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Rote Metallbrücke
Material

News literacy und Fact-Checking

Korrekte Informationen identifizieren, Vorurteile hinterfragen, Vertrauen aufbauen

Diese Methode lädt junge Menschen dazu ein, zu erkunden, wie Nachrichten und Informationen ihre Ansichten und ihre Teilhabe an der Gesellschaft prägen. Sie lernen, Medien zu analysieren, Fakten zu überprüfen und ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren. Die Methode ist Teil des deutsch-türkischen Methodenkompendiums Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange

Zum Download1 Datei | Lizenz: CC BY SA

Zeit

Zielgruppe

ab 16 Jahren

Gruppengröße

9-20 Personen

Material

Laptop für Präsentation, Papier, Haftnotizen, Stifte, Whiteboard/Flipchart

Überblick

Diese Methode lädt junge Menschen dazu ein, zu erkunden, wie Nachrichten und Informationen ihre Ansichten und ihre Teilhabe an der Gesellschaft prägen. Durch praktische Aktivitäten lernen sie, Medien zu analysieren, Fakten zu überprüfen und ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren. In Zeiten der Polarisierung, Krisen und Überlastung durch soziale Medien sind solche Fähigkeiten unerlässlich, um Manipulationen zu widerstehen und das demokratische Engagement zu stärken. Indem sie Vorurteile erkennen und verstehen, wie sich Desinformation verbreitet, gewinnen die Teilnehmenden Selbstvertrauen, um verantwortungsbewusst zu handeln und kritisch zu denken. Im Rahmen deutsch-türkischer Jugendaustausche wird dieser Ansatz zu einer Brücke: Er hilft den Teilnehmenden, sich gemeinsamen demokratischen Herausforderungen zu stellen, gegenseitiges Verständnis aufzubauen und einen inklusiven Dialog zwischen den Kulturen zu fördern – und macht Medienkompetenz zu einer gemeinsamen Grundlage für aktives bürgerschaftliches Engagement.

Die Methode wurde für deutsch-türkische junge Medienmacher*innen konzipiert und im Rahmen des deutsch-türkischen Method.Labs vorgestellt und weiterentwickelt. Sie kann auf andere Kontexte adaptiert werden. Zu beachten ist, dass je nach Vorkenntnissen gegebenenfalls niedrigschwelligere Beispiele und Ansätze gewählt werden sollten (siehe dazu Hinweise).'
 

* Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*

Lernziele

Teilnehmende lernen

  • verantwortungsvollen Medienkonsum und Content-Erstellung
  • Nachrichten kritisch zu analysieren
  • die Wirkung von Sprache in Nachrichten verstehen
  • Fact-Checking-Tools kennenzulernen und zu nutzen
  • die Fähigkeit zu entwickeln, zwischen zuverlässigen und irreführenden Informationen zu unterscheiden

Die Teilnehmenden entwickeln ein Bewusstsein dafür,

  • wie Schlagzeilen und die Gestaltung von Nachrichten die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen 
  • wie man voreingenommene oder manipulierte Inhalte erkennen kann
  • wie Informationen mit digitalen Fact-Checking-Tools überprüft werden 

Lerninhalte
 

  • Umgang mit Informationen, die in verschiedenen Nachrichten/Quellen veröffentlicht werden
  • Bewusstsein entwickeln für die Rolle von Sprache um Meinungen zu beeinflussen
  • Faktenprüfung und kritisches Denken in Bezug auf Informationen

Durchführung und Hinweise

Ablauf

Benötigte Zeit: 1,5 h

Die Dauer der Methode kann je nach Gruppendynamik variieren. Die Teilnehmenden werden zunächst in drei Gruppen aufgeteilt.

Start:

Fragen wie „Wie beeinflussen Fake News und die Sprache der Nachrichten die öffentliche Wahrnehmung? Ist Faktenprüfung eine Notwendigkeit? Was denkt ihr darüber?“ können verwendet werden, um das vorhandene Wissen der Teilnehmenden zum Thema einzuschätzen. Nach der Einführung der Methode sollten die Antworten der Teilnehmenden notiert und für eine spätere Bewertung beiseitegelegt werden ( ). Das Aufschreiben dieser Notizen auf einer Tafel oder einem ähnlichen sichtbaren Material hilft bei der Diskussion darüber, was sie gelernt haben und wie sie ihr Vorwissen nutzen können.

