
Haltung zeigen gegen Antifeminismus
Methoden für politische Bildner*innen und pädagogische Fachkräfte
Wie können wir antifeministischen Äußerungen entgegentreten? Wann lohnt es sich, zu diskutieren, wann ist es wirksamer, eine klare Grenze zu ziehen? Und wie kann ich Solidarität mit Betroffenen zeigen? Der vierstündige Workshop bietet die Möglichkeit, die eigene Haltung zu stärken und Strategien im Umgang mit antifeministischen Äußerungen zu entwickeln. Er ist Teil des Methodenhandbuchs "Sichtbar und aktiv: Haltung zeigen!" für Multiplikator*innen, Trainer*innen der politischen Bildung und Aktivist*innen.
Autor*innen
Wiebke Eltze & Lisa Gutsche, Netzwerk Gegenargument
Benötigte Zeit
ca. 4 Stunden
Gruppengröße
ab ca. 12 Personen
Benötigte Materialien
s. einzelne Methoden

Die hier vorgestellten Methoden sind Teil des Methodenhandbuchs "Sichtbar und aktiv: Haltung zeigen! Argumentieren gegen antifeministische Äußerungen", herausgegeben vom Netzwerk Gegenargument und der Heinrich Böll-Stiftung.
Das Handbuch führt Hintergrundwissen zum Thema Antifeminismus auf und zeigt Möglichkeiten, wie das Thema „Auseinandersetzung mit Antifeminismus“ methodisch aufbereitet werden kann. Es richtet sich an Multiplikator*innen, Trainer*innen der politischen Bildung, Aktivist*innen und alle anderen, die Menschen darin stärken möchten, in ihrer Auseinandersetzung mit antifeministischen Aussagen eine eigene Haltung zu entwickeln und diese nach außen zu tragen.
Hier gehts zum Download.
Lernziele
- TN* reflektieren unterschiedliche Handlungsoptionen im Umgang mit antifeministischen Äußerungen und erproben diese
- TN* reflektieren ihr eigenes Auftreten und Redeverhalten und erkennen ihre eigene Haltung als wichtige Ressource
- TN* reflektieren gemeinsam den Umgang mit schwierigen Situationen; sie schätzen ihre eigene Rolle und Verantwortlichkeit in Situationen ein (Selbstreflexion und Selbstschutz)
- TN* entwickeln gemeinsame Perspektiven mit anderen TN*
Lerninhalte
- Antifeministische Diskurs-Strategien und Argumentationsmuster
- Strategien im Umgang mit antifeministischen Äußerungen: Gesprächsstrategien in Diskussionen, Positionierung, Solidarität mit Betroffene, Grenzziehung
- eigene Haltung als Ressource
- Umgang mit schwierigen Situationen
- Selbstreflexion und Selbstschutz
1. Einstieg
(ca. 15 min.)
- Begrüßung, Vorstellung des Teams
- Vorstellung des Ablaufs
- Seminarvereinbarungen und gemeinsamer Umgang, Informationen zur Dokumentation
- kurze Vorstellungsrunde
(Im Methodenhandbuch finden sich ausführliche Hinweise zur Gestaltung des Seminareinstiegs)
2. Kugellager
(ca. 30 min.)
Lernziele
- TN* erproben Möglichkeiten im Umgang mit der Überwindung von „Schrecksekunden“.
- TN* reflektieren die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten unter Zeitdruck.
- TN* erleben die Herausforderung, rechte Aussagen zu vertreten und auf diese zu reagieren.
Material
- A4-Blätter mit antifeministischen Aussagen (Beispiele siehe Anlage 4.1 des Methodenhandbuchs)
Achtung: nicht zu viele Aussagen auf einen Zettel!
- Stoppuhr, ggf. Gong/ Klingel
- vorbereitete Flipchart für die Auswertung
Inhalt und Ablauf
Ziel dieser Übung ist eine Entlastung und Stärkung der Teilnehmenden durch die Reflexion der strukturellen Herausforderungen im Umgang mit diskriminierenden Aussagen. Die Trainer*innen kommunizieren zunächst das Ziel der Übung (ein erstes Ausprobieren, um die Schrecksekunde zu überwinden und zu reagieren) sowie den Hinweis auf die Freiwilligkeit der Teilnahme an diesem Rollenspiel.
