
Wann wird Klassismus sichtbar?
Ein Kartenset zur Auseinandersetzung mit Klassismus
Klassismus beschreibt die Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit. Er richtet sich gegen armutsbetroffene Menschen und wird als Diskriminierungsform oft übersehen. Deshalb ist es sinnvoll, ihn im Rahmen politischer Bildung zu thematisieren. Das Kartenset ist ein hilfreiches Instrument, um über Klassismus ins Gespräch zu kommen. Die Gesprächskarten unterstützen dabei, die eigene Positionierung im Kontext Klassismus zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven auszutauschen, Gemeinsamkeiten und Differenzen sichtbar zu machen. Einsetzbar in der politischen Bildung, der Sozialen Arbeit, im Studium, oder in Fort- und Weiterbildungen.
Autor*innen
Francis Seeck & John-Dewey-Forschungsstelle für Didaktik der Demokratie
Klassismus: Was war das nochmal?
Arme Menschen, so das Vorurteil, seien faul, kriminell, dumm und an ihrer Armut selbst schuld. Klassismus dient der Abwertung, Ausgrenzung und Ausbeutung von Menschen. Er hat Auswirkungen auf die Lebenserwartung und begrenzt den Zugang zu Wohnraum, Bildungsabschlüssen, Gesundheitsversorgung, Macht, Netzwerken, Teilhabe, Anerkennung und Geld. Klassismus beschreibt also die Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit und richtet sich gegen armutsbetroffene Menschen, zum Beispiel gegen einkommensarme, erwerbslose und wohnungslose Menschen oder Arbeiter:innenkinder.
Klassismus ist kein einfaches Thema. Auch weil er eine noch häufig übersehene Diskriminierungsform ist, kann es sinnvoll sein, Klassismus im Rahmen politischer Bildung zu thematisieren. Dafür wurde dieses Kartenset konzipiert. Wie genau es eingesetzt wird, hängt von den Zielstellungen ab, also was erreicht und woran mit den Teilnehmenden gearbeitet werden soll. Die Gesprächskarten können helfen zu erkennen, wie sich die Teilnehmenden im Kontext Klassismus verorten und dazu anregen, eigene Privilegien oder Betroffenheit von Klassismus zu erkennen und zu reflektieren. Dabei sollen sie Menschen mit verschiedenen Perspektiven die Möglichkeit zum Austausch bieten, nach gemeinsamen wie auch unterschiedlichen Erfahrungen zu fragen und so den Blick für alle öffnen.
Das Kartenset wurde entwickelt von Francis Seeck und der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie.
Weitere Infos zum Kartenset mit Download
Hinweise für die Arbeit mit dem Kartenset
Das Kartenset lebt davon, dass Menschen sich auf die Fragen einlassen. Daher sollten die Teilnehmenden vor Beginn dafür sensibilisiert werden, dass einige Karten Fragen enthalten, die manche Menschen retraumatisieren können. Machen Sie darauf aufmerksam, dass die Teilnehmenden „gefährliche“ Karten jederzeit beiseitelegen können. Niemand sollte gezwungen werden, sich zu äußern, und alle Menschen können das Spiel jederzeit zu ihren individuellen Bedingungen verlassen.
Das Set kann in verschiedenen Zielgruppen im Kontext der politischen Bildungsarbeit eingesetzt werden. Die Fragen sind unterschiedlich voraussetzungsreich. Schauen Sie sich die Karten vor dem Einsatz also gern in Ruhe an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche sich für Ihre Teilnehmenden und Ziele besonders eignen. Fragen Sie sich auch, wo begrifflicher Klärungsbedarf entstehen kann.
Spielvariante Fragenkarussel
Die Teilnehmenden bilden einen Innen- und einen Außenkreis, sodass sich immer zwei Menschen anschauen. Die Personen im Außenkreis ziehen eine Frage und stellen sie ihrem Gegenüber im Innenkreis. Dass Gegenüber hat eine Minute Zeit zum Antworten. Auf ein kurzes Signal rutscht der Außenkreis weiter, die Teilnehmenden im Außenkreis stellen "ihre" Frage nun einer neuen Person. Dies wird einige Male wiederholt, bevor die Rollen wechseln und der Innenkreis die Fragen stellt.
Zusatz: Lassen Sie die Fragesteller:innen die gehörten Antworten kurz notieren, um im Anschluss eine kleine Auswertungsrunde anleiten zu können.
Spielvariante Assoziationskreis
Die Teilnehmenden stellen sich in 6-8er-Gruppen im Kreis auf. In der Mitte liegen einige Karten. Eine Person liest die erste Karte vor und sagt das erste Wort, das ihr dazu in den Sinn kommt. Die Personen neben ihr nennen dann reihum ein weiteres Wort, das ihnen in den Sinn kommt. Dies kann einige Runden wiederholt werden. Ein kurzer Austausch in der Gruppe ist vor Aufdecken der nächsten Karte möglich.
Spielvariante Blind Audition
Jede Person wählt eine Karte und beantwortet diese verdeckt auf einem Zettel. Alle Antworten werden gesammelt und in einem ersten Schritt den Fragen zugeordnet. Danach kommt die Gruppe in den Austausch über den Zuordnungsprozess und die Antworten - ohne Zwang, sichtbar zu machen, welche Antwort selbst formuliert wurde.
Spielvariante Speeddating
Jede Person zieht eine Karte. Anschließend werden die Teilnehmenden aufgefordert, frei im Raum herumzulaufen. Auf ein Signal (es könnte auch Musik sein) finden sich immer zwei Personen zusammen. Die Teilnehmenden stellen sich gegenseitig ihre Fragen und bekommen zwei Minuten Zeit sich auszutauschen und Rückfragen zu stellen. Auf ein erneutes Signal geht die Gruppe wieder in den Raumlauf und wiederholt diesen Ablauf.
Zukunftswerkstatt
Einzelne Fragen können in Zukunfts- oder Szenariowerkstätten vertieft werden. Die Teilnehmenden identifizieren relevante Aspekte und Probleme, die für sie hinter den Fragen liegen und erarbeiten Lösungsansätze.
Einzelreflektion
Auch für Einzelpersonen kann es als Anregung dienen, sich mit Fragen zu beschäftigen, die im Alltag oft unsichtbar sind.
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