 

Workshop Teil 1

Schritt 1: Schlagzeilen vergleichen (15 min)

15-minütige Aktivität zum Thema „Vergleicht die Schlagzeilen“.  Ziel ist es, echte News-Schlagzeilen türkischer Quellen zu untersuchen, und zu beobachten, wie Schlagzeilen die Wahrnehmung der Lesenden beeinflussen oder sogar zur Desinformation beitragen können.

 

Schlagzeile 1:

„Erdbeben als Vorwand, Plünderungen als Gelegenheit: Syrer plünderten Häuser und Geschäfte in der Erdbebenzone“

Schlagzeile 2:

„Hilfsgüterlastwagen erreichten die Erdbebenstädte nicht: Die Menschen decken ihren Bedarf aus ihren zerstörten Häusern und Märkten“

Schlagzeile 3:

„Die Polizei schlug zwei syrische Flüchtlinge, die in Elbistan, Kahramanmaraş, Hilfe erhalten wollten.“

Fragen zu den Schlagzeilen (15 Min)

Die Gruppe diskutiert ihre Beobachtungen in einer 10- bis 15-minütigen Plenarsitzung:

  • Welche Worte und Ausdrücke prägen die Wahrnehmung beim Lesen?
  • Welche Überschriften verwenden eher neutrale, welche eher manipulierende Sprache?
  • Welche Schlagzeile stellt geflüchtete Menschen in einem rechtsbasierten Rahmen dar?

Anschließend teilt die Moderation die vollständigen Nachrichtenartikel zu den Schlagzeilen mit.


Schritt 2: Die Information hinter der Schlagzeile (15 Min)

Artikel 1:

„Am 6. Februar um 04:17 Uhr morgens erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 den Bezirk Pazarcık in Kahramanmaraş, gefolgt von einem weiteren Erdbeben der Stärke 7,6 mit Epizentrum in Elbistan um 13:24 Uhr. Die Erdbeben betrafen 10 Provinzen, führten zum Einsturz von mehr als 6.000 Gebäuden und forderten Tausende von Todesopfern. Die Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer und die unter den Trümmern Verschütteten dauern an. Such- und Rettungsteams sowie Freiwillige aus der ganzen Türkei arbeiten unermüdlich daran, Leben zu retten. Unterdessen versuchen Plünderer und Diebe, von denen einige angeblich unter dem Vorwand der Hilfeleistung angereist sind, aus den Trümmern zu stehlen. Ein undokumentierter Migrant, vermutlich aus Syrien, wurde beim Diebstahl aus den Häusern von Erdbebenopfern erwischt. Das Eingreifen des Militärs stieß in der Öffentlichkeit auf Zustimmung.“

Übersetzung, Quelle im Original: https://www.tamgaturk.com/deprem-bolgesinde-yagma-yapan-kacak-gocmen-askerler-tarafindan-yakalandi/58484/ 

Artikel 2:

„Obwohl seit dem Erdbeben vom 6. Februar bereits vier Tage vergangen sind, haben die Hilfsgütertransporte die Region noch nicht erreicht. Unter den Trümmern sind immer noch Schreie zu hören: „Kann mich jemand hören?“ Die Menschen kämpfen gegen die extreme Kälte und versuchen, sich aus den Trümmern ihrer zerstörten Häuser und Geschäfte mit dem Nötigsten zu versorgen.“

Artikel 3:

Flüchtlinge im Bezirk Elbistan in Kahramanmaraş, der von den beiden Erdbeben am 6. Februar betroffen war, wurden von Polizeibeamten geschlagen, während sie in einer Essensschlange warteten.

Den Vorwürfen zufolge haben fünf Polizeibeamte gestern (12. Februar) zwei Flüchtlinge im Alter von 17 und 18 Jahren angegriffen und misshandelt, weil sie sie für Diebe hielten. Nach dem Angriff wurden die Jugendlichen von umstehenden Bürgern ins staatliche Krankenhaus von Elbistan gebracht. Als die Krankenhauspolizei von dem Vorfall erfuhr, verhörte sie die Flüchtlinge.