Die TN* stehen sich paarweise in zwei Kreisen gegenüber (Außen- und Innenkreis) – die Aufstellung erfordert eine präzise und klein-schrittige Anleitung! Im Idealfall führen die Trainer*innen vor, was damit gemeint ist. (Einführung ca. 5 min.)
Der Außenkreis bekommt ein Blatt mit antifeministischen Aussagen und Zeit zum Lesen, wählt eine Aussage vom Blatt aus, die dann für eine Minute im Gespräch mit dem Gegenüber vertreten werden soll. Das Gegenüber versucht auf die antifeministische Äußerung zu reagieren. Wichtig ist hierbei, dass alle eine Minute lang in ihrer Rolle bleiben. Jede Person hat ein Gegenüber - bei ungerader Anzahl an TN* sollte ein*e Trainer*in die Rolle übernehmen. Die Moderation stoppt die Zeit mit Hilfe einer Stoppuhr. Nach einer Minute erfolgt das „Stopp“ durch die Moderation. Die TN* im Außenkreis gehen eine Person weiter (einen Schritt nach rechts oder links). Der Innenkreis bekommt das Blatt, wählt spontan eine Aussage aus und „wirft“ dem Außenkreis diese Aussage an den Kopf, nach einer Minute erfolgt wieder das „Stopp“ durch die Moderation.
Insgesamt werden vier Durchläufe durchgeführt, so dass alle TN* zweimal in der Position sind, eine antifeministische Aussage zu vertreten und zweimal darauf zu reagieren. (Durchläufe ca. 5 min.)
Auswertung im Plenum:
Ein*e Trainer*in moderiert die Auswertung im Plenum (ca. 20 min.) mit beispielsweise folgenden Fragen:
- Wie war es, eine antifeministische Aussage zu vertreten?
- Wie war es, darauf zu antworten/reagieren?
Oder:
- Was hat geholfen, die Schrecksekunde zu überwinden? Was war schwierig?
- Was habt ihr ausprobiert und wahrgenommen?
Der*Die zweite Trainer*in schreibt währenddessen stichpunktartig die Antworten der Teilnehmenden auf einer Flipchart für die spätere Dokumentation mit.
Die Auswertung kann darauf abzielen, die besonderen Herausforderungen herauszuarbeiten, die mit dem Reagieren auf antifeministische Aussagen verbunden sind: während pauschalisierende Aussagen vermeintlich einfache Lösungen versprechen oder behaupten, die „Wahrheit“ zu kennen und diese mutig zu vertreten, haben wir häufig den Anspruch, differenzierend und wertschätzend darauf einzugehen. Das bedeutet, es ist kein Zeichen persönlichen Versagens oder eigener Unzulänglichkeit, wenn wir eine Schrecksekunde erleben, sondern Ausdruck einer sehr ungleichen Ausgangsposition. Wenn sich das Trainer*innenteam dafür entscheidet, den Fokus auf das Überwinden der Schrecksekunde zu legen, geht es in der Auswertung nur um die Position, in welcher auf antifeministische Aussagen reagiert wurde, nicht um die Rolle der Antifeminist*innen.
Didaktische Hinweise
- Diese Methode eignet sich sehr gut als Einstieg und ermöglicht einen Abbau der Hemmschwelle gegenüber Rollenspielen. Es geht vor allem um den Einstieg ins Thema und nicht um Diskussionen, welche Strategie sinnvoll ist.
Beachten:
- Die Kürze der einzelnen Durchläufe (eine Minute) lässt komplexere Gesprächsstrategien nicht zu. Die Situation, in der die Aussage fällt, und die Beziehung der beiden Sprechenden zueinander sind nicht bekannt. Hier ist es wichtig, auf das Ziel der Übung zu verweisen: schematisch die Wirkung von Aussagen zu erfassen.
