln und Perspektiven bieten, die dominante Normen in Frage stellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Teilnehmer*innen des Workshops „Garten der Koexistenz” diese Beziehung zwischen Macht und Privilegien anhand der Identitätsblume in Aktion sehen. Die Gruppenpositionierungsübung geht noch einen Schritt weiter, indem sie zeigt, wie sich Intersektionalität auf den Zugang zu Chancen auswirkt. Durch die Diskussion und Reflexion über ihre Platzierung sehen die Teilnehmer Intersektionalität sowohl als Instrument zur Analyse von Marginalisierung als auch als Mittel zur Neugestaltung von Machtstrukturen. Die zweite Methode (Reflexion über Intersektionalität durch Raumwechsel) wurde von Dr. Ceren Abacioglus Workshop zum Thema „Rassismus an Universitäten verstehen” und Lewis Deep Democracy-Soft Shoe Shuffle-Methode inspiriert.
Die erste Methode ist eine erweiterte Version der Power-Flower. Für uns fehlten in dieser Methode viele Punkte wie „zugeschrieben-erreicht”, „gefühlte Nähe” und „wie vorteilhaft oder nachteilig man sich selbst definiert”. Diese Punkte haben wir hinzugefügt, um Intersektionalität aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, aber auch die individuelle Wahrnehmung zu berücksichtigen.
Schlüsselelemente aus:
Bourdieu, P. (1986): Power and capital – understanding social hierarchies and access.
Crenshaw, K. (1989): Intersectionality – revealing how overlapping identities shape privilege and oppression.
Harding, S. (1991): Standpoint theory – valuing knowledge from lived experience.
hooks, b. (1994): Education as the practice of freedom – learning as empowerment.
Ziel ist, auf diesen konzeptionellen Grundlagen einen partizipativen, kritischen und transformativen Lernprozess zu schaffen.
Referenzen und weitere Empfehlungen
Referenzen
Bourdieu, P. (1986). The Forms of Capital. Greenwood.
Crenshaw, K. (1989). Demarginalizing the Intersection of Race and Sex. University of Chicago Legal Forum.
hooks, b. (1994). Teaching to Transgress: Education as the Practice of Freedom. Routledge.
Harding, S. (1991). Whose Science? Whose Knowledge? Cornell University Press.Council of Europe (2012). Compass: Manual for Human Rights Education with Young People.
Empfehlungen für ähnliche Methoden
Privilege Walk (Privilegien-Spaziergang)– Ungleichheit und soziale Position verstehen. Adaptierbare Beispiele hierfür finden sich bei
Brot für die Welt, https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/blogs/Jugendausschuss/PRIVILEGE-WALK.pdf
Uni Freiburg, https://uni-freiburg.de/gdape/wp-content/uploads/sites/4/In-der-Mitte-der-Gesellschaft_Privilege-Walk_web.pdf
Theater der Unterdrückten (Augusto Boal): https://de.wikipedia.org/wiki/Theater_der_Unterdr%C3%BCckten
Power Flower (Compass / CoE): https://rm.coe.int/compass-2023-eng-final-web/1680af992c
Soziales Präsenz Theater, bspw. https://www.dirkbraeuninger.de/social-presencing-theater
Projekt Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.
Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.
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