Es wird weiter behauptet, dass die Krankenhauspolizei die Flüchtlinge während des Verhörs, als diese angaben, von Beamten geschlagen worden zu sein, mit den Worten „Sagt nicht, dass die Polizei euch geschlagen hat, sonst lassen wir euch nicht gehen” bedrohte. Infolgedessen verließen die angegriffenen Flüchtlinge das Krankenhaus, ohne einen medizinischen Bericht über den Angriff (Angriffsbericht) zu erhalten. Einer der Jugendlichen, der derzeit in einem von seiner Familie aus eigenen Mitteln errichteten Zelt Schutz vor dem Erdbeben sucht, hat aufgrund der erlittenen Schläge Schwierigkeiten, sich zu bewegen. Der andere Jugendliche erlitt eine schwere Verletzung am Auge. Die Familien der angegriffenen Flüchtlinge gaben an, dass es bereits vor diesem Vorfall Versuche gegeben habe, syrische Flüchtlinge in der Erdbebenzone anzugreifen, und dass sie ihre Kinder gewarnt hätten, vorsichtig zu sein, wenn sie sie zum Empfang von Hilfsgütern schickten.

Übersetzung, Quelle im Original: https://bianet.org/haber/iddia-polis-elbistan-da-yardim-almaya-giden-iki-suriyeli-multeciyi-darp-etti-274206
 

Fragen zu den Artikeln

  • Welche Aspekte werden in den Nachrichten hervorgehoben?
  • Wie könnte dies die Wahrnehmung der Lesenden gegenüber Geflüchteten beeinflussen?
  • Wie kann eine neutralere und rechtsbasierte Darstellung aussehen?
     

Schritt 3: Die Nachrichten neu verfassen (20 min)

Nach der Diskussion der Fragen und Beispiele bittet die Moderation die Teilnehmenden, in kleinen Gruppen einen Nachrichtenartikel unter Verwendung der vorgegebenen Stichworte zu verfassen.

Die Moderation kann bei Bedarf das Rollenverständnis zur Frage „Was bedeutet „links, Mitte und rechts?“ erläutern.

  • Links: Nachrichten, die unter einer Perspektive der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit basieren
  • Mitte: ein neutraler Nachrichtenbeitrag, der nur berichtet, indem er die die vorgegebene Information aufbereitet
  • Rechts: Nachrichten, die eine gezielte, menschenfeindliche und polarisierende Sprache verwenden

 

Hinweis: Die Teilnehmenden müssen keine erfahrenen Journalist*innen sein. Sie werden gebeten, einen einzigen Absatz zu schreiben, ähnlich einer Kurzgeschichte.

  • Erste Gruppe: „Verfassen Sie einen Nachrichtenartikel für ein linkes progressives Nachrichtenportal/Zeitung“
  • Zweite Gruppe: „Verfassen Sie einen Nachrichtenartikel für ein etabliertes moderates Nachrichtenmedium/Zeitung“
  • Dritte Gruppe: „Verfassen Sie einen Nachrichtenartikel aus der Perspektive eines rechten Nachrichtenportals“

Stichworte für alle 3 Gruppen sind: Geflüchtete, Diebstahl, Hilfe, Polizei, Körperverletzung, Tod.


Abschluss Workshop Teil 1 (20 Minuten)

Im Anschluss an das Verfassen werden die Artikel vorgestellt und einander gegenübergestellt.

Leitfragen zur Diskussion in den jeweiligen Kleingruppen:

  • Wie hat es sich angefüht, an die Artikel zu schreiben?
  • Wie war der Prozess in den Kleingruppen?
  • Steht ihr hinter euren Artikeln?

 

Vorstellung im Plenum:

Frage an die Kleingruppen: Was fällt euch beim Vergleich der Nachrichten auf? Tragt kurz einige Beobachtungen zusammen und stellt sie im Plenum vor!


Abschluss:

Die Moderation schließt die Runde mit einem kurzen Hinweis ab: Allgemein wird von Journalist*innen erwartet, neutral zu bleiben. Dennoch sind die Medien unterschiedlich orientiert, auch entscheiden sich Journalist*innen für eine/ihre Perspektive. Ziel der Kleingruppenübung war vor allem, dass die Teilnehmenden ideologische Perspektiven untersuchen (weniger, über die Richtigkeit der verfassten Nachricht zu urteilen).


Variante

Statt Teil 2 kann eine Vertiefung von Teil 1 durchgeführt werden: 

Diskussion über die Bedingungen, unter denen Informationsmedien in beiden Ländern arbeiten.