- Von Antifeminismus betroffenen Personen fällt es manchmal nicht leicht, die antifeministische Rolle einzunehmen. Dies sollte ggf. thematisiert und anerkannt werdeen.
- Die Übung kann recht laut werden, daher die TN* zu Beginn möglichst weit nach außen treten lassen. In der Auswertung kann auch thematisiert werden, dass die Lautstärke zusätzlichen „Stress“ in die Situation bringt.
3. Kurzinput: Definition und antifeministische Argumentationsmuster
(ca. 20 min.)
Inhaltliche Hinweise zu den Inputs finden sich im Methodenhandbuch, S. 17 ff.
4. Positionsviereck
(ca. 30-40 min.)
Hinweis: Das Positionsviereck wurde von Gegenargument in Weiterentwicklung einer Methode der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (mbr) entwickelt
Lernziele
-TN* können ihr Handeln in unterschiedlichen Situationen zielorientiert begründen (Situationsanalyse und Selbstverortung)
- TN* schätzen ihre eigene Rolle und Verantwortlichkeit in Situationen ein (Selbstreflexion und Selbstschutz)
- TN* reflektieren unterschiedliche Handlungsoptionen
Material
- vorbereitete Positionskarten:
a) Ich will diskutieren
b) Ich will mich gegen die Aussage positionieren
c) Ich will Solidarität mit den Betroffenen aufzeigen
d) Ich will etwas anderes tun
- vorbereitete Situationsbeschreibungen (siehe Anlage 4.2 des Methodenhandbuchs)
- ausreichend großer Raum, um unterschiedliche Positionen räumlich zu trennen
Inhalt und Ablauf
Begonnen wird mit einer Einführung und Erläuterung: In der folgenden Übung geht es darum, die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu reflektieren und sich diese bewusst zu machen. Hierbei kann der Hinweis erfolgen, dass es kein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, sondern jeweils individuell unterschiedliche Gründe, um so oder auch anderes zu handeln.
Die Karten „Ich will diskutieren“, „Ich will mich gegen die Aussage positionieren“, „Ich will Solidarität mit den Betroffenen aufzeigen“, „Ich will etwas anderes tun“ werden an vier Stellen im Raum ausgelegt. Eine vorbereitete exemplarische Situation wird vorgelesen und die TN* werden gebeten, sich zu der Option zu stellen, die beschreibt, wie sie gern reagieren würden. Es erfolgt von Seiten der Trainer*innen keine Einordnung der Aussage, sondern die Teilnehmenden entscheiden individuell, wie diese auf sie wirkt.
Die Trainer*innen fragen nun einzelne Personen an den jeweiligen Positionen, warum sie dort stehen.
Je nach Position könnten die Nachfragen lauten:
- „Mit welchem Ziel würdest du diskutieren?“
- „Warum würdest du nicht diskutieren, sondern dich positionieren wollen?“
- „Wie könnte eine Positionierung aussehen?“
- „Wie kann deiner Meinung nach Solidarität mit Betroffenen thematisiert bzw. aufgezeigt werden?“
- „Was würdest du anderes tun?“
Hierbei sollte in der Reflexion die Breite der unterschiedlichen Möglichkeiten hervorgehoben und auch Diskussionen zwischen den TN* zugelassen werden. Es geht darum, dass jede Situation und jede Person anders ist und so auch unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten möglich sind.
Im Anschluss daran kann eine weitere Situation vorgelesen werden (bis zu drei Situationen insgesamt, je Situation ca. 10 Minuten Zeit einplanen).
Auswertung im Plenum
In einer anschließenden Gesamtauswertung werden als Entscheidungshilfen Empfehlungen in die Gruppe gegeben (siehe nachfolgender Absatz). Diese können vom Team vorher visualisiert werden, z.B. auf Flipcharts oder auf einer Pinnwand.
Infos der Trainer*innen zu den Entscheidungshilfen:
Ehe ich mich fürs Diskutieren entscheide, ist es sinnvoll, sich zu vergewissern, ob mein Gegenüber gesprächsbereit ist, ob überhaupt Zeit für eine Diskussion vorhanden ist und ob ich selbst das Wissen habe und mich mit dem Thema auskenne. Auch kann es für eine Diskussion förderlich sein, wenn ein interessiertes Publikum anwesend ist.
