
Tabu
Ein interaktives Spiel zum politischen Bewusstsein junger Menschen
Die Tabu-Methode ist ein interaktives Lernspiel, das das Verständnis junger Menschen für rechtsstaatliche Konzepte und demokratische Teilhabe fördert. In Anlehnung an das bekannte Spiel beschreiben die Teilnehmenden Schlüsselbegriffe, ohne bestimmte „Tabu“-Wörter zu verwenden. In der anschließenden Reflexion erfolgt der Transfer auf gesellschaftliche Fragen. Die Methode ist Teil des deutsch-türkischen Methodenkompendiums Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange
Zeit
60-90 Min.
Zielgruppe
12-30 Jahre
Gruppengröße
15-25 Personen
Material
Tabu-Karten mit Begriffen und Tabuwörtern (ausgedruckt oder auf Karteikarten geschrieben), Flipchart, Marker, Klebeband/ Haftnotizen, kleine Glocke/Summer. Optional Handouts mit Erläuterungen zu Schlüsselbegriffen (s. Download).
Überblick
Die Tabu-Methode ist ein interaktives Lernspiel, das das Verständnis junger Menschen für staatsbürgerliche Konzepte und demokratische Teilhabe fördert. In Anlehnung an das bekannte Spiel beschreiben die Teilnehmenden Schlüsselbegriffe (z. B. Demokratie, Wahlen, Menschenrechte), ohne bestimmte „Tabu“-Wörter zu verwenden. In Teams kommunizieren sie kreativ ihre Ideen, während ihre Mitspielenden den richtigen Begriff erraten, wodurch kritisches Denken, staatsbürgerliches Vokabular und die Reflexion über demokratische Werte gefördert werden. Eine Nachbesprechung verbindet das Spiel mit realen Themen wie Jugendengagement und Hindernissen für die Teilhabe. Durch sein anpassungsfähiges, spielerisches und mehrsprachiges Format eignet es sich besonders gut für deutsch-türkische Jugendaustausche, fördert den interkulturellen Dialog, ermöglicht den Vergleich demokratischer Praktiken und hinterfragt Stereotypen. Die Methode wurde im Kontext eines deutsch-türkischen MethodLab vorgestellt und für den Austausch adaptiert. Sie kann auch auf weiteren Kontexten interkultureller oder sozialer Lernsituationen adaptiert und entsprechend angewendet werden.
* Note: Descriptions in English and Turkish are available in the downloads section*
Lernziele
- Unterschiedliche Ebenen des bürgerschaftlichen Engagements analysieren und die eigene Beteiligung an politischen und sozialen Themen reflektieren.
- Vergleichen von unterschiedlichen Perspektiven zu Wahlen und Abstimmungen durch interaktive Positionierungsaktivitäten.
- Verständnis wichtiger staatsbürgerlicher Konzepte
- Mit eigenen Worten die Bedeutung von Demokratie, Wahlen und bürgerschaftlichem Engagement erklären.
- kritisches Denken entwickeln, indem Barrieren für die Beteiligung junger Menschen an politischen Prozessen (bspw an Wahlen) erörtert werden.
- Nachdenken darüber wie eigene Handlungen und Entscheidungen zu einer funktionierenden Demokratie beitragen.
- Wege finden, sich stärker im gesellschaftlichen Leben zu engagieren.
Lerninhalte
- Demokratische Konzepte: Demokratie, Wahlen, Menschenrechte und deren Umsetzung in verschiedenen politischen Systemen
- Vergleich politischer Systeme: Unterschiede und Gemeinsamkeiten demokratischer Traditionen und staatsbürgerlicher Realitäten
- Schlüsselbegriffe & Sprache: Erklärung, Erraten und Diskussion zentraler Begriffe zur Förderung sprachlicher Kompetenz
- Mehrsprachigkeit & Ausdrucksfähigkeit: Einsatz von Deutsch, Türkisch oder weiteren Sprachen zur inklusiven und präzisen Vermittlung demokratischer Ideen
- Interkulturelles Verständnis: Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede, Perspektivwechsel und Empathie
- Bürgerbeteiligung & Engagement: Chancen, Hindernisse und praktische Erfahrungen politischer Teilhabe junger Menschen
- Kritische Reflexion & Kontextbewusstsein: Analyse von Machtstrukturen, Repräsentation, Inklusion und lokalen wie internationalen Zusammenhängen
- Stereotype & Vorurteile: Identifikation, Hinterfragen und Abbau eigener Annahmen durch Austausch und Dialog
- Demokratische Handlungskompetenz: Praktische Anwendung demokratischer Werte wie Offenheit, Dialogbereitschaft und Teilhabe
Durchführung und Hinweise
Ablauf
1. Einführung & Aufwärmphase (15 Minuten)
Aktivität: Icebreaker zu Civic Awareness
Die Moderation beschriftet eine Seite des Raums mit „sehr engagiert” und die andere mit „überhaupt nicht engagiert”. Sie liest verschiedene Aussagen vor, und die Teilnehmenden bewegen sich entsprechend ihrem Engagementgrad entlang einer unsichtbaren Linie:
- Ich diskutiere mit Freunden oder meiner Familie über soziale oder politische Themen.