Schritt 1 (35 Minuten)

Zunächst kann ein vertiefender Vergleich der eigenen Mediennutzungsgewohnheiten und der eigenen Informationsgewohnheiten der Teilnehmer*innen erfolgen.

Danach Kleingruppeneinteilung (je nach Gruppengröße)

Aufbauend darauf machen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen für beide Länder mit Kernaussagen des Reuters Digital News Report zu beiden Ländern vertraut. Weitere Kleingruppen werfen einen vergleichenden Blick auf die jüngste Länder-Veröffentlichung von Reporter Ohne Grenzen zu beiden Ländern.

Leitfragen für die Abschlussdiskussion (15 Minuten):

Austausch in gemischten Kleingruppen:

  • Was habt ihr über Informationsverhalten in beiden Ländern herausgefunden?
  • Was habt ihr über die Medienlandschaft in beiden Ländern herausgefunden?
  • Was habt ihr über euer eigenes Informationsverhalten herausgefunden?
     

Danach Plenumsgespräch (15 Minuten):

  • Welche Art(en) der Einflussnahme besteht/en) in beiden Ländern?
  • Was sind die ökonomischen, politischen, sozialen Aspekte, die hierbei eine Rolle spielen?
  • Welche sind ähnlich welche sind unterschiedlich?

Kaffeepause (10 Min)

Workshop Teil 2: Kritische Brille aufsetzen (50 Min)

Die Teilnehmenden überprüfen gemeinsam Falschinformationen, die in den sozialen Medien verbreitet wurden. Die Moderation stellt Tools und Techniken zur Überprüfung von Fakten vor. Dieser Schritt dauert insgesamt etwa 30 Minuten.

Schritt 4: Gemeinsame Bildbetrachtung (30 min):

Gemeinsame Bildbetrachtung mit Frage ans Plenum:
„Dieses Bild wurde während der Proteste in der Türkei aufgenommen. Was wird dargestellt?“

Moderator*in teilt folgendes Bild https://www.boldmedya.com/2025/03/27/erdogan-sarachane-diye-gurcistandaki-eylem-goruntulerini-paylasti/ (der Link wird den Teilnehmenden nicht gezeigt).

Die Teilnehmenden werden gebeten, das Bild zunächst zu betrachten und dann mit ihren eigenen Mitteln zu überprüfen und verifizieren. Ziel der Übung ist, festzustellen, welche Fact-Checking Tools die Teilnehmenden bereits kennen (und nutzen).

Hinweis: Der hier präsentierte Zugang in Schritt 4 eignet sich vor allem für Gruppen, deren Erst- oder Zweitsprache Türkisch ist. Also Gruppen mit Teilnehmer*innen aus der Türkei und deutsch-türkischen Teilnehmenden aus Deutschland. Der Grund ist, dass Beispielmaterialien aus dem türkischen Medienkontext präsentiert werden. Bei einer anderen Gruppenzusammensetzung bietet es sich an, mit anderen Beispielen zu arbeiten (siehe bspw. Beispiele aus Schritt 5). Alternativ können auch an andere Ansätze zum fact-checking genutzt werden, siehe hierzu Rubrik Hinweise. Generell ist gerade beim Thema Fact-Checking angeraten, auf aktuelle Fake News und dazugehörige Faktenchecks einzugehen.
 

Im Anschluss teilen die Teilnehmenden ihre Beobachtungen, die auf einer Tafel notiert werden.

Frage 1: Welche Tools habt ihr genutzt? (Sammeln und Vorstellen im Plenum oder Sammeln in Kleingruppen und Vorstellen im Plenum)

Frage 2: Wozu benötigt man Fact-Checking?

Brainstorming in Kleingruppen (10 min)

Teilen auf Moderationskarten an Pinnwand (pro Frage 5 min)

Schritt 5: Plenum: „Wahr oder Falsch?“ (30 min):

Thematische Einführung durch die Moderation: Die in Nachrichtenmedien verwendete Sprache spielt – wie im ersten Teil des Workshops untersucht - eine entscheidende Rolle für die öffentliche Wahrnehmung von Ereignissen und die damit verbundene Meinungsbildung. Wortwahl und Darstellungsweise von Informationen beeinflussen, wie Menschen Themen verstehen und darauf reagieren. Journalist*innen und Faktenprüfer*innen tragen hier eine entscheidende Verantwortung. Inwieweit sie dieser Verantwortung Rechnung tragen, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab: von ihrer journalistischen Ethik, vom Fokus und der Intention ihrer Berichterstattung, dem Geschäftsmodell des jeweiligen Mediums etc. Auch Phänomene wie Click Baiting, die darauf ausgerichtet sind, Nutzer*innen möglichst lange auf einer Plattform zu halten, haben erheblichen Einfluss auf die journalistische Arbeit und die Gestaltung von Artikeln.