„Nicht diskutieren“ kann der angemessene Weg sein, wenn mein Gegenüber ein*e überzeugte*r Rechtsextremist*in ist oder wenn ich durch das Einlassen auf die Diskussion eigene Inhalte aus dem Blick verlieren würde. Ein wichtiger Aspekt, sich nicht auf eine Diskussion einzulassen, ist Selbstschutz.
Beim „Positionieren“ kann die Motivation sein, (weitere) Diskriminierung zu unterbinden und (extrem) rechte Positionen nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Oder es wird eine Betroffenen-zentrierte Perspektive - eingenommen und diesen gegenüber Solidarität gezeigt, um sie in der Situation zu unterstützen. Außerdem ist es sinnvoll, über eine Positionierung die Kontrolle über die Situation bzw. das Gespräch zu behalten oder diese wieder herzustellen.
Alternativ können bei der Gesamtauswertung auch Hinweise der TN* auf Zuruf gesammelt werden, die von den Trainer*innen zusammengefasst und visualisiert werden.
Schlussfazit: Jede Situation und jede Person ist unterschiedlich. Wichtig ist jedoch, sich der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten bewusst zu sein.
Didaktischer Hinweis
Diese Übung dient dazu, über das eigene Handeln in bestimmten Situationen nachzudenken und Handlungsoptionen zu reflektieren. Hauptziel der Übung ist die Stärkung der eigenen Handlungssicherheit und Zielreflektion und nicht eine inhaltliche Vermittlung. Das Positionsviereck ist gut geeignet, um einen ersten Eindruck der eigenen Handlungsmöglichkeiten jenseits von Gesprächsstrategien zu gewinnen und um die eigene Haltung zu reflektieren. Benötigt werden ein Raum, der ausreichend groß ist, sowie genug Zeit, um die Positionen angemessen auszuwerten. Es können auch Beispiele der TN* eingesetzt werden, wenn sie hinreichend mehrere Reaktionsmöglichkeiten (Diskutieren, Positionieren, Solidarität zeigen, andere Optionen) wahrscheinlich machen.
Beispiel
Diese Übung wird mit einer Gruppe von zwölf Sozialarbeiter*innen in einem Jugendclub durchgeführt. Die Trainer*innen lesen folgende Beispielsituation vor: „Ihr habt gemeinsam mit euren Jugendlichen Videos zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt gedreht. Bei der Premiere der Videos, bei der auch Freund*innen und Eltern der Jugendlichen anwesend sind, steht ein Vater auf und sagt „Das ist doch totale Homopropaganda! Schwul sein ist nichts Gutes, sondern krank!“ Wie reagiert ihr?“
Drei der Teilnehmenden gehen zu „Ich will diskutieren“, drei Teilnehmenden zu „Ich möchte mich gegen die Aussage positionieren“, eine Teilnehmende steht bei „Ich will etwas anderes tun“ und vier Teilnehmenden stehen bei „Ich will Solidarität mit den Betroffenen aufzeigen“. In der Auswertungsrunde geben TN* an, dass sie diskutieren wollen, weil diese Person mutmaßlich nicht oft eine Gegenposition hört und weil andere anwesend sind, die durch eine Diskussion gestärkt werden können. Die TN, die sich gegen die Aussage positionieren möchten, antworten auf die Frage, wie sie dies tun würden, mit Beispielaussagen, z.B. „Wenn Sie wirklich so denken, sollten Sie gehen.“ Die TN*, die Solidarität mit den Betroffenen aufzeigen, sagen, dass sie klar und deutlich aufzeigen würden, dass der Jugendclub ein offener Raum ohne Diskriminierung ist und sich hier alle wohl fühlen sollen. Die Person die bei „Ich will etwas anderes tun“ steht, würde auf die Hausordnung verweisen und die Person bitten, zu gehen. Die Trainer*innen achten in der Auswertung darauf, dass die Vielfalt der unterschiedlichen Beweggründe in der Diskussion dargestellt wird, bewerten aber die jeweiligen Positionen nicht.
