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Abgeplatzter Lack auf Metall
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Gish-Galopp und andere Herausforderungen

Fortbildung für Dialog- und Handlungsfähigkeit

In Zeiten, in denen rechtsextreme und rechtspopulistische Akteur:innen Debatten gezielt emotionalisieren, Fakten relativieren und Verunsicherung erzeugen, geraten politische Bildner:innen zunehmend unter Druck. Das Fortbildungskonzept stärkt Fachkräfte der politischen Bildung darin, souverän auf manipulative Argumentationsmuster, extremistische Narrative und strategische Störversuche in Bildungssettings zu reagieren.

Zum Download2 Dateien | Lizenz: CC BY SA

Benötigte Zeit

7:30 Stunden

Zielgruppe

Fachkräfte der politischen Bildung

Benötigtes Material

Handreichung, Präsentationsvorlage (siehe Download)

Einführung

Das Projekt „Gish-Galopp und andere Herausforderungen“ der Europäischen Akademie Berlin, gefördert durch den Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), wurde entwickelt, um Fachkräfte der politischen Bildung darin zu stärken, souverän auf manipulative Argumentationsmuster, extremistische Narrative und strategische Störversuche zu reagieren. Die Fortbildung bietet ein praxisnahes, bundesweit einsetzbares Schulungsformat für politische Bildner:innen und Multiplikator:innen, die in ihrer Arbeit mit Polarisierung, Desinformation und demokratiefeindlichen Störsstrategien konfrontiert sind. Das Konzept lädt Fachkräfte zum eigenen Kompetenzerwerb und zur Weitergabe ein.

Die Notwendigkeit dieses Ansatzes steht im Zusammenhang mit breiteren gesellschaftlichen Entwicklungen:

  • einem erstarkenden Rechtsextremismus und autoritären Tendenzen, die längst nicht mehr nur in Wahlergebnissen sichtbar sind, sondern zunehmend in Alltagsgesprächen, Bildungssettings und zivilgesellschaftlichen Räumen auftreten;
  • einer Verschiebung von Diskursgrenzen, bei der provokative, vereinfachende oder herabsetzende Störstrategien normalisiert werden;
  • einer zunehmenden Salonfähigkeit von diskriminierenden, menschenfeindlichen oder demokratiefeindliche Positionen, die gezielt in Bildungs- und Diskussionsräume getragen werden;
  • einer Zunahme strategischer Störungen in Bildungsprozessen, die weniger auf Dialog als auf Überwältigung, persönliche Angriffe, Angstschürerei oder die bewusste Destabilisierung von Lern- und Diskussionsprozessen abzielen.

Die Fortbildung versteht Störungen dabei nicht als individuelle Konflikte oder kommunikative Missverständnisse, sondern als Ausdruck politischer Strategien, denen politische Bildner:innen professionell, reflektiert und souverän begegnen müssen. Die Fortbildung vermittelt Methoden, um Störtypen und Störstrategien frühzeitig zu erkennen, einzuordnen und handlungsfähig zu bearbeiten.

Lernziele

Die Fortbildung zielt darauf ab, politische Bildner:innen in ihrem professionellen Handeln zu stärken und ihnen methodische Werkzeuge an die Hand zu geben.
Sie lernen, zwischen kontroversem Diskurs und gezielter Manipulation zu unterscheiden, und entwickeln Strategien, um auf herausfordernde Situationen souverän und handlungsfähig zu reagieren.

Nach Abschluss der Fortbildung sollen die Teilnehmenden:

  1. Störstrategien (z. B. Gish-Galopp, Ad-Hominem, Whataboutism, Fearmongering) erkennen und analysieren können.
  2. Störtypen (z.B. Pseudointellektuelle, Provokateure usw.) erkennen und auf diese souverän reagieren können.
  3. Konterstrategien und kommunikative Methoden zur Deeskalation anwenden können.
  4. In Störungen professionell, demokratisch und wertorientiert agieren.
  5. Eigene Haltung und Rolle als politische Bildner:in reflektieren.
  6. Das eigene professionelle Selbstverständnis im Rahmen demokratischer Bildungsarbeit stärken.
  7. Handlungspläne entwickeln, um die Fortbildungsinhalte in ihre Praxis zu integrieren.

Didaktische Anmerkungen

Das didaktische Konzept folgt einem partizipativen, erfahrungsorientierten Ansatz, der Reflexion, Rollenspiel und Transfer miteinander verbindet. Lernen erfolgt über eigene Erfahrung, kollegialen Austausch und die gezielte Verknüpfung von Theorie und Praxis.

Zentrale didaktische Leitgedanken sind:

  • der Einsatz authentischen Materials (z. B. Videos, reale Diskursausschnitte), um reale Kommunikationssituationen sichtbar zu machen – begleitet von einer Content Note zur sensiblen Rahmung potenziell diskriminierender Inhalte,
  • regelmäßige Reflexions- und Transferphasen, in denen Teilnehmende Bezüge zur eigenen Praxis herstellen,
  • die bewusste Arbeit an Haltung als Fundament professionellen Handelns,
  • die Stärkung sowohl fachlicher Kompetenzen (Analyse von Störstrategien) als auch rhetorischer Kompetenzen (Dialogfähigkeit, Deeskalation, Schutz von Gruppenprozessen).

Der Workshop ist modular konzipiert. Nach der gemeinsamen Einführung über die Landkarte der Störstrategien (2.3) können einzelne Übungen (2.4-2.7) gezielt ausgewählt, vertieft oder ausgelassen werden – je nach Bedarf, Vorerfahrung der Teilnehmenden und Relevanz für den jeweiligen Bildungskontext. Die in Kapitel 2 vorgestellte Tagesstruktur dient dabei als Orientierungsrahmen für die Durchführung des Workshops, kann jedoch flexibel an Zeitumfang, Gruppenzusammensetzung und inhaltliche Schwerpunkte angepasst werden.

Es gibt nicht die eine richtige Reaktion auf Störungen. Stattdessen eröffnet die Fortbildung Raum, individuelle und authentische Handlungswege zu entwickeln, die zur eigenen Person, Rolle, gesellschaftlichen Positionierung und zum jeweiligen Kontext passen. Die Arbeit an der eigenen Haltung bildet dabei das Fundament professionellen Handelns: Die bewusste Auseinandersetzung mit Werten, Grenzen, Unsicherheiten und Reaktionsmustern stärkt die Fähigkeit, auch in herausfordernden Situationen souverän, reflektiert und demokratisch zu agieren.

Musterablauf

  • Willkommen & Einstieg (40 Min.)
  • Impuls: Landkarte der Störstrategien und Störtypen (35 Min.)
  • Kleine Pause (10 Min.)
  • Eigene Haltung reflektieren (45 Min.)
  • Übung 1: Gish-Galopp zerlegen (60 Min.)
  • Mittagspause (45 Min)
  • Übung 2: Ad hominem: handlungsfähig bleiben! (60 Min.)
  • Übung 3: “Fear itself”: Fearmongering überwinden & Kollegiale Beratung (60 Min.)
  • Kleine Pause (15 Min.)
  • Action-Plan & Evaluation (60 Min.)
  • Abschluss & Verabschiedung (15 Min.)
Gish-Galopp und andere Herausforderungen

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