Einige ausgewählte Beispiele von Falschmeldungen werden im Plenum visualisiert und diskutiert. Dabei kann mit Hilfe der zuvor von den Teilnehmenden benannten Fact-Checking-Tools geprüft werden wie Fact-Checking funktioniert.

Hinweis: Ggf. müssen die folgenden Beispiele im Vorfeld von den Moderator*innen aktualisiert werden.

 

Beispiel 1:  Ein Clip aus “Die Simpsons“, der in den sozialen Medien geteilt wurde, behauptete, den Tod von Angela Merkel vorhergesagt zu haben.

Schritt 1: gemeinsames Anschauen des Videos

Schritt 2: Frage: Handelt es sich um eine echte oder falsche Simpsons-Folge (Ja – Nein?)

Schritt 3: Frage an die Gruppe: Was ist euch aufgefallen?

Die Moderation kann im Anschluss anhand der dpa Berichterstattung zur Simpsons-Folge die Geschichte der falschen Simpsons-Folge aufzeigen.

Video und Geschichte auf https://www.dpa-factchecking.com/germany/250324-99-315531/ 

 

Fakt ist auch, Angela Merkel war in verschiedenen Simpsons Folgen „Gast“:

https://simpsonswiki.com/wiki/Angela_Merkel

Hinweis für die Moderation: Das Beispiel 1 wurde als jugendkulturelles Bezugsbeispiel ausgewählt, das keinen spezifischen nationalen Kontext herzustellen erfordert, daher ist es gut geeignet zur gemeinsamen Betrachtung und Diskussion.

 

Beispiel 2: 6. Februar 2023, Erdbeben in der Türkei und Syrien

Titel „Eine harte Reaktion auf Plünderer: Sie schnitten ihm das Ohr ab“ https://www.yasamgazetesi.com.tr/yagmacilara-cok-sert-cevap-kulaklarini-kestiler

(Anmerkung: diese Webseite ist nur in türkischer Sprache verfügbar)

 

Faktencheck

https://teyit.org/analiz/kulagi-kesilen-kisinin-deprem-bolgesindeki-yagmacilardan-biri-oldugu-iddiasi

Kommentar für die Moderation: “Es wurde beobachtet, dass das entsprechende Video insbesondere auf privaten Messaging-Plattformen und Ekşi Sözlük verbreitet wird. Laut der ursprünglichen Quelle des Videos stammt es jedoch aus dem Jahr 2023 und wurde am 15. Januar aufgenommen. Der Vorfall ereignete sich etwa einen Monat vor dem Erdbeben.“

 

Beispiel 3: Ukraine-Solidaritäts-Kundgebungen in Deutschland

Am 4. März 2024 kursierte in der Türkei ein Video, das behauptete, dass in Deutschland eine Demonstration zur Unterstützung der Ukraine stattgefunden habe. Auffällig im Video war jedoch, dass es sich nicht um eine typische Solidaritätskundgebung, Demonstration oder Protestaktion handelte. Die Menschen waren recht ruhig, einige trugen lustige Kostüme und es waren Figuren von Putin und Selenskyj zu sehen.

Video: https://x.com/siyahsancakx/status/1896886630843371582

Mögliche Fragen:

  • Was fiel euch beim Betrachten auf?
  • Kennt ihr ähnliche Demonstrationen?

Optionale Vertiefung:

Wie kann man feststellen, ob Bilder auf social Media oder in anderen Medien, echt sind und nicht KI- generiert? Wie kann man feststellen, ob Bilder tatsächlich den Zeitpunkt der dargestellten Ereignisse spiegeln?

Eine Möglichkeit bietet das türkischsprachige Portal https://teyit.org,

https://teyit.org/analiz/video-almanyadaki-zelenski-protestosunu-mu-gosteriyor
 

Variante: Betrachten des Demonstrationsvideos in mononationalen Kleingruppen.

Frage an die Gruppen: Um was handelt es sich? Was fällt euch auf?