Pause (ca. 15 min.)
5. Input zu eigenen Gesprächsstrategien
(ca. 30 min.)
Inhaltliche Hinweise zu den Inputs finden sich im Methodenhandbuch, S. 17 ff.
6. Sprung ins kalte Wasser
(ca. 45-60 min.)
Lernziele
- TN* erproben Gesprächsstrategien in Diskussionen
- TN* reflektieren gemeinsam (den Umgang mit) schwierige(n) Situationen
- TN* reflektieren ihr eigenes Auftreten und Redeverhalten
Material
- Zettel mit Situationen und Aussagen (siehe Methodenhandbuch Anlage 4.2)
- Platz für Kleingruppen (Talkrunden)
Inhalt und Ablauf
Diese Übung dient dazu, die Teilnehmenden in ihrer Handlungsfähigkeit in Diskussionen zu stärken und sich selbst als reaktionsfähig zu erleben. Der Austausch mit anderen und das wertschätzende Feedback der Beobachtenden helfen dabei, das eigene Gesprächsverhalten zu reflektieren und dadurch künftig besser auf Herausforderungen vorbereitet zu sein.
Es werden Gruppen zu 3-4 Personen gebildet und der Arbeitsauftrag durch die Trainer*innen vorgestellt. Die TN* erhalten pro Gruppe vorbereite Beispiel-Situationen (oder wählen aus der Erfahrungsabfrage zu Beginn des Seminars eigene Beispiele zur Bearbeitung, wenn diese durch den*die Fallgeber*in freigegeben worden sind).
Die Kleingruppen erhalten zwei Minuten Zeit, die Situation bzw. das Beispiel auszuwählen und die Rolle zu verteilen. Dabei nimmt eine Person die antifeministische Rolle ein, eine Person argumentiert dagegen und ein bis zwei Personen beobachten und machen sich Notizen. Die Beobachtenden achten auf Argumente, angewandte Gesprächsstrategien, Körpersprache, Mimik und Emotionen. Die Person, die dagegen argumentiert, darf die Aussage auswählen und das Setting sowie das Verhältnis zwischen sich und der antifeministischen Rolle (bekannt/befreundet oder unbekannt) bestimmen.
Danach erproben die Kleingruppen jeweils in drei- bis vierminütigen Rollenspielen mögliche eigene Gesprächsstrategien, während eine Person die antifeministische Position einnimmt. Es ist sinnvoll, den TN* vorher zu sagen, dass die antifeministische Person nicht eine unerbittliche, extrem rechte Position spielen soll, da sonst keine Diskussion sinnvoll und möglich ist. Die Beobachtenden machen sich während des Rollenspiels Notizen. In der Kleingruppenauswertung wird die Situation gemeinsam analysiert und darauf eingegangen, wie sich die TN* in ihren Rollen gefühlt haben, wobei der Schwerpunkt bei der Person liegt, die dagegen argumentiert hat.
Danach erfolgt ein erneuter Durchgang. Insgesamt werden drei Durchgänge durchgeführt, so dass optimalerweise alle TN* einmal in jeder Rolle waren – bei 4er-Gruppen entweder vierten Durchgang einplanen oder sagen, dass nicht jede alle Rollen durchlaufen kann (Durchführung ca. 20-30 min.)
Auswertung im Plenum
Anschließend erfolgt die gemeinsame Auswertung im Plenum (auf Flipchart oder Pinnwand festhalten) (ca. 30 min.)
- Was war leicht?
- Was ist schwer gefallen?
- Was war hilfreich für die Argumentation aus der demokratischen / nicht-antifeministischen Perspektive?
- Was war eher schwierig?
Didaktischer Hinweis
Die Übung erfordert ein Einlassen auf ein Rollenspiel; wird häufig als sehr stärkend und auflockernd empfunden, etwas in der Kleingruppe auszuprobieren; kleine AG-Räume oder ausreichend weit voneinander entfernte Ecken sind notwendig, da sich sonst die Kleingruppen schnell gegenseitig stören.
