
Repair Café
Reparieren als reflexive Praxis
In diesem praxisorientierten Workshop öffnen und erkunden junge Menschen defekte digitale Geräte, um zu verstehen, wie sie hergestellt sind und was repariert werden kann. Sie erleben Selbstwirksamkeit und Teamarbeit und entdecken gleichzeitig, dass die Verlängerung der Lebensdauer von Geräten ein konkreter Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist.
Benötigte Zeit
120 Minuten
Gruppengröße
5-25
Benötigtes Material
Moderationsmaterial, alte digitale Geräte
Lernziele
- Förderung des praktischen Verständnisses dafür, wie digitale Geräte aufgebaut sind
- Stärkung des Selbstvertrauens und der Problemlösungsfähigkeiten durch praktische Reparaturen
- Förderung des Bewusstseins für Nachhaltigkeit und den Wert der Verlängerung der Produktlebensdauer
- Förderung des kritischen Denkens über Design, Verbraucherrechte und geplante Obsoleszenz
- Vernetzung junger Menschen mit lokalen Netzwerken (Repair Cafés, FabLabs, DIY-Initiativen)
Lerninhalte
- Hardware, Elektronik
- Reparatur
- Digitale Nachhaltigkeit
Vorbemerkung
Hinweis
Aufgrund des praktischen Charakters der Übung und der möglichen Risiken beim Zerlegen von elektronischen Geräten wird empfohlen, den Workshop außerhalb der regulären Schul- oder Jugendzentrumsumgebung durchzuführen, idealerweise in einer geeigneten Werkstattumgebung. Die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen wie einem Repair Café, einem Maker Space oder einem technischen Bildungszentrum wird dringend empfohlen. Diese Partnerschaften bieten geeignete Werkzeuge, Fachwissen und eine sichere Arbeitsumgebung und verbinden junge Menschen gleichzeitig mit den Ressourcen der Gemeinschaft.
- Reparaturinitiativen im deutschsprachigen Raum
Material
- Alte/defekte Geräte (Mobiltelefone, Kopfhörer, Laptops, Ladegeräte)
- Einfaches Werkzeugset (Schraubendreher, Zangen, Pinzetten, Lupe)
- Ersatzteile (falls verfügbar, z. B. Kabel, Batterien)
- Sicherheitsausrüstung: Handschuhe, ggf. Schutzbrille
- Flipchart/Poster zur Dokumentation der Reparaturversuche
Ablauf
1. Einführung (10 Minuten)
- Kurze Diskussion: „Was macht ihr normalerweise mit kaputten Geräten?“
- Umfrage zu den Erwartungen: Reparieren? Wegwerfen? Weiterverkaufen?
2. Erkundung (15 Minuten)
- Jede Gruppe wählt ein Gerät aus.
- Erste Aufgabe: Öffnet es vorsichtig und untersucht die Komponenten.
- Moderator:in erklärt Unterschiede: leicht austauschbare Teile (z. B. Batterie, Kabel) vs. schwer zu reparierende Teile (geklebte Batterien, gelötete Chips).
3. Reparaturversuch (40 Minuten)
- Schritt-für-Schritt-Anleitung durch Mentoren oder erfahrene Hobbybastler.
- Das Ziel ist nicht, „alles zu reparieren“, sondern durch Ausprobieren zu lernen.
- Jedes Team hält fest: Was haben wir erreicht? Was war schwierig?
Reflexion
Präsentation (15 Minuten)
- Gruppen berichten: Welche Geräte konnten repariert werden, welche nicht – und warum?
- Diskussion: „Was bedeutet das für unsere Nutzung? Was müsste sich ändern, um Reparaturen zu vereinfachen?“
Fazit (10 Minuten)
- Gemeinsames Sammeln von „Reparaturtipps für den Alltag“ (z. B. Handyhüllen verlängern die Lebensdauer, auf Ladezyklen achten) .
- Verweis auf lokale Repair Cafés oder Online-Anleitungen.
Reflexionsfragen
- Was habt ihr beim Reparieren gelernt – über Geräte, über Geduld, über Teamarbeit?