Antwort aus den Kleingruppen werden im Plenum vorgestellt

Diskussion und ggf. Auflösung (es handelt sich um einen Karnevalumzug)

 

Reflexion & Hinweise

Schritt 6: Reflexionssequenz zur Seminarauswertung in Bezug auf Medienkompetenz & Fehlinformationen (60 Min)

1. Individuelle Startreflexion – „Was nehme ich mit?“ (10 Min.)

Ziel: Persönliche Lernprozesse sichtbar machen
Methode: Stillarbeit / Reflexionskarte

Leitfragen (individuell, Auswahl):

  • Was war für mich das Wichtigste, das ich in diesem Workshop gelernt habe, und wie will ich es im Alltag anwenden?
  • Welche 2 Faktoren halte ich inzwischen für entscheidend, um zu beurteilen, ob eine Nachricht zuverlässig ist?
  • Welche eine Handlung möchte ich künftig ändern, bevor ich Informationen teile?

Jede/r Teilnehmende beantwortet max. zwei Fragen.
 

2. Bi-nationale Kleingruppenarbeit – Nachrichten kritisch prüfen (15 Min.)

Ziel: Gemeinsame Kriterien entwickeln
Gruppen: 4-5 Personen (gemischt DE/TR)

Arbeitsauftrag:
Diskutiert gemeinsam und haltet Stichpunkte fest:

  • Woran erkennen wir, ob eine Nachricht zuverlässig ist?
    (Faktoren, Leitfragen, Quellenprüfung)
  • Wie erkennen wir Falschinformationen und Clickbait-Schlagzeilen – und welchem Zweck dienen sie?
  • Welche Rolle spielt die Sprache von Nachrichten?
    Nennt ein Beispiel, wie Sprache Meinungen beeinflussen kann.

Fokus: Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern
 

3. Quellen, Neutralität & Fact-Checking – Austausch im Plenum (15 Minuten)

Ziel: Vertiefung & kritische Einordnung

Plenumsimpulse (moderiert):

  • Mit welchen Methoden können wir analysieren, ob eine Nachrichtenquelle voreingenommen ist?
  • Ist Neutralität in Nachrichten wichtig – und kann eine Nachricht überhaupt völlig unvoreingenommen sein?
  • Welche Fact-Checking-Tools oder Websites habt ihr kennengelernt?
    Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht und welches Tool war besonders hilfreich?

Moderation sammelt Kernpunkte sichtbar (Flipchart / Pinnwand).
 

4. Vergleich Deutschland – Türkei: Gemeinsame Perspektiven (10 Minuten)

Ziel: Interkulturelles Lernen & Kontextverständnis

Methode: Gemischte Gruppen oder Plenum

Leitfragen:

  • Welchen Gemeinsamkeiten und Unterschieden sind junge Menschen in Deutschland und der Türkei in Bezug auf Fehlinformationen ausgesetzt?
  • Was sind die gemeinsamen Herausforderungen, denen junge Menschen in beiden Ländern bei der Bekämpfung von Falschinformationen gegenüberstehen?

Fokus auf strukturelle Faktoren (soziale Medien, Algorithmen, Emotionen, Zeitdruck).
 

5. Transfer & Zusammenarbeit – Gemeinsamer Abschluss (10 Minuten)

Ziel: Handlungsperspektiven entwickeln

Kurzarbeit (2er-Teams oder Kreis):

  • Welche Schritte sollten wir immer unternehmen, bevor wir einen Artikel oder eine Information teilen?
  • Was können wir individuell tun, um die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien zu verhindern?
  • Welche Art der Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen aus Deutschland und der Türkei könnte helfen, Falschinformationen wirksam entgegenzuwirken?
     

Abschlussrunde (freiwillig):

„Eine Idee oder Verantwortung, die ich aus dieser Begegnung mitnehme …“

Ergebnis der 60-Minuten-Reflexion

Die Teilnehmenden:

  • formulieren klare Kriterien für verlässliche Nachrichten
  • reflektieren Sprache, Neutralität und Quellenkritik
  • vergleichen Medienrealitäten in Deutschland und der Türkei
  • entwickeln konkrete individuelle und gemeinsame Handlungsansätze
Hinweise zur Moderation

Hinweise

Obwohl Fact-Checking ein gängiges Methodenrepertoire darstellt, könnten einige der Beispiele jeweils zu spezifisch für den deutschen oder den türkischen Kontext sein. Vor Beginn der Schulung sollten die Moderator*innen daher Nachrichten, Informationen oder Inhalte identifizieren, die aktuell relevant sind und in den jeweiligen Ländern der Teilnehmenden medial aufgreifbar sind. Bei einer solchen Schulung besteht die wichtigste Aufgabe der Moderator*innen darin, geeignete Beispiele auszuwählen, um das Engagement der Teilnehmenden und die Relevanz sicherzustellen.