Als abschließende Übung bieten sich - je nach Wunsch der Gruppe - zwei verschiedene Methoden an: "Aufstehen und sich Positionieren" oder "Still lovin' feminism"
7. Aufstehen und sich Positionieren
(ca. 45 min.)
Erprobung der Grenzziehung in Gesprächen
Lernziele
- TN* kennen Möglichkeiten der Grenzziehung und erproben diese
- TN* entwickeln eigene Aussagen als Reaktion auf Antifeminismus
- TN* differenzieren die Wirkung unterschiedlicher Gegenpositionen
Material
- Beispielaussagen siehe Anlage 4.3 Methodenhandbuch
- vorbereitete Flipchart mit Arbeitsaufträgen, unterschiedlich farbige Metaplankarten pro Gruppe
Inhalt und Ablauf
Durch die Trainer*innen werden zwei der eingangs gesammelten antifeministischen Situationen mit Aussagen ausgewählt, oder es werden zwei mitgebrachte Aussagen vorgestellt. Hier ist darauf zu achten, dass diese Aussagen i.d.R. eher eine Positionierung oder eine Grenzziehung nach sich ziehen und eine Diskussion nicht sinnvoll erscheint. Die TN*, die in der Erfahrungshebung Beispiele geteilt haben, werden zuvor gefragt, ob es für sie in Ordnung ist, wenn diese für die folgende Übung genutzt werden.
Der auf einer Flipchart vorbereitete Arbeitsauftrag wird vorgestellt: Die TN* erhalten in Kleingruppen ca. sieben Minuten Zeit, sich auf ein Statement zu verständigen, mit dem sie kurz und prägnant (!) auf die antifeministische Aussage erwidern. Das Statement lädt nicht zur weiteren Diskussion ein, sondern zieht eine klare Grenze. Die Form der Aussage ist den Gruppen überlassen. Alle Gruppen erarbeiten hierbei auf dieselbe antifeministische Aussage ihre jeweilige Antwort.
Die TN* werden in Kleingruppen von 2-3 Personen aufgeteilt und erhalten pro Gruppe verschiedenfarbige Metaplankarten, auf denen sie ihr Statement aufschreiben können. Dabei erhält jede Gruppe nur eine Karte, um das Statement auch wirklich kurz zu halten (maximal drei Zeilen, wenn möglich nicht mehr als sieben Worte). Die festgehaltenen Stichworte dienen der späteren Dokumentation; die unterschiedlichen Farben der Zuteilung der Gruppen für das gegenseitige Feedback.
Nach der Vorbereitungszeit finden sich die TN* wieder zusammen und die*der moderierende Trainer*in erläutert das Feedbacksystem, welches anhand der farbigen Metaplankarten vorgenommen wird und auf einer Flipchart visualisiert wird. Bei vier Gruppen gibt es zum Beispiel die Farben Gelb, Rot, Weiß und Grün.
Gruppe Gelb gibt Feedback an Gruppe Rot, Gruppe Rot gibt Feedback an Gruppe Weiß, Gruppe Weiß gibt Feedback an Gruppe Grün, Gruppe Grün gibt Feedback an Gruppe Gelb etc.
Dann wird die Situation mehrmals hintereinander im Plenum nachgestellt: Ein*e Trainer*in wiederholt die antifeministische Aussage und aus jeder Gruppe wird die jeweilige Erwiderung von einer Person laut und deutlich vorgetragen. Dieser Part kann spielerisch in Form kleiner Theaterszenen durchgeführt werden, oder aber einfach als Rede und Gegenrede. Jeder Durchlauf wird durch die moderierende Trainer*in mit einem klaren Startsignal wie „Action“ begonnen und das Ende durch gemeinsames Klatschen der gesamten Gruppe markiert.
Nach allen Durchläufen geben sich die Gruppen nun gegenseitig nach dem oben beschriebenen Farbschema wertschätzendes Feedback. D.h. eine Gruppe sagt der anderen, wie das Statement auf sie gewirkt hat, bis alle Gruppen Feedback erhalten und gegeben haben. Die Karten, auf denen die Statements aufgeschrieben wurden, können für Dokumentationszwecke zusammen mit der antifeministischen Aussage abfotografiert werden. Danach findet ein zweiter Durchlauf mit einem anderen Beispiel der TN* statt.