- Ich habe schon einmal an einer Demonstration, einer Petition oder einer Kampagne teilgenommen.
- Ich weiß, wie Entscheidungen getroffen werden, die meine Gemeinde betreffen.
Zwei bis drei Freiwillige werden gebeten, zu erklären, warum sie dort stehen, wo sie stehen
2. „Wahlaussagen – Wo stehst du?“ (10 Minuten)
Die Moderation beschriftet eine Seite des Raums mit „Stimme voll und ganz zu“ und die andere mit „Stimme überhaupt nicht zu“.
Nun werden folgende Aussagen vorgelesen, die Teilnehmenden positionieren sich entlang einer unsichtbaren Linie:
- Wahlen sind das wirksamste Mittel, um etwas zu verändern.
- Alle politischen Parteien sind gleich, daher ist Wählen irrelevant.
- Die Stimmen junger Menschen ändern nichts.
- Wer nicht wählt, darf sich nicht über die Politik beschweren.
Anschließend teilen 2–3 Freiwillige ihre Gedanken mit.
3. Hauptaktivität: Tabu-Spiel zum Thema Civic Awareness (45 Minuten)
Option 1:
Spielablauf:
Die Teilnehmenden bilden zwei Teams. Ein*e Spieler*in aus Team A zieht eine Tabu-Karte und beschreibt das Wort, ohne die aufgeführten Tabu-Wörter zu verwenden (siehe beispielsweise Tabu-Wörter im Anhang). Das Team hat 60 Sekunden Zeit, um das Wort richtig zu erraten. Bei richtiger Antwort gibt es 1 Punkt, bei Verwendung eines Tabuworts wird 1 Punkt abgezogen. Eine Schiedsperson aus dem anderen Team sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Die Teams wechseln sich ab, bis alle Karten aufgebraucht sind oder die Zeit abgelaufen ist. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt!
Reflexion (15 Minuten)
Kleingruppenarbeit (10 Min.) – „Warum ist Wählen wichtig? “
Die Teilnehmenden bilden Kleingruppen (3-4 Personen). Jede Gruppe wählt mehrere wichtige Tabuwörter aus (z. B. Wahlen, Demokratie, bürgerschaftliches Engagement) und diskutiert:
- Warum ist dieses Konzept wichtig?
- In welchem Zusammenhang steht es mit der Beteiligung junger Menschen an Wahlen?
Jede Gruppe teilt ihre Erkenntnisse in einer Plenumsdiskussion mit der gesamten Gruppe.
Option 2
Vorbereitung: Die Teilnehmenden bilden Kleingruppen (4-5 Personen pro Gruppe). Jede Gruppe erstellt ihre eigenen Tabu-Karten, indem sie wichtige Begriffe aus dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements auswählt und fünf damit verbundene „Tabu”-Begriffe brainstormt, die nicht zur Beschreibung verwendet werden dürfen (10-15 Min.)
Spielablauf:
Die Gruppen tauschen ihre Tabu-Karten mit einer anderen Gruppe aus. Eine Person aus jeder Gruppe zieht eine Tabu-Karte und beschreibt das Hauptwort, ohne die aufgelisteten Tabu-Wörter zu verwenden, während ihr Team versucht, es zu erraten. Die Teams haben pro Runde 60 Sekunden Zeit. Wenn das Team richtig errät, erhält es 1 Punkt; wenn es versehentlich ein Tabuwort verwendet verliert es 1 Punkt. Eine Schiedsperson aus einer anderen Gruppe sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Die Gruppen wechseln sich ab, bis alle Karten aufgebraucht sind oder die Zeit abgelaufen ist. Die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.
Plenum:
Nachbesprechung und Diskussion für Option 2 (10 Minuten):
- Wie habt ihr entschieden, welche Wörter ihr einbezieht und welche ihr ausschließt?
- Was habt ihr durch diese Aktivität über bürgerschaftliches Engagement gelernt?
- Inwiefern hängt dies mit realen Diskussionen über Demokratie und Partizipation zusammen?
Reflexion & Auswertung
Fragen für die Abschlussreflexion:
- Was habt ihr im Tabu-Spiel über Teilhabe von Menschen an Politik in verschiedenen Kontexten gelernt?
- Wie unterscheiden sich Civic Awareness und demokratische Teilhabe in Deutschland und der Türkei?
- Was sind die größten Herausforderungen für die Wahlbeteiligung junger Menschen in den jeweiligen Kontexten? Wie kann man ihnen begegnen?
- Welche praktischen Schritte könnt ihr unternehmen, um euch aktiver am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen?
Projekt Navigating Democratic Challenges

Diese Methodenbeschreibung ist im Rahmen des Projekts „Navigating Democratic Challenges – Civic Education in German-Turkish Youth Exchange“ entstanden, einer Zusammenarbeit der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke (DTJB), dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) und der Toy Gençlik Derneği (TOY). Sie ist Teil des im Projekt entwickelten Methodenkompendiums.
Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS+ gefördert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union oder von JUGEND für Europa wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.
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