- Warum sind viele Geräte so konstruiert, dass sie schwer zu reparieren sind?
- Welche Rechte sollten wir als Verbraucher haben, um Reparaturen zu vereinfachen?
Variationen
- Zusammenarbeit mit Expert:innen: Ladet lokale Repair Cafés, FabLabs oder technisch versierte Personen als Mentor:innen ein.
- Mini-Version: Nur Kabel und Ladegeräte – schneller Erfolg.
- Langversion: Erstellt ein „Reparatur-Tutorial” (Video oder Poster), das andere junge Menschen nutzen können.
Hintergrundwissen
Ziel der Reflexion ist es, auch über die gesellschaftliche Relevanz des Ressourcenbewusstseins zu informieren. Zur Veranschaulichung können Daten und Forschungsergebnisse herangezogen werden. Zum Beispiel:
Europäisches Recht auf Reparatur
Die EU arbeitet auf ein ‚Rechts auf Reparatur‘ hin und startete eine Initiative für Kreislaufwirtschaft im Elektronikbereich (EUC COM(2020) 98 final). Die 2024 eingeführte Richtlinie (EU-Richtlinie 2024/1799) sieht Folgendes vor:
- Ein standardisiertes europäisches Reparaturinformationsformular
- Reparaturpflicht
- Einrichtung einer europäischen Online-Plattform für Reparaturen.
Fakten zu Elektroschrott
- Elektroschrott ist die am schnellsten wachsende Abfallsorte weltweit; jedes Jahr fallen zwischen 50 und 60 Millionen Tonnen an. Allein der im Jahr 2021 entsorgte Elektroschrott wiegt mehr als die Chinesische Mauer, das schwerste von Menschenhand geschaffene Bauwerk der Welt.
- 75–80 % des Elektroschrotts werden in Länder in Afrika und Asien verschifft, wo arme und marginalisierte Communities unter den gesundheitlichen und ökologischen Folgen leiden. Elektronikgeräte enthalten gefährliche Stoffe wie Blei, Quecksilber und Cadmium, die in die Umgebung gelangen, wenn sie auf Deponien gelagert oder von „Hinterhof-Recyclern” im globalen Süden verbrannt werden, um wertvolle Materialien wie Gold und Kupfer zu gewinnen.
- Weniger als 20 % des jährlich anfallenden Elektronikschrotts werden ordnungsgemäß recycelt.
- Elektroschrott enthält wertvolle Materialien, die durch ordnungsgemäßes Recycling gewonnen werden können. Schätzungen zufolge enthält nicht recycelter Elektronikschrott wiederverwertbare Edelmetalle im Wert von 57 Milliarden US-Dollar.
Quelle: EcoWatch: E-Waste 101: Everything You Need to Know
Hard- und Softwaregestaltung

Quelle: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Elektroschrotthierarchie

Quelle: Cornelis P. Baldé, Ruediger Kuehr, Tales Yamamoto, Rosie McDonald, Elena D’Angelo, Shahana Althaf, Garam Bel, Otmar Deubzer, Elena Fernandez-Cubillo, Vanessa Forti, Vanessa Gray, Sunil Herat, Shunichi Honda, Giulia Iattoni, Deepali S. Khetriwal, Vittoria Luda di Cortemiglia, Yuliya Lobuntsova, Innocent Nnorom, Noémie Pralat, Michelle Wagner (2024). International Telecom- munication Union (ITU) und United Nations Institute for Training and Research (UNITAR). 2024. Global E-waste Monitor 2024. Genf/Bonn.
Foto: © politischbilden.de im Computerspielemuseum Berlin

Digital Youth Work - Rights-Sensitive, Open, Accessible, Democratic (DIYW-ROAD)
Veröffentlicht im Rahmen des Projekts DIYW-ROAD, einer europäischen Partnerschaft koordiniert vom Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten.
Die englischsprachige Originalversion dieser Methode ist unter einer CC-BY-SA 4.0 International Lizenz auf der Plattform Competendo erschienen:
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