Didaktischer Hinweis
Für diese Übung lohnt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen. In der Regel ist die erste Runde noch etwas holprig und die Aussagen zu lang, in der zweiten Runde werden diese meist griffiger und der Übungseffekt für die Teilnehmenden steigt. Diese Übung erfordert von den Teilnehmenden Wissen um die Notwendigkeit von Grenzziehungen. Sie sollte deshalb nicht vor dem Positionsviereck durchgeführt werden.
Wichtig ist hier eine gute Anleitung und ein genaues Zeitmanagement durch die Trainer*innen, da die TN* sich sonst in Kleingruppendiskussionen verlieren. Eventuell herausheben, dass wertschätzendes Feedback gefragt ist. Mögliche Risiken, die in den einzelnen Reaktionen liegen, können in der Auswertung durch die Moderation benannt bzw. zusammengefasst werden (z.B. „Diese Aussage lädt dazu ein, weiter zu diskutieren.“).
8. Still lovin' feminism
(20 min.)
Stärkung der eigenen Haltung mit Fokus auf die Rolle als Sozialarbeiter*innen / pädagogische Fachkräfte
Lernziele
- TN* reflektieren ihre eigene Haltung, erkennen diese als wichtige Ressource in schwierigen Situationen und tragen diese selbstbewusst nach außen
- TN* entwickeln gemeinsame Perspektive mit anderen TN*
Material
- vorbereitete Flipchart mit Arbeitsauftrag, farbige Metaplankarten, Stifte,
- Moderationswand zum Sammeln
Inhalt und Ablauf
In dieser Methode geht es um die Reflexion der eigenen Haltung und um die Wichtigkeit feministischer Errungenschaften im Leben der Teilnehmenden. Eine Variation wäre, diese Übung als „Klammer“ für ein Tagesseminar zu greifen, d.h. Teilnehmenden reflektieren zu Beginn des Seminars z.B. in Murmelrunden, was Feminismus für sie ist und was daran wichtig ist, und notieren sich dazu Stichpunkte. Diese fließen in die Reflexion am Ende des Seminars mit ein.
Die Moderation stellt den Arbeitsauftrag vor: „Der Fokus lag bisher darauf, wie und in welcher Weise auf antifeministische und rechte Positionen reagiert werden kann. In dieser Übung möchten wir uns zum Abschluss genauer mit uns selbst auseinandersetzen und das, was wir bisher unter dem Begriff Haltung besprochen haben, konkretisieren. Wofür steht ihr ein? Worauf bezieht ihr euch? Warum ist euch das Einstehen für Feminismus, Geschlechterdemokratie und sexuelle/geschlechtliche Vielfalt wichtig? Ihr habt nun 15 Minuten Zeit, euch zu zweit darüber auszutauschen und eure eigene Haltung aufs Papier zu bringen. Dies kann in Form einer kurzen Aussage sein, aber auch als Demo-Plakat, Zeichnung oder Comic. Eurer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt - außer der Zeit.“
Die Teilnehmenden erhalten Material und finden sich in Murmelgruppen zusammen, um ihre eigene Haltung zu reflektieren und ihre Position zu artikulieren.
Nach Ablauf der 15 Minuten werden die Metaplankarten an der Moderationswand gesammelt. Die Teilnehmenden erhalten 5 Minuten Zeit, sich alle Ergebnisse anzusehen.
Wichtig ist eine empowernde und bekräftigende Schlussmoderation als Überleitung zum Feedback.
Didaktischer Hinweis
Diese Übung kann auch an den Anfang des Seminars gestellt werden. Wird sie jedoch als letztes Modul durchgeführt, so bietet sie nach den vorangegangenen Übungen eine Schärfung der eigenen Haltung und so eine Ausdrucksform für die eigene Reflexion über die Inhalte des Tages.