Bei der Auswahl der Themen für die Fact-Checking-Schulung im Rahmen des deutsch-türkischen Jugendaustauschprogramms oder anderer internationaler Austauschprogramme sollte auf gemeinsame Agenden, aktuelle Themen und Themen geachtet werden, die einen engen Bezug zum Alltag junger Menschen in den beteiligten Ländern haben. Vorrang sollten insbesondere Themen haben, die besonders anfällig für Falschinformationen sind, wie Wahlen, Krisen, Klimawandel und Migration, um das Bewusstsein junger Menschen zu schärfen. Der inhaltliche Fokus sollte auf gemeinsamen Werten (Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit) basieren, die das gegenseitige Verständnis und die Empathie unter den Teilnehmenden fördern. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit des Prozesses erhöht, wenn kulturelle Sensibilitäten berücksichtigt und Themen ausgewählt werden, die einen respektvollen und konstruktiven Dialog fördern, anstatt Stereotype zu reproduzieren.

Das Konzept ist in verschiedenen Bildungsumgebungen anwendbar. Sinnvoll wäre ist es, wenn die Teilnehmenden Zugang zu digitalen Endgeräten oder Computern haben, um ihnen ein direktes Ausprobieren zu ermöglichen.

Erfahrung mit der Methode:

Der Kontext, in dem wir dieses Training am effektivsten einsetzen konnten, waren Workshops zum investigativen Journalismus. Natürlich hat das Interesse der Teilnehmenden an diesem Thema eine wesentliche Rolle gespielt.

Im türkisch-deutschen Kontext haben wir die Trainingsmethode 2022 in Hannover getestet. In beiden Ländern identifizierten wir gemeinsame Themen, die eine Faktenprüfung erforderten, welche hauptsächlich mit Fehlinformationen über Geflüchtete, Asylsuchende und Migrantengruppen zusammenhingen. Darüber hinaus können wir allgemeine Fragen wie bspw. eine auf Jugendrechten basierende Nachrichtenformulierung und Menschenrechtsverletzungen in der Berichterstattung einbeziehen. Entscheidender Aspekt für die Moderation ist die Auswahl der richtigen Beispiele, um Zugang, Motivation und Relevanz sicherzustellen.

Materialien zur Vorbereitung

Materialien zur Vorbereitung:

Benkler, Y., Faris, R., & Roberts, H. (2018). Network propaganda: Manipulation, disinformation, and radicalization in American politics. Oxford University Press.

Kovach, B., & Rosenstiel, T. (2001). The elements of journalism: What newspeople should know and the public should expect. Three Rivers Press.

Silverman, C. (Ed.). (2014). Verification handbook: A definitive guide to verifying digital content for emergency coverage. European Journalism Centre. Retrieved from https://verificationhandbook.com/

Wardle, C., & Derakhshan, H. (2017). Information disorder: Toward an interdisciplinary framework. Council of Europe. Retrieved from https://rm.coe.int/information-disorder-toward-an-interdisciplinary-framework/168076277c

Webseite Reuters Digital News Report 2025, https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/digital-news-report/2025

Webseite Reporters Without Borders, World Press freedom Index 2025, https://rsf.org/en/rsf-world-press-freedom-index-2025-economic-fragility-leading-threat-press-freedom

 

Quellen für verwendete Beispielmaterialien:

https://www.tamgaturk.com/deprem-bolgesinde-yagma-yapan-kacak-gocmen-askerler-tarafindan-yakalandi/58484/   

https://teyit.org/analiz/video-almanyadaki-zelenski-protestosunu-mu-gosteriyor 

https://teyit.org/demec-kontrolu/6-subat-depreminin-karada-meydana-gelen-en-siddetli-deprem-oldugu-iddiasi 

Weitere Ressourcen zum Thema Fact-Checking

Es gibt bei www.politischbilden.de weitere Methoden/Beiträge (in deutscher Sprache), die das Thema Fact-Checking aufgreifen:

Pocket Workshop Verschwörungserzählungen: https://politischbilden.de/material/pocket-workshop-verschwoerungserzaehlungen/

Lösch dich nicht: https://politischbilden.de/material/hate_speech_im_netz_begegnen/

Selbstbestimmt im Netz: https://politischbilden.de/material/selbstbestimmt-im-netz/

Kann man das glauben? https://politischbilden.de/material/verschwoerung_antisemitismus/

Wie trägt das Internet zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen bei? https://politischbilden.de/material/verschwoerungserzaehlungen-internet-kleingruppen/

 

Fact-Checking Webseiten in Deutschland, Türkei, weitere:

https://www.mimikama.org/, eine Webseite die Behauptungen prüft, einordnet und erklärt. User*innen können Links, einstellen, konkrete Fragen zu News aus social media oder internetseiten stellen, deutschsprachig.

http://www.tagesschau.de/faktenfinder, der Faktenfinder der Nachrichten des deutschen öffentlich-rechtlichen Ersten Programms.

https://correctiv.org/, ein gemeinwohlorientiertes Medienhaus das für Journalismus, Medienbildung und Offene Technologien verbindet. Correctiv steht für investigativen Journalismus, Fact-Checking, Bildungsangebote und Dialogformate.

http://www.gadmo.eu/, ein Österreichisch – Deutsches Digital Media Observatory. Fokus sind ständig aktualisierte Information und Faktenchecks zu Fake News überall in Europa. Monatlich wird eine europäische Medienlandkarte aktualisiert, die die interessantesten Fakes und Faktenchecks aus verschiedenen Ländern vorstellt.

https://verificationhandbook.com/, Leitfaden zur Überprüfung digitaler Inhalte für die Berichterstattung in Notfällen, verschiedene Sprachversionen

https://firstdraftnews.org, Tools und mehr zum Thema Bekämpfung von Falsch- und Desinformationen im Internet. Arbeiten zum Verständnis der Herausforderungen, die sich aus dem Informations-Disorder ergeben.

https://teyit.org, türkisches Fact-Checking und Investigativportal.

https://www.dogrulukpayi.com/, türkisches Fact-Checking-Portal.

https://www.allsides.com/unbiased-balanced-news Ein Portal, das den Bias Gehalt von News aus verschiedenen Nachrichtenmedien prüft und deren Aussagen gegenüberstellt. Zusätzlich enthält es zahlreiche Tools zur Vertiefung und Recherche.


Bildersuche

Google Rückwärtssuche: ermöglicht, nach Bildern und den Kontexten ihrer Verwendung im Internet zu suchen

TinEye Reverse Image Search: ein Tool, mit dem Sie die Herkunft und Verbreitung eines Bildes im Internet verfolgen können

RevEye Reverse Image Search: eine Browser-Erweiterung, die die umgekehrte Bildersuche über mehrere Suchmaschinen ermöglicht

Fake News Debunker von InVID: eine umfassende Browser-Erweiterung, die bei der Überprüfung von Bildern und Videos hilft. Sie umfasst Funktionen wie Keyframe-Extraktion und umgekehrte Suche.

Hinweis: Diese Tools müssen oft mit einem Google-Konto verknüpft werden, um ihre volle Funktionalität zu entfalten.

 

Überprüfung von Videoinhalten

Machen Sie Screenshots von Videos, um Keyframes zu extrahieren.

Verwenden Sie Tools zur umgekehrten Bildersuche, um zu überprüfen, ob der visuelle Inhalt bereits online oder in einem anderen Kontext erschienen ist.

 

Erweiterte Google-Suche

Verwenden Sie erweiterte Google-Suchoperatoren, um Ihre Ergebnisse effektiv einzugrenzen. Kombinieren Sie bestimmte Schlüsselwörter mit logischen Verbindungswörtern:

Beispiel: „Jugend“ UND „Brücke“ UND „Türkei“ UND „Deutschland“. Diese Methode hilft dabei, relevante und glaubwürdige Quellen schneller zu finden.

 

Weitere Open-Source-Ressourcen

Neben Tools von Drittanbietern können auch Open-Source-Daten von staatlichen Institutionen den Verifizierungsprozess unterstützen. Dazu können öffentliche Aufzeichnungen, offizielle Statistiken oder Datenbanken gehören.

Projekt Navigating Democratic Challenges

Cover Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.

Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.

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